zur Navigation springen

Ludwigsluster Tageblatt

19. Januar 2017 | 18:01 Uhr

Wöbbelin : Beeindruckt von Francois Raveau

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nils Leppin (19) absolviert Freiwilliges Soziales Jahr in Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin / Berufswunsch Archäologe

Professor Francois Raveau hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er war Psychiater des berühmten französischen Romanciers und Philosophen Jean-Paul Sartre, außerdem Anthropologe. Er war mit 16 Jahren bereits Mitglied der Résistance (Widerstandsbewegung gegen die NS-Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg) und das jüngste Mitglied seiner Widerstandsgruppe. Francois Raveau wurde im Mai 1945 im Konzentrationslager Wöbbelin befreit.

Im Oktober 2016 besuchte der Franzose zum ersten Mal die Gedenkstätte. Nils Leppin begleitete ihn zum Erinnerungsplatz des ehemaligen Lagergeländes. Hier stieß der Professor auf Namen von Opfern, die aus seiner Gruppe stammten und war tief bewegt.

„Die Begegnung mit Francois Raveau war ein Höhepunkt meiner bisherigen Arbeit“, sagt Nils Leppin. Er absolviert seit dem 1. September 2016 in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ein „Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur“ (FSJ). Träger ist die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ MV).

„Meinen ersten Kontakt mit den Mahn- und Gedenkstätten hatte ich schon 2014 aufgrund meines Engagements in der Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte Schwerin. Hier lernte ich die Leiterin der Fachgruppe sowie der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, Ramona Ramsenthaler, kennen. Aufgrund meines Interesses auf dem Gebiet der Geschichte beteiligte ich mich an Flurbegehungen im Bereich des Lagergeländes“, schildert der 19-Jährige. Außerdem betreute Nils im Mai vergangenen Jahres polnische Frauen, die als Überlebende des KZ Wöbbelin an den Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung des Lagers teilgenommen hatten.

Die Arbeit gefällt ihm, der sein Abitur am Gymnasium Fridericianum in Schwerin abgelegt hat. Da hat Nils Leppin das Angebot der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten genutzt, ein freiwilliges Jahr in der Einrichtung zu absolvieren.

Zu seinen täglichen Aufgaben gehören neben Pflegearbeiten, der Besucherbetreuung und Führung des Presseordners die Unterstützung von Projekttagen sowie Recherchen zum Kriegsende in der Region.

Als Jahresprojekt hat Nils Leppin das Thema „Todesmärsche der KZ Sachsenhausen und Ravensbrück“ bekommen. In diesem Zusammenhang unterstützt er einen Projektkurs an der Regionalschule Domsühl bei Parchim. Ein wichtiger Aspekt sei die Digitalisierung und Archivierung von Quellen, so der FSJler.

Ramona Ramsenthaler hält seine Arbeit für sehr wichtig, nicht zuletzt deshalb, weil der geringere Altersunterschied zu den Schülern, die die Mahn- und Gedenkstätten besuchen, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen erhöht.

„Die Arbeit in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin ist sowohl anspruchsvoll als auch sehr bewegend, da ich oft schnell zwischen den beiden Themen – dem Dichter Theodor Körner und dem KZ Wöbbelin – wechseln muss. Aufgrund der Begegnung mit den Angehörigen von Opfern und Überlebenden des KZ und der Arbeit mit Kindern bereitet diese viel Freude“, gesteht Nils Leppin.

Der Träger seines FSJ, die LKJ, organisiert dreimal im Jahr Seminare zu verschiedenen Themen, außerdem stehen dem jungen Mann Bildungstage zu. „Das Jahr bietet also nicht nur die Möglichkeit, in einem interessanten Umfeld tätig zu sein, sondern auch, mich weiterzubilden“, sagt er.

Nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr plant Nils ein Studium der Ur- und Frühgeschichte, um Archäologe zu werden.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen