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Uni Rostock : Revolution in der Fischzucht: Muscheln für Forellen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Wissenschaftler suchen nach effizienten Alternativen für die Aufzucht von Forellen #wirkoennenrichtig

Forscher der Rostocker Universität wollen die Fütterung in der Fischzucht revolutionieren. Bisher gilt: „Das beste Futter für den Fisch ist noch der Fisch selbst – aus diesem Grund enthalten Fischfutter in größeren Mengen Fischmehl“, erklärt Professorin Petra Wolf, Inhaberin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie und Tierernährung. Vor allem Raubfische müssten mit ihrer Nahrung viel Eiweiß aufnehmen.

Das wollen Wolf und ihr Team jetzt ändern. Dafür sind sie auf der Suche nach alternativen Futtermitteln – und verfolgen bereits eine heiße Spur: Rotalgen, die die Badegäste am Strand ärgern, Miesmuscheln und Seeringelwürmer könnten schon bald als eiweißreiches Futter für die Forellenaufzucht vor der Ostseeküste dienen. Davon ist die international anerkannte Wissenschaftlerin überzeugt. Eine maßgebliche Idee für alternatives Fischfutter hatte Gregor Thum. Dem 31-jährigen Forschungstaucher fiel bei Expeditionen an den küstennahen Riffen Nienhagen und Rosenort auf, dass dort jede Menge an Algen und wirbellosen Tierchen zu finden sind. Aber: „Die Ernte ist aufgrund der Lage der Riffe schwierig und kostspielig“, sagt Thum.

Er verweist auf das Projekt Baltic integrated multitrophic aquaculture (Imta), in dem neben Forellen auch Rotalgen und Miesmuscheln in der Nähe des künstlichen Riffes Nienhagen zusammen kultiviert wurden. Die Fische seien zunächst mit kommerziellem Mastfutter gefüttert worden. Gregor Thum hatte dann die Idee zur weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit einer solchen Anlage. „Warum sollte man die Fische in Aufzuchtanlagen nicht zusätzlich mit Muscheln, Algen und Würmern füttern, um eben die Nachhaltigkeit zu verbessern? „Im Labor haben wir die potenziellen natürlichen Futtermittelzutaten unter die Lupe genommen und festgestellt, dass einige Komponenten sehr eiweißreich sind und auch günstige Gehalte an essenziellen Aminosäuren sowie Spurenelementen beinhalten.“

Aber fressen die Fische Rotalgen? Gemeinsam mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg Vorpommern, Versuchsstation Born, haben die Rostocker Uni-Forscher das am Beispiel der besonders robusten Born-Forelle getestet. Diese seit 1975 im Brackwasser der Darß-Zingster Boddenkette gezüchtete Art wächst den Angaben zufolge auch bei Stress besser als importierte Verwandte. Dem Futter der Born-Forellen wurden bis zu 35 Prozent der neuen Naturprodukte hinzugefügt. Das Ergebnis: Die Forellen haben mit Appetit gefressen und sich gut entwickelt.

„Es gab keinerlei Anzeichen, die gegen das Futter sprechen“, sagt Wolf, die auch bei diesem Pilotprojekt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt. Beispielsweise mit dem Institut für Biowissenschaften, Arbeitsgruppe Ökologie unter Leitung von Prof. Hendrik Schubert. Als nächstes gilt es zu prüfen, ob sich die Zutaten für das Naturfutter kostengünstig und ausreichend gewinnen lassen beziehungsweise auch künstlich vermehrt werden können. Gelingt das, ließe sich der Verbrauch von Fischmehl in der Fisch-Fütterung im großen Stil minimieren.

„Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass für den Verbraucher mehr Fisch zur Verfügung steht und die Fischproduktion preiswerter wird“, erklärt Wolf. Zudem könnte der Fischmehl-Anteil im Futter verringert und damit die Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Fisch entschärft werden, ein Umstand, der auch für Drittländer, etwa in Afrika, von Bedeutung wäre.



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