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Ludwigsluster Tageblatt

22. Januar 2017 | 11:16 Uhr

Vielank : Hier spüren sie Bibertunnel auf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Der Nager hat bei Vielank die Gemeindestraße entlang des Rieselgrabens untertunnelt. Röhren wegen „Gefahr in Verzug“ zugeschüttet

Der Bagger zerschlägt den Beton, buddelt die Erde aus. Und das gleich an mehreren Stellen.

Biberalarm in Vielank! Der Nager hat die Gemeindestraße entlang des Rieselgrabens im wahrsten Sinne des Wortes untertunnelt. Deshalb wird ihm jetzt zu Leibe gerückt. Bürgermeisterin Christel Drewes: „Wir haben das Problem bereits seit drei Jahren. Der Biber buddelt in der Böschung des Grabens und gefährdet damit auch Menschen.“

Das Problem nämlich: Einige Tunnel reichen bis unter die Straße, die von der Land- und Forstwirtschaft mit ihren Fahrzeugen genutzt wird. Die Fahrbahn droht nun wegen der Bibertunnel gleich an mehreren Stellen einzubrechen. Nicht auszudenken, wenn ein Laster samt Fahrer hier einbricht...

MUT-Mitarbeiter untersuchen eine Tunnelröhre.
MUT-Mitarbeiter untersuchen eine Tunnelröhre. Foto: Münchow

Doch der Biber ist eine streng geschützte Art. Deshalb darf ihm nur indirekt zu Leibe gerückt werden – und auch das nur ausnahmsweise. Mathias Hippke, im Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe zuständig für Forschung, Monitoring und Artenschutz, war bei den Arbeiten zugegen: „Wir haben es hier wahrscheinlich mit einer Biberfamilie zu tun, die gewöhnlich aus Eltern sowie zwei oder drei Jungtieren besteht und mehrere Tunnel als Behausung nutzt. Der Biber ist ebenso geschützt wie seine Lebensstätte. Doch weil in diesem Fall Gefahr in Verzug ist, darf behutsam gegraben werden.“ Auf keinen Fall darf der Biber dabei zu Schaden kommen, höchstens eingefangen werden, um ihn dann anderenorts wieder freizulassen.

So rückte nun die von der Gemeinde beauftragte MUT Umwelttechnik GmbH aus Ludwigslust mit dem Bagger an, um nach den Bibertunneln zu buddeln. Gemeindearbeiter Fred Klinge: „Insgesamt wurden bei 21 Schachtungen Tunnelröhren entdeckt, drei davon unter der Straße. In einem Tunnel haben wir frische Spuren vom Biber gefunden. Alle Röhren wurden nun mit Schotter gefüllt.“

Weil der Nager nicht im Schotter wühlt, wird er diese Tunnel künftig nicht mehr nutzen. Damit geht zumindest von erwähnten 21 Röhren keine Gefahr mehr aus. Fraglich aber ist, ob sich der Biber so einfach vertreiben lässt. Schließlich ist entlang des Grabens ja noch genügend Platz, um neue Tunnel zu buddeln...

Fast „umgesägt“: Der Biber hat diesen Baum angenagt.
Fast „umgesägt“: Der Biber hat diesen Baum angenagt. Foto: Münchow

Fest dagegen steht, dass der Nager die Gemeinde einiges kostet. Für die Grabungsaktion wurden rund 2000 Euro veranschlagt. Die Gemeinde hat beim Land zwar Antrag auf Schadenersatz gestellt, doch zunächst muss Bürgermeisterin Christel Drewes konstatieren: „Das Geld fehlt uns jetzt für die Sanierung beispielsweise anderer Straßen.“

Mathias Hippke dämpft schon mal die Erwartungen, indem er darauf hinweist, dass solche Schäden „hinzunehmen“ seien und die Kosten nur im Einzelfall erstattet würden.

Übrigens: Der Biber ist nicht nur unterirdisch aktiv. Offenbar in der Nacht vor der Grabungsaktion hat er am Rieselgraben einen Baumstamm angenagt.

 

 

 

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erstellt am 10.Jan.2017 | 20:45 Uhr

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