zur Navigation springen

Medizin und Gesundheit

22. Februar 2017 | 02:38 Uhr

Gesundheit MV : Der Norovirus geht um

vom

449 Menschen sind bislang an den Magen-Darm-Virus erkrankt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Übelkeit, Erbrechen und Bauchweh – darüber klagen immer mehr Menschen in unserem Land. Gerade Kinder stecken sich mit dem Norovirus an. Am Freitag legte die Magen-Darm-Erkrankung sogar die Schule  in Schlagsdorf bei Rehna komplett lahm. Der Grund: Mehr als 60 Mädchen und Jungen mussten krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Die Bildungseinrichtung wurde komplett geschlossen und musste laut Anordnung des Gesundheitsamtes desinfiziert werden.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales meldete in der vergangenen Woche landesweit 449 Erkrankungen. In der Vorwoche waren es noch 374 Fälle, vor einem Monat etwa 150.

Aber auch andere Bundesländer sind betroffen: Das Robert Koch-Institut (RKI) habe entsprechende Meldungen bekommen, so eine Sprecherin  der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei es nicht ungewöhnlich, dass bestimmte Erreger in manchen Jahren früher und häufiger auftreten als in anderen. Die Zahlen lägen noch nicht außerhalb der üblichen Schwellenwerte. Laut jüngster RKI-Statistik gab es in der  Ende Oktober rund 1900 gemeldete Fälle bundesweit. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt nur rund 1000 Fälle, 2014 rund 760.

Schleswig-Holstein gehört zu den Ländern, in denen sich das Virus derzeit relativ stark ausbreitet. Laut Institut für Infektionsmedizin der Universität Kiel wurden allein in der vergangenen Woche knapp 500 neue Fälle erfasst. Seit Beginn der Erkrankungswelle vor fünf Wochen wurden mehr als 1500 Neuinfektionen gemeldet.

Wie sieht der Krankheitsverlauf aus? Was sind die Symptome?

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome, beträgt häufig nur wenige Stunden.

Typische Symptome  sind:

  • Übelkeit
  • schwallartiges Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchkrämpfe
  • Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen
  • erhöhte Temperatur oder Fieber

In der Regel klingen die Symptome innerhalb  weniger Tage wieder ab. Sie können aber auch über Wochen anhalten.

Achtung: Auch nach der akuten Phase besteht bis zu zwei Wochen lang Ansteckungsgefahr. Also auch dann noch auf ausreichende Desinfektion achten.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Noroviren werden von Mensch zu Mensch übertragen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist der Mensch das einzige Erregerreservoir für das Norovirus. Zwar hat man auch bei Katzen oder Schweinen bereits Viren nachgewiesen, sie scheinen für die Krankheitsübertragung aber keine Rolle zu spielen.

Die hoch ansteckenden Erreger verbreiten sich insbesondere  in Kindergärten, Pflegeheimen oder Krankenhäusern rasant,  erklärt Professor Thomas Weinke, Chefarzt der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie in Potsdam. 

Übertragen werden Noroviren über Ausscheidungen und Speichel sowie über Gegenstände, mit denen Erkrankte Kontakt hatten.

Noroviren sind hoch ansteckend und übertragen sich bereits durch den Handkontakt mit Flächen, die von dem Virus verunreinigt sind. Aber auch Lebensmittel und Tröpfchen, die beim Erbrechen entstehen, können das Virus enthalten.

Wie verhalte ich mich am besten während einer Erkrankung?

Während der akuten Erkrankung ist Bettruhe nötig sowie die Zufuhr von viel Flüssigkeit. Betroffene sollten viel Wasser trinken und den Salzverlust zusätzlich durch eine Elektrolyt-Lösung ausgleichen (Apotheke). Der Darm kann bei der Regeneration durch Medizinische Trockenhefe (Saccharomyces boulardii) unterstützt werden; entsprechende Präparate sind in Apotheken erhältlich.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Wichtig: Sollten Säuglinge und Kleinkinder von Durchfall betroffen sein, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Dasselbe gilt bei stark ausgeprägten Symptomen bzw. wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage bessern.

Wie verhinderte ich eine Ansteckung?

Hände waschen: Nach jedem Toilettengang sollten die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden. Dies gilt sowohl für Erkrankte als auch für Menschen, die sich vor der Viruserkrankung schützen möchten. Handtücher sollten aus hygienischen Gründen nicht mit anderen Personen geteilt werden, um eine Übertragung der Viren auf diesem Wege zu verhindern. Zudem sind Menschenansammlungen zu meiden, um niemanden anzustecken oder sich selbst vor einer Infektion zu schützen.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben entdeckt, dass Norovirus-Partikel durch Zitronensaft ihre Gestalt verändern. Ein Citrat aus der Frucht binde exakt an der Stelle, an der das Virus beim Infektionsvorgang mit den Körperzellen in Kontakt tritt. Die Citratmenge im Saft einer Zitrone könne demnach ausreichen, um etwa die Hände zu dekontaminieren. Damit seien Zitronen ein guter Infektionsschutz, heißt es weiter.

Lebensmittelabwaschen/kochen: Lebensmittel müssen gründlich gewaschen und gekocht werden. Besonders Meeresfrüchte sollten vor dem Verzehr immer gut durchgegart sein, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Gründlich Putzen: Das gründliche Reinigen des Badezimmers kann den Norovirus eindämmen. Grundsätzlich sollten alle Oberflächen und Gegenstände, die mit Stuhl oder Erbrochenem in Berührung gekommen sein könnten, regelmäßig geputzt werden. Einwegtücher landen nach dem Saubermachen am besten direkt im Papierkorb. Auch das Tragen von Handschuhen ist empfehlenswert.

Gibt es eine Impfung?

Eine Norovirus-Impfung gibt es bisher nicht. Wer sich vor einer Infektion mit dem Norovirus schützen möchte, sollte daher umso mehr auf eine gründliche Hygiene achten.

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen