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Norddeutsche Neueste Nachrichten

01. Juli 2016 | 04:43 Uhr

Rostock : AFD plant Anti-Asyl-Demo für Sonnabend

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bündnisse „Rostock hilft“ und „Rostock nazifrei“ organisieren Gegenkundgebung / Streit um Feuerwache als Flüchtlings-Unterkunft

Die Bemühungen der Stadt, Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden, und die bundesweit wie auch in Rostock herausfordernde Situation zu managen, ruft erste Gegner auf den Plan. Die Partei AFD hat für Sonnabend in Rostock zu einer Demonstration unter dem Motto „Asylchaos stoppen“ aufgerufen. MV-Gida-Anhänger auch anderer Bundesländer werden erwartet, um ab 15 Uhr durch die Innenstadt zu marschieren.

„Solidarität statt Hetze – Geflüchtete unterstützen, RassistInnen entgegen treten!“ heißt die Antwort aus der Stadtgesellschaft. Die Bündnisse „Rostock nazifrei“ und „Rostock hilft“ haben sich dafür zusammengeschlossen. Sie rufen ebenfalls für Sonnabend zu einer Kundgebung am Neuen Markt auf. Sie beginnt um 13 Uhr. Um 14 Uhr findet in der Marienkirche eine Andacht „Flüchtlinge willkommen!“ statt. Wie die Stadt Flüchtlinge derzeit willkommen heißt und warum die Suche nach Unterkünften so schwierig ist, informierte Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) gestern die Ortsbeiräte. Sie werden häufig angesprochen und wurden dafür entsprechend auf den neuesten Stand gebracht.

Das neue Amt für Flüchtlingsangelegenheiten ist noch in der Aufbauphase, hat aber mittlerweile die Feuerwehr von den Aufgaben in der Koordination freigespielt. „Der Führrungsstab der Feuerwehr arbeitet dafür nicht mehr“, so Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Seit Wochen bietet sich das gleiche Bild im Hauptbahnhof: Im Mittelgeschoss warten Ehrenamtliche der Organisation „Rostock hilft“ auf einen Zug aus Hamburg, der 100 oder mehr Flüchtlinge bringen wird. Die Ankommenden, von denen fast alle eine Fähre in Richtung Skandinavien nehmen wollen, werden notdürftig versorgt und in die Fiete-Reder-Sporthalle gebracht.

In einem von „Rostock hilft“ entwickelten System wird ihnen eine Fähre ab Rostock oder Sassnitz für den folgenden Tag zugewiesen. Zur Hilfe gehört die Begleitung nach Skandinavien. Für das gibt es viel Lob aus der Stadtverwaltung.

Jeden Tag kommen rund 500 Flüchtlinge, seit Anfang September weit mehr als 10 000 Menschen. In Rostock leben laut Bockhahn mehr als 700 Flüchtlinge in mehreren Unterkünften. Jede Woche kämen 60 bis 70 dazu, die vom Land zugewiesen und dann ein Asylverfahren durchlaufen. Eine der Hauptforderung, sowohl von „Rostock hilft“ als auch aus der Verwaltung an das Land ist die Bildung einer Erstaufnahmeeinrichtung in Rostock – bislang ohne Erfolg.

Wie die meisten deutschen Kommunen ist Rostock an der Grenze der Belastbarkeit. „Wir gehen davon aus, dass 2015 etwa 1500 Menschen ankommen und dauerhaft bleiben werden“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). 2016 könnten es nach seiner Schätzung doppelt so viele sein. Unklar ist deren Unterbringung.

Stadt und „Rostock hilft“ reiben sich unterdes gegeneinander auf. Die Organisation hatte einen Katalog von Forderungen gestellt. Ganz wenig sei passiert, sagt eine der Sprecherinnen, Julia Reichart. Eine aktuelle Zusage über die tägliche Lieferung von 300 Broten und die Übernahme von Handykosten verbessert die Stimmung kaum. Der Ankündigung des OBs, 50 Stellen eigens für die Flüchtlingshilfe zu schaffen, sei vernommen worden, sagt Reichart zurückhaltend. „Wir haben in den letzten Wochen so viel gehört, was dann nicht umgesetzt wurde“, sagt sie. Aktueller Hauptkritikpunkt: Die Missstände in der Gemeinschaftsunterkunft Feuerwache Groß Klein. Menschen schlafen dort auf Pritschen, in Turnhallen, ohne Rückzugmöglichkeit.

Die Feuerwache sei die schwierigste Unterkunft in der Stadt, bestätigt Bockhahn: „Wir arbeiten an größeren Lösungen.“ Es sei leicht, in der Stadt herumzugehen und Dinge zu finden, die nicht perfekt sind. „Wir sind in der Situation, in der wir uns zwischen Obdachlosigkeit und suboptimalen Bedingungen entscheiden müssen – und dann sind es für mich die suboptimalen Bedingungen.“

 

 

 

 

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