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Mecklenburg-Vorpommern : Züchter geben Pelztierhaltung auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die letzten beiden Nerzfarmen werden Ende 2017 geschlossen

Schluss mit der Pelztierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern: In diesem Jahr sollen die letzten beiden Nerzfarmen in Klueß nahe Güstrow und Zirtow nahe Wesenberg im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte schließen. Zum Jahresende sei Schluss, erklärte Zirtows Farmbetreiber Jürgen Brokamp, zugleich Bundeschef des Zentralverbandes deutscher Pelztierzüchter. Er steige komplett aus der Pelztierhaltung aus. Auch würden die Tiere nicht in andere Anlagen etwa in Polen umgesiedelt. Alle Tiere würden getötet. Schätzungen von Tierschützern zufolge leben an den beiden Standorten in MV noch mehr als 30 000 Nerze in Käfigen – 16 000 allein in Zirtow. Brokamp wollte die Tierzahl allerdings nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren.

Die Schließung der beiden Farmen ist Teil eines früheren Vergleichs, den Pelztierzüchter und Land nach einem Streit um bessere Haltungsbedingungen geschlossen hatten. Eine gute Entscheidung, erklärte Kerstin Lenz, Landeschefin des Deutschen Tierschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern: In den Nerzfarmen finde „eine der größten Tierquälereien“ statt. Die Tiere müssten unter „schlimmsten Bedingungen“ leben und würden in Käfigen gehalten, kritisierte Lenz.

Mit der Regelung greift MV einem bundesweit geltenden Verbot von Pelztierfarmen voraus. In Schleswig-Holstein war vergangene Woche in Schlesen im Kreis Plön die letzte Nerzfarm mit 3000 Tieren geschlossen worden. Bundesweit soll es noch etwa 16 weitere Pelztierfarmen geben. Eine entsprechende Regelung für ein bundesweites Farmverbot steckt seit Jahren im parlamentarischen Verfahren in Berlin. Zwar habe der Bundesrat 2015 einen Gesetzentwurf für ein Pelzfarmverbot beschlossen, um die Tötung von Tieren für modische Luxusgüter gesetzlich zu unterbinden, teilte die Tierrechtsorganisation Peta nach neuerlichen Berichten über Tierquälereien in Farmen Europas mit. Auch das Bundeskabinett habe den Plänen zugestimmt. Seitdem befinde sich ein Gesetzestext ohne erkennbaren Fortschritt in der Ressortabstimmung, kritisierte Peta.

Indes scheinen Züchter mit der Pelztierhaltung nach Polen auszuweichen, vor allem Investoren aus Holland und Dänemark: Der Markt mit Nerzfellen boome. Im Nachbarland seien in den letzten Jahren mehrere hundert Farmen entstanden, erklärte Tierschutzchefin Lenz und forderte ein generelles Haltungsverbot.  

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erstellt am 20.Feb.2017 | 21:00 Uhr

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