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Americana : Hymnischer Agit-Pop von Hurray For The Riff Raff

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Das neue Album von Hurray For The Riff Raff ist ein Streifzug durch die US-amerikanische Musiktradition, von Gospel über Doo-Wop, Folk und Blues bis Country-Rock oder Latin. Und noch mehr als das.

Als «voice of the future» bezeichnet der US-Radiosender NPR die tolle Stimme von Alynda Mariposa Segarra, die mit ihrem Bandprojekt Hurray For The Riff Raff jetzt zum großen Coup ausholt.

Auf «The Navigator» (ATO/Pias), einem lupenreinen Americana-Konzeptalbum, bekennt sich die gern trotzig dreinblickende Sängerin so deutlich wie noch nie zu ihren Latina-Wurzeln.

In zehn Stücken, die durch den Opener «Entrance» und den Abschluss «Finale» gerahmt werden, erzählt Segarra eine komplexe Geschichte über die Identitätsfindung einer Puerto-Ricanerin in rauer, auch feindseliger Umgebung. Man darf vermuten, dass die Texte von Liedern wie «Living In The City», «Nothing's Gonna Change That Girl» oder «Halfway There» zu großen Teilen autobiografisch inspiriert sind - die Musikerin wuchs in der New Yorker Bronx auf.

Das siebte HFTRR-Werk passt inhaltlich - bei aller Geschmeidigkeit der Melodien - durchaus zum aufmüpfigen Gestus der Sängerin. Segarras Lieder, so nostalgisch und traditionsbewusst sie auch anmuten, passen insofern perfekt in das innerlich zerrissene Amerika von heute, manche Kritiker sprechen gar vom ersten großen Popalbum der Trump-Ära. «Pa'lante» beispielsweise klingt wie ein hymnischer, wütender Schlachtruf - mitreißend!

Produziert wurde die 40-minütige Songsammlung von Paul Butler, der zuvor schon Michael Kiwanuka oder St. Paul And The Broken Bones zu einem entstaubten Retro-Sound verhalf. Besonders positiv fallen die prächtige Streicher-Ballade ««Settle» und die beherzten Latin-Grooves im Album-Highlight «Rican Beach» auf.

Dieser Strand sei «ein fiktionaler Ort, aber beschrieben mit meinen Vorfahren im Hinterkopf», sagt Segarra. Es sei Zeit, sich bewusst zu werden, «dass dieses Land für Dich und für mich gemacht wurde». Und nicht für Leute wie Donald Trump, werden viele Hörer dieser ambitionierten Agit-Pop-Scheibe wohl ergänzen.

Konzerte: 29.03. Hamburg - Häkken; 30.03. Berlin - Grüner Salon; 31.03. München - Milla; 02.04. Münster - Pumpenhaus

Website Hurray For The Riff Raff

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erstellt am 20.Mär.2017 | 13:54 Uhr

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