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Ludwigsluster Tageblatt

22. Januar 2017 | 11:17 Uhr

Neu Kaliss : Abschied nach 28 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Pastorin Constanze Schröder ist in den Ruhestand gegangen und zieht nun nach Schwerin. Nun kommt eine neue Pastorin für Dömitz und Neu Kaliß

Ein persönliches Gesetz hatte Constanze Schröder für ihre Kirchengemeinde Neu Kaliß gebrochen. Sie blieb länger als 15 Jahre, viel länger. Bei einem zweiten Grundsatz bleibt sie nun hart. Nach ihrer Verabschiedung aus dem Pastorenamt verlässt sie die Region. Gestern wurde sie beim Gottesdienst mit Propst Dirk Sauermann offiziell verabschiedet, am Mittwoch rollen die Umzugswagen. Ziel: Schwerin.

Regina Meyer muss nicht lange überlegen, was sie an Constanze Schröder schätzt. „Es ist ihre menschliche, einfühlsame Art und wie sie auf Menschen zugeht“, sagt die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Ulrich Lüth ergänzt: „Wir haben im Kirchengemeinderat sehr gut zusammengearbeitet, haben eine ganze Menge geschafft und gebaut. Constanze hat zu jedem eine persönliche Beziehung.“ Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei für die Pastorin immer wichtig gewesen, betont Regina Meyer.

Constanze Schröder war Ende Oktober 1988 als junge Pastorin aus Sternberg nach Neu Kaliß gekommen. Ein Jahr später kam die Wende. Eine bewegende Zeit, wie Constanze Schröder betont. Sie leitete den Runden Tisch in der Gemeinde und baute enge Bindungen zu Kirchengemeinden jenseits der Elbe auf. Unvergessen ist ihr das Konzert des Mandolinenorchesters aus Langendorf. „Der Chor suchte eine warme Kirche, wir hatten eine“, erzählt sie. „Am 30. Dezember 1989 fand das Konzert statt.“ Die Kalisser hatten Kuchen gebacken und Mittag gab es für die Gäste bei den Bürgern zu Hause. Der Kontakt zur Kirchengemeinde hielt über Jahre. „Ich tauschte mit dem Pastor immer mal wieder die Kanzel. Er kam nach Neu Kaliß, ich fuhr nach Langendorf. Er nahm hier meinen Trabi, ich fuhr jenseits der Elbe seinen Passat und kann mich noch gut erinnern, dass ich das Auto viel zu groß für die schmalen Straßen fand.“

Auch die Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Suawoude in der holländischen Provinz Friesland ist Constanze Schröder wichtig. Sie hatte den Kontakt hergestellt und war 1993 mit ihrer ersten Konfirmandengruppe zum ersten Besuch nach Holland gereist. „Vor allem die Älteren waren anfangs sehr reserviert. Die deutsche Sprache in ihrer Kirche – das war für sie undenkbar“, so Constanze Schröder. Das hat sich längst geändert. „Durch den langjährigen Kontakt hat sich ein großes Verständnis füreinander entwickelt“, sagt Ulrich Lüth. Und so kam auch gestern zum Abschiedsgottesdienst eine Gruppe aus Suawoude.

Ein weiterer Höhepunkt war für Constanze Schröder das Landeserntedankfest in Neu Kaliß. „Eines von vielen Beispielen dafür, wie eng Bürgermeister Burkhard Thees und Constanze zusammengearbeitet haben“, sagt Ulrich Lüth. „Es wurde ein voller Erfolg.“ Weil alle Gruppen und Vereine mitgemacht haben, ergänzt Regina Meyer. „Am Ende fügten sich die einzelnen Puzzleteile zu einem wunderbaren Ganzen.“ Für Constanze Schröder war der Erntedankgottesdienst die besondere Herausforderung. „Er durfte nur eine Stunde dauern. Deshalb habe ich alles minutiös geplant, was sonst nicht meine Art ist. Aber es hat geklappt“, so die 63-Jährige.

Dass ihr Weggang viele Menschen in der Region traurig stimmt, weiß Constanze Schröder. Aber sie habe gemerkt, dass ihre Kraft nicht mehr reicht, um die Dinge zu tun, die ihr besonders wichtig sind – wie die Kinder- und Jugendarbeit zum Beispiel. Dass sie nicht in der Region bleiben kann, liegt an ihrem zweiten persönlichen Grundsatz. „Ich möchte nicht, dass die Pastorin, die nach mir kommt, dadurch Stress hat, dass ich noch vor Ort bin“, so Constanze Schröder. „Sie soll die Freiheit für den Neuanfang haben.“ Zudem hätte sie in Neu Kaliß nie eine private Person sein können, sondern wäre immer Frau Pastorin geblieben.

In Schwerin, wo sie im Stadtzentrum eine schöne Wohnung gefunden hat - „ein Himmelsgeschenk“, freut sie sich auf die Kultur, auf tolle Musik, Frauengruppen, die mit ihr auf einer Wellenlänge liegen, und hoffentlich auf das Singen in einem Chor, „am liebsten im Chor der Paulskirche“. Mit der Stadt verbindet sie schöne Erinnerungen, weil sie dort vor Jahrzehnten Jugendarbeit gemacht hatte. „Die Konfirmanden von damals treffe ich jetzt als 50-Jährige wieder.“ Trotzdem falle ihr der Abschied schwer. „Die Vertrautheit, die ich in Neu Kaliß habe, werde ich vermissen“, sagt sie.

Noch schwerer hat ihre Kirchengemeinde daran zu knabbern. „Lange haben wir uns als Kirchengemeinderat vor diesem Tag gefürchtet“, sagte Regina Meyer gestern im Gottesdienst. „Am liebsten hätten wir die Zeit angehalten.“ Sie habe Angst gehabt, dass alles auseinanderbricht. „Jetzt bin ich froh und dankbar, dass ein nahtloser Übergang gelingt“, betonte Regina Meyer gegenüber SVZ. Am 1. Februar wird Inga Millon ihre Pastorenstellen antreten – allerdings in den verbundenen Kirchengemeinden Dömitz und Neu Kaliß.

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ – so lautet die Jahreslosung der Kirche für 2017. „Das passt doch perfekt“, sagt Constanze Schröder.  


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erstellt am 09.Jan.2017 | 09:00 Uhr

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