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Prozess in Rostock : 30 Euro Beute: Spielothek-Räuber gesteht

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Michael W. überfiel für 30 Euro Beute die Angestellte Andrea R. – sie leidet noch immer unter der Angst #wirkoennenrichtig

Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung muss sich Michael W. (27) aus Rostock seit gestern vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, am 22. September 2015 die Spielothek Easyplay am Warnemünder Kirchenplatz überfallen zu haben.

„Ich hatte Spätschicht, es war nicht viel los“, berichtete gestern Andrea R., Mitarbeiterin in der Spielothek und Opfer des Angeklagten. Ein junger Mann sei hereingekommen und habe gebeten, die Toilette benutzen zu dürfen. Sie erlaubte es ihm. „Dies ist keine öffentliche Toilette“, hätte sie ihm aber sagen müssen, als er das zweite Mal kam. Er hielt sich recht lange im WC auf und habe sich erschrocken, als er zwei Gäste, nämlich ihre Kinder, in einer Nische sitzen sah. Als sie sich kurz nach Mitternacht verabschiedet hatten, stürmte der Mann mit einem Fahrrad ins Geschäft. Um seinen Kopf hatte er ein T-Shirt gewickelt, trotzdem hätte sie ihn sofort wiedererkannt. „Ich versuchte, die Glastür zuzuhalten, aber es gelang mir nicht“, berichtete die Zeugin.

Mit der Luftpumpe habe er ihr zweimal auf den Hinterkopf geschlagen und ihr Pfefferspray in die Augen gesprüht. „Die Augen brannten. Ich konnte nichts mehr sehen.“ Dann sei der Täter auf die Kasse zugelaufen, hätte sie aufgerissen und sei mit 30 Euro verschwunden. „Ich lief auf die Straße und rief um Hilfe. Ein Taxifahrer fuhr vorbei. Er dachte wohl, ich sei betrunken. Er half jedenfalls nicht“, so Andrea R. „Es war wie im Film.“ Die 50-Jährige erlitt eine Riesenbeule und Prellungen am Kopf sowie Verätzungen der Augen. 26 Tage war sie krank geschrieben. „Und die Angst werde ich nicht mehr los.“

Michael W. legte gestern ein umfassendes Geständnis ab, das sein Verteidiger vortrug. Wenn er alles rückgängig machen könnte, würde er es sofort tun, meinte der Angeklagte. Unter Tränen entschuldigte er sich bei seinem Opfer. Er hoffe, dass Andrea R. ihm irgendwann verzeihen könne. Der Angeklagte gab an, am Tattag mehrere Amphetamin-Tabletten eingenommen und auch eine Flasche Pfefferminzlikör sowie Bier getrunken zu haben. Er sei über sich selbst erschrocken gewesen, habe sofort seine Kleidung entsorgt und sich selber zur Entziehung in Gehlsheim eingewiesen. So war er zunächst von der Bildfläche verschwunden.

Ein umfangreiches und glaubhaftes Geständnis des Angeklagten war die Bedingung, unter der das Gericht zu einer Verständigung über eine bestimmte Strafhöhe bereit war. Die Verteidigung hatte das Gespräch angeregt und eine Haftstrafe unter vier Jahren vorgeschlagen. Daraus wurde nichts.

Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung einigten sich auf eine Freiheitsstrafe zwischen vier Jahren und neun Monaten und fünf Jahren und drei Monaten. Das Gericht ließ sich eine Hintertür offen: Falls rechtlich bedeutsame Umstände übersehen worden seien, müsste es sich nicht an die Festlegungen halten. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Am Mittwoch soll das Urteil verkündet werden.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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