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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. Februar 2017 | 02:39 Uhr

leinen los : Herrnburger setzt die Segel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

In der Werkstatt von Manfred Kalkhorst entstehen Segelbote die unter Wind bestehen

Manfred Kalkhorst strahlt sehr viel Ruhe aus. Geduld ist eine der Stärken des 67-Jährigen aus Herrnburg und ein großer Vorteil für sein Hobby – dem Schiffsmodellbau. Seit gut 25 Jahren ist das die große Leidenschaft von Kalkhorst, der seine Modelle auf gerade einmal 4,5 Quadratmetern baut.

Sein Arbeitszimmer ist spartanisch eingerichtet. Auf einer Werkbank liegen drei Akkuschrauber und Schleifpapier. An der Wand hängen Schraubenzieher und Schraubzwingen, in den Regalen stehen mehrere kleine Boote, Segel und Leim. „Mehr brauche ich“, sagt Kalkhorst.

Seine Segelboote plant und zeichnet er alle selbst, bevor er eine Plattform mit den zukünftigen Decksmaßen als Aufriss herstellt. Anschließend schneidet er mit einer Kreissäge sogenannte Spanten, vier Millimeter dicke Sperrholzstreifen. Ebenso fertigt er schmale Holzstreifen als Planken - die Außenwände des Schiffsrumpfes. „Die Planken sind so dünn und schmal, dass sie problemlos die geschwungene Form des Bootskörpers annehmen“, erklärt Manfred Kalkhorst. Ganz wichtig bei seinem Hobby: Er klebt die Planken immer vom Deck zum Kiel und abwechselnd auf der linken und rechten Seite des Rumpfes. „Dadurch verzieht sich der Bootskörper nicht.“ Nach dem der Leim für die Planken getrocknet ist, heißt es für den Bastler: schleifen, schleifen, schleifen. „Der Job, den ich nicht so gerne mag“.

Auf den fertigen Bootskörper klebt Kalkhorst das Deck. „Hierauf befestige ich auch noch Masten, Beschläge und andere Bootsaufbauten.“ Die Segel des Schiffes fertigt der Herrnburger aus leichten Tüchern, aus denen man auch Drachen in die Luft steigen lassen kann. Ganz zum Schluss installiert er dann noch die Steuerungstechnik zum Bedienen der Segel und des Ruders.

Was sich so schnell und einfach anhört, nimmt in der Realität ganz viel Zeit in Anspruch. Mindestens ein halbes Jahr sägt, klebt und schleift der ehemalige Kfz-Schlosser der Schönberger Metallbaufirma Mebak an so einem Modellboot. „Wenn ich Gas gebe. Wenn nicht, dauert es auch mal schon ein Jahr oder länger.“

Ein ganz bestimmter Maßstab ist Manfred Kalkhorst bei seinem Hobby nicht wichtig. Nur auf eins kommt es ihm an: Dass die Segelboote nicht zu groß werden. Maximal 1,20 Meter. „So, dass ich sie noch mit dem Auto transportieren kann.“ Denn natürlich will der Modellbauer seine Segelboote auch ausprobieren. „Ich will ja sehen, ob sie auf dem Wasser segelfähig sind.“

Zu seinem Lieblingshobby ist Manfred Kalkhorst eher durch Zufall gekommen. Vor rund 25 Jahren hat er mit dem Sohn einer Bekannten „herumgebastelt und ein Boot gebaut“. Das erste Modell, gibt er heute zu, war eine „Katastrophe“. „Es sollte ein Segelboot sein, ist aber fast überhaupt nicht gesegelt. Es stand mehr auf dem Kopf als alles andere.“ Auch das anschließende Motorboot ließ aus heutiger Sicht noch viel zu wünschen übrig. Aber eins war seitdem geweckt: Manfred Kalkhorst sein Interesse für den Schiffsmodellbau.

Seinen Fokus legte er auf Segelboote. „Weil das interessanter ist als Motorboote zu bauen. Ein Motorboot setzt du aufs Wasser, fährst zwei, drei Runden und dann ist es langweilig.“ Bei Segelbooten sei das anders. „Es gehört viel mehr Geschick dazu, auch Kenntnisse der Segeltechnik sind wichtig, einfach mehr Können, damit sie sich im Wasser bewegen und segeln.“ Deshalb lautete sein ehrgeiziges Ziel vor gut zweieinhalb Jahrzehnten: „Einmal ein Boot bauen, das segelt.“

Bis heute hat Manfred Kalkhorst mehr als 15 solcher Modelle gebaut. Sein Motto: Learning by doing. „Die Fahreigenschaften verbessern sich von Boot zu Boot. Ich achte heute bei jedem neuen Modell auf noch mehr Details, auf die Segeldruckpunkte, auf das Verhältnis Gewicht des Bootes zur Segelfläche und vieles mehr.“

Ab und an stellt Manfred Kalkhorst seine Modelle auch aus. Zuletzt konnten Besucher einige seiner Segelboote bei der Ausstellung Kunst und Hobby in der Schönberger Palmberghalle bestaunen. Dadurch, dass er alles selbst macht, bezahlt der Bastler für so ein ferngesteuertes Modell inklusive Elektrik, Funkempfänger und anderer Steuertechnik nicht mehr als 150 Euro.

Um die Segel unter Wind zu bekommen, trifft sich der 67-Jährige regelmäßig mit Gleichgesinnten. In Lübeck an der Wakenitz. Sogar an Seen in und um Schwerin. „Wir machen keine Wettkämpfe. Bei uns gibt es auch kein schönes oder schlechtes Boot, sondern wir treffen uns aus reinem Vergnügen am Segeln“.  



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