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Liebe, Flirt und Partnerschaft

27. März 2017 | 16:25 Uhr

Kongress in London : Ist Sex mit Robotern die Zukunft?

vom
Aus der Onlineredaktion

Revolution oder Rückschritt: Vorstellung ruft kontroverse Debatten hervor. Erste Liebesdiener bereits auf dem Markt

Der Mensch liebt seine Maschinen und bald sollen sie ihn lieben. Die Rede ist von Sexrobotern. Erste Versionen wie Roxxxy sind bereits auf dem Markt. Die äußerlich wie eine Gummipuppe anmutende Maschine kann laut Hersteller True Companion reden, zuhören und reagiert auf Berührung. Die Sexroboter wirken aber noch wenig lebensecht und sind einem stereotypen Frauenbild nachempfunden. Das Thema Erotik und Maschinen ruft nicht nur die Sex-Industrie auf den Plan, sondern auch die Wissenschaft. Ein internationaler Kongress diese Woche in London beschäftigte sich ganz mit dem Thema „Liebe und Sex mit Robotern“.

Die Fürsprecher der Sexmaschinen glauben, dass sie dabei helfen könnten, Prostitution einzudämmen, Sex-Unterricht zu geben und sogar Therapien zu ermöglichen. Vor allem könnten die Roboter denjenigen Menschen ein Sexualleben ermöglichen, die bislang leer ausgehen, glaubt Kate Devlin. Die Hochschuldozentin für Computing an der Universität von London ist eine der Verantwortlichen hinter dem Kongress. Sie sagt: „Sexroboter müssen gar nicht aussehen wie Menschen, wir sind momentan nur darauf festgefahren.“

Doch es gibt auch Kritiker der Roboter-Liebe. Kathleen Richardson, Initiatorin der „Kampagne gegen Sexroboter“, fordert einen Entwicklungsstopp. Sie befürchtet negative gesellschaftliche Folgen. „Es lässt die Idee zu, menschliche Beziehungen seien optional, und alle Bedürfnisse könnten von Maschinen gestillt werden. Aber das stimmt nicht. Man braucht andere Menschen“, sagt sie. Außerdem könnte der Einsatz von Sexrobotern dazu beitragen, dass Menschen, vor allem Frauen, noch stärker als ohnehin schon auf Objekte reduziert werden.

Dauerhaft könnte das zu mehr Ungleichheit und zu Verlust von Empathie führen, fürchtet Richardson. David Levy, Experte für Künstliche Intelligenz (KI) und Autor eines einschlägigen Buches, sieht Sexroboter nicht zwangsläufig als Ersatz für menschliche Liebesbeziehungen, eher als Alternative oder Ergänzung. Die Frage sei, ob eine Beziehung mit einem Roboter besser wäre als gar keine Beziehung.

Technologie ist bereits integraler Bestandteil des alltäglichen Lebens und wird dominanter. Doch möchte man sie auch in Roboterform im Bett haben? Die Entwicklung von intelligenter künstlicher Sexualität bringt etliche - auch ethische und politische – Fragen mit sich.

„Wir befinden uns in einem frühen Stadium, wir haben all diese Fragen, die wir noch nicht beantworten können“, so Devlin. Ihre größte Sorge sei das Sammeln sehr persönlicher Daten. Das erfolgt heute schon teilweise bei Sexspielzeug und könnte beispielsweise für Versicherungen interessant sein.

Wie bei allen neuen Technologien zeigten sich auch hier die kulturpessimistischen Positionen und die eher optimistisch-gelassenen Ansichten, bringt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) Martin Dannecker die Problematik auf den Punkt. Die DGfS habe sich zum Phänomen noch keine Position erarbeitet.

Laut KI-Experte Levy ist die Entwicklung von Sexrobotern unaufhaltsam und bis spätestens 2050 Realität. Computing-Dozentin Devlin hält Sex mit Robotern für „eine Entwicklung, die kommen wird“, daher sei es besser „frühzeitig einzusteigen, um sie mitzuformen“, sagte sie in Bezug auf Produkte der Sex-Industrie. Wer weiß, welche Firmen nicht schon längst daran arbeiten.

Wenn es nach Devlin geht, soll es nicht nur um Sex, sondern auch um Liebe gehen. Vielleicht könnten die Maschinen irgendwann dank künstlicher Intelligenz sogar Gefühle und eine Art Bewusstsein ihrer selbst entwickeln.

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