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Weitendorf bei Sternberg : Realität und Träume im Gutshaus

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Zur neuen Saison soll es erste Ferienunterkünfte im Weitendorfer Herrenhaus geben und später einmal ein Café und darin Kunstausstellungen.

Die Räume zum Wohnen sind hergerichtet, andere noch Baustelle. Die ersten von vier Ferienunterkünften im Gutshaus Weitendorf sollen zur Sommersaison fertig sein. Im Dezember 2014 sind Ann und Jan Neuendorf in das alte Gemäuer gezogen. Von den sechs Kindern, fünf Söhne und die 13-jährige Maja, leben drei noch im Haus, außerdem die Mutter von Jan Neuendorf.

„Schuld“ am Wechsel von Heinsberg nahe der Grenze zu Holland nach Mecklenburg war der Urlaub im Sommer zuvor im Gutshaus Borkow. Es sollte eine ruhige, entspannte Zeit werden. Sie seien viel hier in der schönen Landschaft, aber auch darüber hinaus unterwegs gewesen und hätten „nichts Schlimmes gedacht“, erzählt Ann Neuendorf.


Spaßeshalber Blick auf Immobilienangebote


Auf dem Markt in Sternberg, von dem sie bis heute genauso begeistert sind wie von der sanierten Altstadt überhaupt, hätten sie „spaßeshalber“ in einen Schaukasten mit Immobilienangeboten geschaut und festgestellt, dass die Preise um einiges niedriger seien als dort, wo sie wohnten. Eine Schreinerei in Lübz über vier Etagen, allerdings herum ohne Grundstück, wäre ein Schnäppchen gewesen, sei aber nicht in Frage gekommen. „Wir haben uns dann weiter umgesehen und auf spezielle Häuser geachtet, denn ein normales hatten wir. Mein Mann fand dieses Gutshaus und fragte, was sagt du, wenn dir das gefällt“, so Neuendorf zum weiteren Szenario. Sie habe erstmal jeden Gedanken daran „weggeschmissen“ und gemeint, das gehe nicht. „Aber los gelassen hat es mich nicht. Ich habe mit meiner Schwiegermutter gesprochen, die in Ludwigslust geboren und nun schon über 80 war, ob sie mit mir nach Mecklenburg-Vorpommern fahren würde, um ein Haus anzusehen. Sie wäre mir vor Freude fast um den Hals gefallen. Sie würde gern hier leben, hatte aber nie was davon gesagt.“

Ehemann Jan sei von München, wo er gerade arbeitete, nachgereist. Das Gutshaus habe im Dunkeln etwas unheimlich gewirkt. Doch insgeheim hätten sie sich gleich entschieden, erzählen die Neuendorfs. Fünf Tage vor Weihnachten seien sie eingezogen – nur zwei Zimmer zu beheizen, ein „rudimentäres Bad“, die Möbel von zwei Lkw alle erstmal in einem Raum, dem heutigen Wohnzimmer, abgestellt. Und zum ersten Mal in ihrem Leben hingen die Weihnachtskugeln an einem künstlichen Baum.

Vom Hausschwamm hätten sie erst durch Dorfbewohner erfahren. „Beim Kauf waren wir vielleicht etwas blauäugig“, räumt Ann Neuendorf ein. Dafür hatte der Vorbesitzer schon die alten Leitungen auf Putz und später gesetzte Trennwände herausgenommen. „Das hat uns eine Menge Arbeit erspart“, sagt der neue Hausherr. „Überhaupt ist vergleichsweise viel erhalten geblieben. Hätte das Haus nicht 20 Jahre lang leer gestanden, wäre es sicher in einem weit besseren Zustand“, ist Neuendorf überzeugt. Für außen bestehe Denkmalschutz, zusammen mit Pferdestall, verfallener Scheune und Verwalterhaus Ensembleschutz, wobei das alles nicht zu ihrem Grundstück gehöre.

Gerade angekommen, habe sich die Familie auf einem Flyer, den sie in die Briefkästen steckte, im Dorf vorgestellt. Und so schnell wie möglich verschwand der mehr als zwei Meter hohe Bauzaun, den der Vorbesitzer gesetzt hatte. Für die Einwohner sei dies das „Grenzgebiet“ gewesen, das nicht betreten werden durfte, erfuhren Neuendorfs später. „Das Haus war mal ein Treffpunkt im Dorf, auf einmal aber war der abgeschottet. Das hat die Leute getroffen“, sagt Jan Neuendorf. „Wir wollten das nicht.“ Schnell hätten sie gespürt, „dass man sich gegenseitig hilft“. Ihnen seien sogar Schrankwand und Couchgarnitur geschenkt worden. „Die Leute sind sehr lieb und nett“, fügt Ehefrau Ann hinzu. „Ein Nachbar hilft uns ständig, auch aus der Familie und von Freunden kommt Unterstützung. Allein wäre das alles nicht zu schaffen oder würde viel langsamer gehen.“ Zumal der Hausherr nur zum Wochenende kommt. Als Selbstständiger in der IT-Branche habe er die meisten Aufträge im Raum Frankfurt und München, „wo die großen Firmen sitzen“, derzeit einen in Köln.


Es gilt „reparieren geht vor ersetzen“


Ein Meilenstein sei die Hochzeit des großen Sohnes Mike gewesen. Standesamt und Kirche in Sternberg, „alles sehr schön“, so die Mutter, die Feier mit 120 Gästen, und Einweihung eines Appartements, das inzwischen auch Freunde nutzten. Eine weitere Ferienwohnung soll einer Familie mit bis zu vier Kindern Platz bieten, zwei kleinere sollen folgen. Schritt für Schritt „nach den Möglichkeiten“ werde saniert, betont Jan Neuendorf. Und dabei gelte, „reparieren geht vor ersetzen“.

Neben der Realität hätten sie auch Träume, gibt Ann Neuendorf lächelnd preis: Ein Café, in dem Kunstausstellungen stattfinden, ein Imbisswagen für Kanuten...

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erstellt am 09.Jan.2017 | 21:00 Uhr

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