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Diskussionen um HVV-Anbindung : Pendler-Gespräche in Boizenburg

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wolfgang Waldmüller (CDU) und Till Backhaus (SPD) führten in der Elbestadt Gespräche zu Möglichkeiten der Anbindung an den HVV

Nach Jahren der Diskussion und des Stillstands kommt jetzt Bewegung in das Thema um einen möglichen Anschluss Boizenburgs und ganz Westmecklenburgs an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Schuld daran ist ein Antrag der CDU-Landtagsfraktion für einen mehrere Jahre dauernden Modellversuch, den sie bei der nächsten Landtagssitzung einbringen will.

In der letzten Woche traf sich Wolfgang Waldmüller, für die CDU Fraktionsvorsitzender im Kreistag und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag, mit Berufspendlern in Boizenburg, um sich über ihren Pendleralltag zu informieren. Auch der Verein „Haus & Grund“ hatte Bürger und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ins Rathaus eingeladen, um über Möglichkeiten der Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zu reden.

Erst am 1. März war die Landeshauptstadt Schwerin und der Altkreis Parchim in die Metropolregion Hamburg aufgenommen wurden. „Nun ist es Zeit, auch Westmecklenburg an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) anzubinden und das Netz dieser starken Gemeinschaft verkehrstechnisch weiter zu profilieren“, forderte Wolfgang Waldmüller. Er unterstrich die Bedeutung der Metropolregion Hamburg als eine der wettbewerbsfähigsten Region Deutschlands und als die Wirtschaftslokomotive im Norden. Sie habe sich in den zurückliegenden Jahren zu einem starken Netzwerk in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Energie und Verkehr entwickelt. Eine wesentliche Herausforderung sei die Integration und Koordination der Pendler in die Metropolregion.

Mehrere hundert Menschen aus Westmecklenburg pendeln täglich in den Raum Hamburg zur Arbeit. Das mache es dringend erforderlich, bedarfsgerechte, abgestimmte Fahrtzeiten, gebündelte und durchgängige Linien und einen einheitlichen Tarif zu gestalten. Bislang und gerade seit der Fahrplanänderung im Dezember 2015 würden die Nahverkehrspläne und Tarife der Region nicht besonders gut zum Hamburger Verkehrsverbund passen. „Dies gilt es zu ändern und mittelfristig ein überregionales integriertes Verkehrssystem zu schaffen“, so Waldmüller.

Bereits 2015 hatte die CDU- Fraktion im Kreistag einen entsprechenden Antrag eingebracht. Dem Wirtschaftsausschuss des Landkreises wurden Mitte 2016 etwaig anfallende Kosten für einen HVV-Beitritt zunächst für den Schienenpersonen-Nahverkehr auf den Bahnstrecken Büchen - Schwanheide – Boizenburg – Hagenow Land - Schwerin Süd (RE 1) und Hagenow Stadt - Hagenow Land – Ludwigslust (RB 14) vorgelegt.

„Ein Anschluss an den bereits bestehenden HVV ist der Schlüssel für eine optimierte Verkehrsanbindung an die Hansestadt.“ Diese Überzeugung fand Waldmüller auch durch das Gespräch mit den Familien Gilbrich und Hogg, in der vergangenen Woche in Boizenburg bestätigt. „Wir wissen, dass die Hürde für unseren Landesteil groß, aber nicht unüberwindbar ist“, meint der CDU-Mann.


CDU schlägt Pilotprojekt für Zeitkarteninhaber vor


Der Antrag seiner Fraktion bei der nächsten Sitzung des Landesparlaments beinhaltet die Einrichtung eines Pilotprojektes zur Ausdehnung des HVV-Tarifgebietes für Zeitkarteninhaber auf die Bahnstrecken Büchen-Schwerin Süd (RE 1) und Hagenow Stadt (RB 14) zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017.

„Es gibt ungefähr 400 Zeitkarteninhaber in unserer Region“, erklärte die Fraktionsgeschäftsführerin der CDU im Kreistag, Laura Schulz, gegenüber der SVZ. Würde das HVV-Tarifgebiet auf sie ausgedehnt, würde das zusätzliche Kosten von etwa 250  000 Euro für das Land bedeuten. „Das soll aber auch alle künftigen Zeitkarteninhaber betreffen. Je mehr es werden, desto stärker sinken die zusätzlichen Kosten für das Land pro Person.“ Die Ausdehnung des HVV-Tarifgebietes solle aber auch für die Zeitkarteninhaber in Schleswig-Holstein und Hamburg von Vorteil sein. „Die könnten dann mit ihren Karten am Wochenende Ausflüge in die Metropolregion machen.“


Backhaus wünscht sich Arbeitsgruppe


Auch Minister Till Backhaus stand am letzten Freitag seinen Wählern in Boizenburg zum Thema HVV Rede und Antwort. Bei der Veranstaltung des Vereins „Haus & Grund“ stellten die Bürger dem Minister Fragen zu Zugtaktung und Tarifanbindung. Backhaus verwies auf die Äußerung des Ministerpräsidenten Erwin Sellering vor kurzem, es sei Zeit, die Verkehrsanbindung der Region nach Hamburg zu entwickeln. „Unser erstes Ziel ist es, die Fahrzeit wieder so zu verkürzen, wie sie schon einmal war“, äußerte er sich im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Gründe für den jetzigen Zustand seien Baumaßnahmen auf der Strecke und der Vorrang der ICE vor den Regionalzügen. Perspektivisch müsste die Anbindung an den HVV angegangen werden. „Mein Traum ist es, in den HVV zu kommen“, so Backhaus. Schließlich würde zwischen Boizenburg und dem HVV nur die Station Schwanheide liegen. „Über den geplanten Antrag der CDU müssen sich in der nächsten Woche erst ein Mal die Arbeitskreise der Koalitionspartner austauschen“, erklärte der Minister. „Ich will mich für eine Arbeitsgruppe zu dem Thema einsetzen.“ Die Pendler der Region dürfen gespannt sein auf die nächste Landtagssitzung.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 21:00 Uhr

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