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Politik

28. Februar 2017 | 10:53 Uhr

Zahnmedizin : EU geht gegen Amalgam vor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Füllmaterial für Zähne darf ab 2018 nicht mehr bei Kindern und Schwangeren benutzt werden. Verbot ab 2030?

Amalgam-Füllungen in Zähnen gelten als nicht ganz ungefährlich. Denn sie enthalten das hochgiftige Quecksilber. Nun will die Europäische Union dafür sorgen, dass Amalgam schrittweise aus den Zahnarztpraxen verbannt wird. Was müssen die Patienten jetzt wissen?

Warum geht die EU gegen Amalgam vor?
Amalgam enthält neben Silber, Kupfer und Zinn auch das hochgiftige Quecksilber. Dieses Material ist weich, leicht formbar und damit als Zahnfüllung sehr verbreitet. Dennoch gehen Mediziner davon aus, dass Patienten mit einer Amalgam-Füllung einer vier- bis fünfmal so hohen Belastung ausgesetzt sind als dies bei anderen Plomben der Fall wäre. Es besteht die Gefahr, dass Quecksilber-Ionen durch den Speichel und die Schleimhäute in den Organismus gelangen.

Warum gilt Amalgam in Deutschland bis heute als Regelleistung der Krankenkassen?
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) spricht vom „ältesten, besterforschten zahnärztlichen Wirkstoff“. Hinzu kommt: Reparaturen mit Amalgam sind kostengünstig und mit bis zu 18 Jahren extrem haltbar. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, es gebe kein Füllmaterial mit „ähnlich breitem Anwendungsspektrum bei der gleichen Verarbeitbarkeit und den gleichen physikalischen Fähigkeiten wie Dental-Amalgam“.

Verwenden deutsche Zahnärzte überhaupt noch Amalgam?
Die KZBV betont ausdrücklich, dass dieses Füllmaterial zwar „rückläufig“ genutzt wird, aber es gilt nach wie vor als Regelleistung für gesetzlich Versicherte. Die denken allerdings auch immer mehr um – zum einen wegen ihrer Gesundheit, zum anderen aus ästhetischen Gründen. Viele wollen lieber eine der Zahnfarbe angepasste andere Lösung, für die sie aber je nach Wahl zuzahlen müssen.

Soll Amalgam komplett verboten werden?

Nein, zunächst fordert die EU-Kommission in Brüssel, dass ab dem 1. Juli 2018 kein Amalgam mehr bei Zahnreparaturen von Kindern, werdenden Mütter und stillenden Frauen verwendet wird. Nach 2020 soll dann zusammen mit den Zahnmedizinen geprüft werden, ob dieser Stoff ab 2030 komplett aus den Praxen verschwinden kann.

Welche Alternativen gibt es für Patienten?
Zahnärzte bieten schon seit Langem verschiedene Füllungen an. Dazu gehören Kunststoff-Plomben ebenso wie Keramik-Zahnersatz oder Gold-Inlays. Diese sind aber teurer, so dass der Patient unter Umständen einen hohen Eigenanteil, der bis zu 800 Euro pro Zahn bei einem Gold-Inlay reichen kann, selber tragen muss.

Gibt es Zuschüsse?
Die Krankenversicherungen handhaben dies unterschiedlich. Einige zahlen dem Versicherten die Kosten für eine Amalgam-Zahnfüllung, was darüber hinausgeht, muss der Patient dann aus eigener Tasche tragen.

Sollte man Amalgam- Füllungen ersetzen?
KZBV und Zahnärzte empfehlen ohnehin eine jährliche Kontrolle. Dabei wird auch der Zustand alter Amalgam-Füllungen kontrolliert. Falls ein Ersatz nötig ist, wird der Mediziner dies ansprechen.

 

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erstellt am 10.Dez.2016 | 16:00 Uhr

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