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Klimawandel : Keine Gewinner beim Klima-Index

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weltweit steigen die Zahlen der Wind- und Solarkraftwerke. Kommt der Wandel rasch genug?

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat in vielen Ländern zweistellige Zuwachsraten erreicht. Deutschland liege dabei zwar noch relativ gut, aber andere Länder holten rasch auf, schreiben Germanwatch und das Climate Action Network (CAN) im Klimaschutzindex 2016.

„Weltweit sehen wir in wichtigen Sektoren starke Anzeichen für einen beginnenden Umbau der Energiesysteme“, sagte der Hauptautor Jan Burck von Germanwatch bei der Veröffentlichung des Berichts gestern auf dem Klimagipfel in Paris. So seien 2013 und 2014 mehr Kapazitäten an erneuerbarer Energien aufgebaut worden, als in der Kohle-, Öl-, Gas- und Kernenergie zusammen. „Der Klimagipfel hat nun die Chance die Weichen dafür zu stellen, dass aus diesen Anzeichen eine tatsächliche weltweite Trendwende wird.“

Beim Klimaschutzindex habe Dänemark im fünften Jahr infolge mit erfolgreichen Programmen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien seine Spitzenposition beibehalten, schreiben Germanwatch und CAN. Es könne diesen jedoch angesichts der neuen Regierung, die Klimafinanzen kürzen wolle, bald verlieren. Das Land liegt beim Index auf Platz 4. Die ersten drei Plätze bleiben erneut frei, weil keines der betrachteten 58 Länder in den Augen der Autoren genug zum Abwenden eines gefährlichen Klimawandels tut.

Auf Platz 5 folgt Großbritannien nicht nur wegen seiner erneuerbaren Energien, sondern auch wegen der Ankündigung, aus der Kohle auszusteigen. Schweden kommt wegen seiner Energieeffizienz auf Platz 6. Deutschland liegt weit dahinter auf Platz 22, vor allem wegen des hohen Braunkohleanteils. Als Pluspunkt zählen die Autoren die Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Juni die G7-Staaten zu einer ambitionierten Klimaerklärung bewegt habe. Auch sei das Land weiterhin gut bei den erneuerbaren Energien, deren Anteil sich von 2008 bis 2013 um über 40 Prozent erhöht habe.

Der Klimaschutzindex bewertet unter anderem den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß 2013, die Entwicklung der Emissionen der jeweiligen Länder sowie die Klimaschutzpolitik. Die 58 Länder sind zusammen für 90 Prozent der energiebedingten Kohlendioxidemissionen verantwortlich.Die USA kletterten wegen „ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen“ um 12 Plätze nach oben auf Rang 34. Auch China verbesserte sich leicht und landete auf Platz 47 vor allem wegen der „relativ guten“ Klimapolitik und dem Ausbau erneuerbarer Energien.

Schlusslicht ist wie gewöhnlich Saudi Arabien. Nach Einschätzung von Verhandlern und Klimaschützern steht das Land bei den laufenden Verhandlungen stärker auf der Bremse als jeder andere der 195 Staaten. „Saudi-Arabien ist das einzige Land, das ich komplett als Blockierer hervorheben würde“, sagt Burck. So vehement bekämpfe sonst niemand die von den G7-Staaten propagierte Vision einer klimafreundlicheren Weltwirtschaft, die langfristig ohne Öl, Gas oder Kohle auskommt.

Saudi-Arabiens Ölminister sagt, der neue Klimavertrag dürfe „einzelne Energiequellen nicht benachteiligen“. Stattdessen sollten sich die verschiedenen Energieträger „ergänzen“. Was er meint, ist: Staaten, die neben dem Öl auch noch weitere Einnahmequellen haben, sollen einen Teil ihrer Öl-Vorkommen ruhig im Boden lassen, um das Klima zu schonen. Saudi-Arabien soll aber weiterhin kräftig Öl fördern dürfen. „Wir brauchen noch mehr Zeit, um unsere Wirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen“, erklärt ein Mitglied der saudischen Delegation.

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