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Studium Katholische Theologie : Kirche schiebt Landesgeschenk vor sich her

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lehrstuhl für Katholische Religion an Universität Rostock geplant. Doch die Kirche prüft dies seit einem Jahr

Es ist das letzte Lehramtsfach, das an den Universitäten des Landes nicht ausgebildet werden kann: Katholische Theologie. Und ausgerechnet im Jahr des Reformationsjubiläums macht das Land der katholischen Kirche das Angebot, diesen Studiengang aufzubauen. Doch beim Erzbistum Hamburg gibt man sich zugeknöpft. Die Landespolitik weiß nicht so recht, woran sie ist.

Dabei soll der neue Lehrstuhl ein Geschenk werden. Beim traditionellen Frühjahrstreffen im März vergangenen Jahres zwischen ranghohen Kirchenvertretern unter Leitung des Erzbischofs von Hamburg, Stefan Heße, sowie des Erzbischofs von Berlin, Heiner Koch, mit Ministerpräsidenten Erwin Sellering und seinem Kabinett in der Staatskanzlei machte der damalige Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) einen verführerischen Vorschlag. Ein Lehrstuhl für Katholische Theologie und ihre Didaktik könnte an der evangelisch-lutherisch geprägten Theologischen Fakultät in Rostock eingerichtet werden. Ökumene auf mecklenburgisch.

Brodkorbs Angebot: Das Land übernimmt die Hälfte der Kosten von über den Daumen gerechneten 200  000 Euro für die Professur. Die andere Hälfte sollten sich Kirche und Universität teilen. Eine grundlegende Zustimmung von Uni-Rektor Prof. Wolfgang Schareck hatte sich der Bildungsminister eingeholt.

Der Hintergedanke: Katholische Theologie kann in MV bislang nur in der zweiten Studienphase des Referendariats ausgebildet werden. Aber das Fach wird auch an den Schulen des Landes unterrichtet. 2139 Schüler nahmen im Schuljahr 2015/16 an katholischem Religionsunterricht teil. Zweifellos wählen deutlich mehr Jungen und Mädchen das evangelische Pendant, nämlich 60 413 von insgesamt 143 146 Schülern. Aber das ist nach Aussagen von Schulexperten der katholischen Kirche auch dem geschuldet, dass es kein ausreichendes Angebot an katholischen Unterricht gibt – auch aus Lehrermangel. Sieben Religionslehrer stehen derzeit für das Fach im Landesdienst. In MV können die Schüler zwischen den beiden Religionsfächern und Philosophie wählen. Über 43 200 Kinder und Jugendliche haben sich für das weltliche Fach entschieden.

Im Erzbischöflichen Amt in Schwerin gibt man sich zurückhaltend, fast zugeknöpft, und verweist auf Rom. „Das berührt Verträge des Landes mit dem heiligen Stuhl“, sagt Sprecher Martin Innemann. Grundsätzlich hat er recht. Er sagt aber auch: „Dort, wo der Unterricht angeboten wird, da wird er auch angenommen.“ In MV leben 55 000 Katholiken. Innemann spricht zugleich von einer „wohlwollenden Prüfung“ des Themas im Erzbistum. Es gebe Gespräche dazu. Man habe aber keinen Zeitplan. Im Kultusministerium geht man hingegen fest davon aus, dass ein Konzept von der Kirche bereits erarbeitet werde. Sobald dieses Grundkonzept vorliege und mit der Universität Rostock fachlich diskutiert sei, würden die Gespräche zwischen Land, Universität und dem Erzbistum Hamburg fortgesetzt, heißt es. „Das Land steht zu seinem Angebot, sich an der Einrichtung einer Professur für Katholische Theologie an der Universität Rostock finanziell zu beteiligen. Die Professur wäre eine Bereicherung für unsere Hochschullandschaft“, wiederholt Bildungs- und Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD). In wenigen Tagen wird erneut ein Treffen mit den Bischöfen in der Staatskanzlei stattfinden. Zeit für Antworten.

 

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erstellt am 02.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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