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Universität Rostock : Uni-Mitarbeiter verlieren Jobs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neues Bundes-Gesetz kostet in Rostock heute 13 Akademiker die Arbeitsstelle - noch mehr müssen zittern.

Die Betreuung ausländischer Studenten, die Evaluation von Lehrveranstaltungen und die Orientierungswoche – all diese Leistungen der Universität Rostock bleiben gerade liegen. Denn die dafür zuständigen wissenschaftlichen Hilfskräfte haben aktuell andere Sorgen: die Sicherung ihrer Existenz, den Weg zum Arbeitsamt und Bewerbungen.

Die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, die heute bundesweit in Kraft tritt, hat in Rostock als erstes 13 junge Männer und Frauen den Job und die Perspektive gekostet. Sie besagt, dass es keine wissenschaftlichen Hilfskräfte mehr in der Universitätsverwaltung geben darf. Und die Rostocker Hochschule hat davon 181, deren Verträge über kurz oder lang auslaufen. „Um die Serviceleistungen in den betroffenen Einrichtungen in gewohnter Form zu gewährleisten, bespricht die Unileitung gemeinsam mit den Einrichtungsleitern derzeit verschiedene Möglichkeiten“, so Universitäts-Sprecherin Jana Powilleit.

Besonders hart trifft es das ehemalige Akademische Auslandsamt, das Rostock International House. Von fünf Mitarbeiterinnen für die Betreuung der ankommenden ausländischen Studenten und Gastwissenschaftler bleibt noch eine Kollegin übrig. Isabel Haberkorn war dort tätig und kann die Haltung der Universität nicht fassen. „Durch uns wurde deutlich, dass es ein generelles, strukturelles Problem bei der Universität Rostock gibt“, sagt die Promotionsstudentin und ergänzt:. „Wir haben überhaupt keine faire Chance bekommen, sinnvoll unsere Zukunft zu gestalten.“

Das regelt das novellierte Gesetz
Mit der Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes werden die Rahmenbedingungen unter anderem für den Einsatz von wissenschaftlichen Hilfskräften neu geregelt. Grundsätzlich wird es so sein, dass die Beschäftigung der „eigenen wissenschaftlichen Qualifizierung“ dienen muss und einhergehen soll mit einer der Qualifizierung entsprechenden Befristungsdauer – etwa im Rahmen einer Promotion oder Habilitation. Das bedeutet zwar nicht, dass der Einsatz beispielsweise in Technik oder Verwaltung künftig gänzlich ausgeschlossen wird. Eine Gewährleistung für eigene wissenschaftliche Qualifizierung in diesen Bereichen ist allerdings schwerer identifizierbar. Damit wird klar, dass sich mit der neuen Gesetzeslage einige Bereiche neu aufstellen müssen. Die Beschäftigungsverhältnisse sind stets befristet. Ein Vorteil ist zum Beispiel die längere Vertragsdauer von bis zu sechs Jahren insgesamt und längere Vertragsdauer bei Drittmittelprojekten.

Pikant an der Sache: Für mindestens fünf wissenschaftliche Hilfskräfte wurde vor Inkrafttreten der Gesetzesnovelle eine Lösung gefunden, die bestehenden befristeten Verträge aufgelöst und neue bis zum Semesterende abgeschlossen. „Einen solchen sozialverträglichen Übergang mit Planungssicherheit hätten wir uns auch gewünscht“, sagt Silke Schulz, die erst seit vier Monaten an der Uni arbeitet und auch betroffen ist. Für die Studenten, Doktoranden und Promovenden ist die Situation, von der sie erst seit einem Monat und das auch nicht von offizieller Stelle wissen, existenzbedrohlich. Ihre Verträge enden bereits am 31. März. Einige müssen Hartz IV beantragen, für andere ist fraglich, ob sie sich ihre Promotion noch leisten können.

Sauer sind die Betroffenen auch, weil ihnen vonseiten der Abteilungsleiter bereits im Februar neue Verträge angeboten wurden und sie die unterschrieben haben. Diese gelten aber erst nach Prüfung durch das Personaldezernat. „Was ich nicht verstehe, ist, dass das nicht bis gestern um Mitternacht erfolgt ist, denn so lange galt ja noch das alte Gesetz“, sagt Maria Peter.

 

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erstellt am 17.Mär.2016 | 06:00 Uhr

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