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Geflügelpest : Trübsinn auf der Hühnerstange

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Hobbyzüchter stellen Stallpflicht für Hühner, Enten und Co. infolge der Geflügelgrippe infrage.

Vogelgrippe und kein Ende. Erst Ende Dezember war ein toter Seeadler am Südufer des Krakower Sees mit dem hochansteckenden H5N8-Virus gefunden worden. Folge: ein Sperrgebiet im Umkreis von drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet im Umkreis von zehn Kilometern. Die Hühnerhalter und -züchter schimpfen. Zu lange schon dauert ihnen die Stallpflicht für ihr Federvieh. „Das ist verordnete Quälerei für die Tiere“, sagt Reiner Garbrecht (56) aus Kuchelmiß. Die Stallpflicht bringe nichts, meinen auch die Hobbyzüchter Thomas Gieger (46) aus Siemitz und Detlef Kaeding (58) aus Klueß. Sie sind Mitglieder im Krakower Rassegeflügelzuchtverein. Auf ihrer jüngsten Vereinssitzung kamen sie überein nach Wegen zu suchen, sich gegen die Stallpflicht zu wehren. Wie, das wissen sie noch nicht.


Aussterben alter Rassen droht


„Eine kurzfristige Stallpflicht vielleicht für drei Wochen. Das sehen wir noch ein“, sagt Thomas Gieger. Aber langsam wachsen die Sorgen um die Zukunft. Nicht nur, dass die Hühner kaum Eier legen. Die Hähne würden ohne Sonnenlicht keine Lust haben. Und bei Enten und Gänse – Wassergeflügel – sehe es ohne Wasser auch ganz schlecht mit Nachwuchs aus, erklären die Männer. Ihr Fazit: Die Vogelgrippe und die damit verbundene Stallpflicht mache die Hobbyzucht kaputt. Alte Rassen würden aussterben, was den Genpool in bedrohlicher Weise reduziere. „Wir brauchen die privaten Züchter um die Rassen zu erhalten“, betont Detlef Kaeding. Das Töten allen Federviehs im Umkreis von drei Kilometern vom Fundort eines an Geflügelpest verendeten Tieres, erbost die Hobbyzüchter außerdem. „Warum lässt man die Tiere nicht am Leben und beobachtet sie?“, fragt sich Reiner Gabrecht. Er hat seinen Hof im Beobachtungsgebiet in Kuchelmiß. „Wir bauen hier einen Tier- und Vogelpark auf“, berichtet der 56-Jährige. Viele Wildrassen leben auf dem Hof. „Die kann man nicht einsperren“, betont er und nennt u.a. die Mandschurei-Kraniche, Weißnackenkraniche und Pfauen. Mit den Mitarbeitern des Veterinäramtes des Landkreises könne man reden. „Wir haben eine Lösung gefunden. Sie können draußen bleiben“, berichtet Reiner Gabrecht. Dagegen drängeln sich Puten und Sumatra-Hühner im Stall. Letztere benötigt er nicht nur wegen der Eier, sondern in erster Linie als Ammen. Sie brüten die Eier von Wildgeflügel aus.

 

Wildtiere wie die Kraniche und Pfauen könne man nicht einsperren, darin sind sich Detlef Kaeding, Reiner Garbrecht und Thomas Gieger einig.
Wildtiere wie die Kraniche und Pfauen könne man nicht einsperren, darin sind sich Detlef Kaeding, Reiner Garbrecht und Thomas Gieger einig. Foto: Regina Mai

Auch in Klueß drängeln sich die Großhühner (Mechelner und Italiener) im Stall von Detelf Kaeding. Bei Thomas Gieger sind es eine bunte Schar von Zwerg-Wyandotten in drei Farbschlägen, französische Enten Rouen Claire und Pommerngänse. „Die Gänse würden jetzt anfangen zu legen…“, überlegt der Hobbyzüchter aus Siemitz. Sein Hobby wolle er nicht aufgeben. Der Umgang mit den Tieren sei für ihn Entspannung pur.

Einen Ansatzpunkt sehen die Männer nicht auf lokaler Ebene. Hier müssten Verordnungen und Gesetze umgesetzt werden. Viel mehr hinterfragen sie die industrielle Tierhaltung und halten es gegenüber der Einschleppung der Vogelgrippe-Viren über Wildvögel aus Asien für wahrscheinlicher, dass der Ursprung in den Massentierhaltung zu suchen sei.

Im Landkreis Rostock bestehen nach wie vor Beobachtungsgebiete um Rostock herum sowie ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet am Krakower See. „Der Sperrbezirk kann wahrscheinlich in dieser Woche aufgehoben werden“, informierte gestern Landkreissprecher Michael Fengler. Bei der Stallpflicht aber bleibt es.

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erstellt am 10.Jan.2017 | 05:00 Uhr

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