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Wahlparty SPD MV Wahlziel krachend verfehlt

Von Torsten Roth | 24.09.2017, 21:10 Uhr

Buh-Rufe und Applaus bei der Wahlparty der Sozialdemokraten.

Die Enttäuschung hätte größer kaum ausfallen können: Resignation bei den Genossen im Schweriner Willy-Brandt-Haus, als die erste Hochrechnung über die Leinwand flimmert. 21 Prozent für die SPD, viele hatten offenbar schon gar nicht mehr mit einem  anderen Ergebnis gerechnet. „Ich hoffe, dass sich vier Jahre Wahlkreisarbeit auch im Ergebnis auszahlen“, hatte SPD-Bundestagskandidat Frank Junge noch zuvor gehofft,um auch schon im Vorfeld über ein Ende der Großen Koalition nachzudenken. 

Dann aber doch Reaktionen in der SPD-Zentrale: Buhrufe, als die erste AfD-Prognose erschien, kräftiger Beifall, als nach den ersten Prognosen SPD-Bundesvize und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig klarstellt: „Für uns endet die Große Koalition heute. Wir haben das Wahlziel krachend verfehlt.“ Das Ergebnis – ein Desaster, ein Debakel, lässt sie ihre Genossen in MV  im fernen Berlin wissen: Das Ergebnis sei ein klarer Oppositionsauftrag – große Zustimmung bei den Sozis an diesem Wahlabend. Angesichts des AfD-Ergebnisses brauche es eine starke Opposition, bereitet SPD-Landesvize Julian Barlen seine Parteikollegen auf die kommenden vier Jahre vor: „Ein bitteres Ergebnis. Das ist für uns kein Regierungsauftrag.“ Gegenüber der AfD werde man „klare Kante“ zeigen. 

An Wahlkampfständen in MV habe man zwar den Eindruck gewonnen, Kanzlerkandidat Martin Schulz sei authentisch, „er kommt rüber“. Offenbar aber dann doch nicht.  Erklärungsversuche noch am Wahlabend: Die Entscheidung Schwesigs, Verantwortung als Ministerpräsidentin zu tragen, habe die „Geschichte einen anderen Verlauf nehmen lassen“. So sei die SPD „hier nicht mit Manuela Schwesig als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf gegangen“ und habe gegen viel Bundesprominenz kämpfen müssen. „Wir müssen die Karten gründlich legen“, verlangt Barlen von seinen Parteikollegen Einsichten. Man müsse denen, die den Heilsversprechen der AfD erlegen seien, klare Gesprächsangebote machen – „nicht schimpfen, sondern miteinander reden“. 

Als später die Genossen bei Rotwein und Würstchen noch die Wahlergebnisse debattieren, meint zumindest einer: Die da eben die Oppositionsentscheidung erklärt hat, „da haben wir die nächste Spitzenkandidatin der SPD in vier Jahren gesehen“.