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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

30. März 2017 | 18:32 Uhr

Wirtschaft MV : Wurstwerk Lübz macht dicht

vom

45 Mitarbeiter der Mecklenburger Wurstspezialitäten werden bis Jahresmitte entlassen. Die Produktion soll auf den Hauptstandort Elmshorn konzentriert werden.

Schock: Die Beschäftigten des zum Wursthersteller Döllinghareico gehörenden Werkes in Lübz – hier unter dem Namen „Mecklenburger Wurstspezialitäten GmbH & Co KG“ firmierend – haben gestern Mittag auf einer Betriebsversammlung erfahren, dass der hiesige Standort zur Jahresmitte geschlossen wird. 45 Männer und Frauen verlieren damit ihre Arbeit. Über diesen Schritt wird auch die Stadtverwaltung offiziell informiert. Eine Stellungnahme war von dort gestern noch nicht zu bekommen.

Einer Pressemitteilung zufolge soll die Produktion komplett auf den Standort Elmshorn konzentriert werden. Ziel sei es, das Unternehmen schlagkräftiger zu machen und gleichzeitig dauerhaft die Handlungsfähigkeit sichern. Bereits seit Ankündigung der Übernahme von Döllinghareico durch den neuen Inhaber Maximilian Tönnies seien die wesentlichen Unternehmensbereiche Produktion, Verwaltung, Marketing und Vertrieb, Marktposition sowie die wirtschaftliche Situation von Döllinghareico eingehend untersucht worden. Dabei habe man schnell einen erheblichen Sanierungsbedarf festgestellt.

Verkauf firmenintern heftig umstritten

Der Verkauf an Maximilian Tönnies, Sohn von Schalke 04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, war bei Döllinghareico firmenintern heftig umstritten. Geschäftsführung und Betriebsrat hatten im November angegeben, die Eigentümerfamilie Dölling könne aufgrund von Verpflichtungen bei ihren Gläubigerbanken nicht frei über das Unternehmen verfügen. Der Pressemitteilung zufolge befinde es sich seit langer Zeit – so wörtlich – „in einer sehr schwierigen Lage“ und habe über Jahre Marktanteile mit entsprechenden Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Zustand, die Produkte und die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren. Aufgrund zeitlicher Verzögerungen bei der geplanten Übernahme sei der Sanierungsbedarf nochmals angestiegen. Beschlossen wurde sie demnach zwar schon Mitte November, endgültig abgeschlossen aber erst Anfang Februar. Die Situation des Unternehmens habe sich in diesen Wochen nochmals deutlich verschlechtert.

Mit der endgültigen Übernahme aller Unternehmensanteile durch den neuen Inhaber am 1. Februar wurde auch das Management bei Döllinghareico neu aufgestellt. Nach Analyse der Entwicklung der letzten Jahre und vor allem aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation müsse das Unternehmen schnellstmöglich erhebliche Kosten sparen. Nur so bleibe es handlungsfähig. Gleichzeitig werde sich Döllinghareico teilweise „neu aufstellen“, um wieder erfolgreicher am Markt zu agieren.

Die betroffenen Mitarbeiter der Gesellschaft in Lübz werden jetzt in Gesprächen darüber informiert, wie die Schließung vonstatten geht. In Elmshorn werden die dort 160 Mitarbeiter in den kommenden Wochen Genaueres über den veränderten Marktauftritt von Döllinghareico sowie die Zukunftsplanung erfahren.

Mitteilung 2016: Firma auf sicherem Boden

Noch vor erst gut drei Jahren stellte sich die Situation völlig anders dar und nur ein Jahr vor der Schließungs-Nachricht hatte die Geschäftsführung verkündet, dass die Firma wieder auf sicherem Boden stehe. „Der Standort Lübz des Wurstherstellers Döllinghareico hat Zukunft“, vermeldeten wir 2013 nach einem Gespräch mit Carola Dölling-Stanglmeier und ihrem Bruder Ole sowie dem damaligen Geschäftsführer Andreas Su-bai.

Das Lübzer Zweigwerk wurde 1992 errichtet, in dem 2003 noch 80 Beschäftigte rund ebenso viele Produkte herstellten. Sie wurden damals unter dem Namen „Landhof Lübz“ vermarktet. Den damaligen Aussagen der Unternehmensvertreter zufolge müsse man in Lübz – wenn überhaupt – nur sehr wenige Mitarbeiter entlassen, weil es hier kaum Verwaltung gab. Rund 85 Prozent derjenigen, die 2013 in Schleswig-Holstein ihren Arbeitsplatz verloren, waren in diesem Bereich beschäftigt. Den Standort Lübz habe die Erkenntnis gefestigt, dass „das Pflichtbewusstsein hier ausgeprägter ist. Die Top-Einstellung der Leute, ihr Fleiß, ihre Flexibilität – alles habe ich schon 2009 gemerkt, als ich zum ersten Mal hier war“, sagte Subai.

Als einen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihres Unternehmens hatte Carola Dölling-Stanglmeier die in sechs Schüben um bis zu 30 Prozent erhöhten Fleischpreise genannt. Man habe die unverschuldet entstandenen Mehrkosten nie vollständig auf die Verkaufspreise aufschlagen können und vor allem auch nicht sofort etwas zurückbekommen. Die Folge für Döllinghareico: Das Abrutschen in die Verlustzone.

„In Lübz gibt es ein ausgezeichnetes kleines Management-Team“, meinte der Geschäftsführer. Zu dem Quartett gehörte neben dem Werkleiter und den Chefs für Produktion und Technik auch Harald Prachtel, Vorsitzender der Arbeitnehmer-Interessenvertretung. „Wir sind sehr froh darüber, dass der Standort hier unverändert erhalten bleibt“, sagte dieser 2013. Und eine weitere gute Aussicht war schon sicher: Für spätestens Anfang 2014 war die Verlagerung eines weiteres Unternehmens aus der Döllinghareico-Gruppe nach Lübz – der Lieferservice für Großverbraucher – angekündigt, ohne dafür in Elmshorn einen Beschäftigten zu entlassen. In Lübz sollten sogar zwei oder drei neue Arbeitsplätze entstehen.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 16:28 Uhr

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