zur Navigation springen

Ludwigsluster Tageblatt

28. Februar 2017 | 10:57 Uhr

Schutz vor dem Wolf in Schlesin : Zeus und Krabbe passen auf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Berufsschäfer Maik Gersonde aus Schlesin verstärkt den Schutz seiner Tiere. Den Umgang mit dem Thema Wolf sieht er kritisch.

Wenn Maik Gersonde mit seinem weißen Geländewagen um die Ecke fährt, horchen seine Herdenschutzhunde Zeus und Krabbe schon auf, obwohl er noch gut einen Kilometer entfernt ist. „Gute Reaktion“, freut sich der Schäfer. Die Hunde, die Tag und Nacht bei den Schafen auf der Weide in Polz verbringen, sind nur eine Maßnahme, mit der der Schlesiner seine knapp 2000 Schafe vor dem Wolf schützen will.

Aufgeregt kommen Zeus und Krabbe an den Zaun gelaufen, wedeln mit dem Schwanz, als sie Maik Gersonde sehen. Doch gut 20 Zentimeter vor dem Netzgeflecht bleiben die beiden Pyrenäenberghunde stehen. „Auf diesem Zaun sind zwischen 6000 und 8000 Volt Strom. Meine Hunde wurden so erzogen, dass sie den Zaun nicht berühren, geschweige denn herüberspringen“, erklärt Maik Gersonde. Der gelernte Schäfer, der bereits seit 1991 seinen Hof in Schlesin betreibt, setzt seit zwei Jahren auf die Hilfe der Herdenschutzhunde. Eine Reaktion auf die vermehrten Wolfsangriffe und -sichtungen in der Region. „Seit 2008 gab es immer wieder Wolfsrisse in meinen Herden. Zuletzt habe ich ihn Ostern 2016 direkt an meinem Haus gesehen. Hätte ich gewusst, wie erfolgreich die Arbeit mit Herdenschutzhunden ist, hätte ich mir schon viel früher welche angeschafft“, erklärt der Schlesiner. Insgesamt besitzt er jetzt neun Pyrenäenberghunde, darunter fünf Welpen, die jedoch noch nicht einsatzfähig sind. „Ab dem zweiten Lebensjahr können die Hunde eine Herde schützen. Aber die Ausbildung beginnt schon mit dem Tag der Geburt“, so der Schäfer weiter.

Wie eine Familie: Herdenschutzhündin Krabbe bewegt sich frei zwischen den Schafen.
Wie eine Familie: Herdenschutzhündin Krabbe bewegt sich frei unter den Schafen. Foto: Schulze

Die Polzer Herde mit rund 900 Tieren, sogenannte Fleischschafe, ist durch einen 1,20 Meter hohen Elektrozaun geschützt. Der Grundschutz für Ziegen und Schafe in einem Wolfsgebiet muss laut Landwirtschaftsministerium mindestens 90 Zentimeter betragen. Doch seit zwei Jahren rüstet Maik Gersonde den Schutz seiner Tiere immer weiter auf, was gleichzeitig einen erhöhten Zeit- und Personalaufwand bedeutet. „Ich werde wohl bald einen neuen Mitarbeiter einstellen müssen, damit wir den Mehraufwand durch die aktuelle Bedrohung durch den Wolf leisten können“, so der Schäfer. Derzeit hat er drei Mitarbeiter. Auch finanziell stellt der aufwendige Schutz eine Herausforderung dar. Neben der Anschaffung neuer Zäune fallen auch Kosten für die Ausbildung und Haltung der Hunde an.

Doch Unterstützung vom Land hat Maik Gersonde sich bisher noch nicht geholt. „Die Bearbeitung meines ersten Antrages war sehr langwierig und kompliziert und hat im Endeffekt nichts gebracht. Aktuell läuft ein zweiter Förderantrag, doch für die ganze Bürokratie habe ich eigentlich keine Zeit.“ Außerdem würden die 15 000 Euro Förderung auf drei Jahre für seine Betriebsgröße nicht ausreichen. „Ein Welpe kann schon bis zu 2000 Euro kosten. Da ist die Ausbildung noch nicht mit reingerechnet“, so der Schäfer.

Die Liebe zu Hunden brachte Maik Gersonde in die Schäferei. Deshalb ist es ihm wichtig, nicht als Wolfsfeind gesehen zu werden. „Der Wolf ist ein faszinierendes Tier, aber er hat in unserer Region nicht genug Platz“, so der Schäfer. Besonders der Umgang mit dem Thema gefällt ihm nicht. „Die Menschen und besonders wir Tierhalter werden nicht genug über die Wolfsvorkommnisse informiert.“ Gersonde wünscht sich eine regelmäßige Auswertung des Wolfsmonitorings, um seine Schafe bei erhöhter Gefahr besser schützen zu können. Bis dahin wird er seine Herden jeden Tag mit einem mulmigen Gefühl verlassen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen