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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. September 2016 | 19:27 Uhr

Hilfsaktion auf Lesbos : „Das wird mein härtester Einsatz“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Jörg Westphal vom Infozentrum der Seenotretter startet zur Hilfsaktion auf der Insel Lesbos / Er will Menschen vor dem Ertrinken retten

Jörg Westphal beteiligt sich in Kürze freiwillig an einer körperlich und emotional anstrengenden Mission. Dafür opfert er Urlaub. Ostersonnabend bricht der Leiter des Informationszentrums der Seenotretter mit anderen Kollegen zur griechischen Insel Lesbos auf. „Das wird mein härtester Einsatz“, vermutet der 53-Jährige, der selbst freiwilliger Seenotretter in seinem Wohnort Wustrow ist. „Ich sage bewusst nicht, dass ich Flüchtlinge retten will, ich will Menschen retten, die zu Schiffbrüchigen geworden sind, und griechischen Kollegen Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagt er.


Bilder werden sich einbrennen


Es warten extreme Situationen auf die Helfer. Er hat Filme von schwedischen Kollegen gesehen, wo neben Überlebenden gleich beim ersten Einsatz tote Kinder an Bord gehievt worden sind. Der schwedische Schiffsführer ist so ergriffen, dass er hemmungslos weint. „Der Einsatz wird Spuren hinterlassen“, vermutet Westphal. „Aber wir sind top vorbereitet worden“, sagt der Chef vom Infozentrum Warnemünde. Das betrifft die Reanimation, Seelsorge und das Retten der Schiffbrüchigen aus dem Wasser. „Dafür gibt es ein spezielles Training in Nordfriesland“, so Westphal, der sein Vorhaben mit Ehefrau Angelika besprochen hat. „Für sie war klar, dass ich es mache“, sagt Westphal. Er hat sich deshalb mit einem Syrer getroffen, um einige arabische Sätze zu lernen. „Dazu gehören Aufforderungen wie ,Bleibt ruhig’, ,Frauen und Kinder zuerst’ und ,Wir bringen euch auf die Insel“. Trotz aller Hilfe ist Westphal sicher: „Der Tod von Menschen wird passieren.“ Seine Entscheidung für den Einsatz hat neben der menschlichen Komponente autobiografische Gründe: „Ich bin ein Kind von Flüchtlingen, mein Vater ist 1945 als 13-Jähriger mit Sack und Pack geflohen“, erzählt der 53-Jährige. Auch Mutter Hildegard ist Flüchtling, sie sollte mit der untergegangenen „Gustloff“ kommen, weil das Schiff voll war, kam sie auf ein anderes, erzählt er.

Die Besatzung des Seenotrettungskreuzers „Minden“ wohnt auf Lesbos nicht an Bord, sondern nahe der Station. Die achtköpfige Crew wechselt alle zwölf Stunden. Für den Einsatz müssen die Helfer über eine Seetauglichkeit verfügen, Impfnachweise besitzen und Notfall- und Reanimationskurse besucht haben. Die Geretteten werden auf Veranlassung der griechischen Küstenwache, die sämtliche Einsätze koordiniert, auf die Insel Lesbos gebracht. Westphal ahnt, dass ihn der Einsatz verändern kann, weil sich Bilder von toten Kindern und Erwachsenen einbrennen für das Leben. Aber das hält ihn nicht davon ab. Er will einfach helfen.

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erstellt am 12.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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