AfD nach dem Petry-Eklat : „Ein Rohrkrepierer“

Die kurz zuvor gewählten Fraktionsvorsitzenden der AfD im Deutschen Bundestag, Alice Weidel (l) und Alexander Gauland, äußern sich nach der ersten Fraktionssitzung der Bundestagsfraktion der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Deutschen Bundestag in Berlin vor der Presse. Links dahinter steht der Parteisprecher Christian Lüth.
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Die kurz zuvor gewählten Fraktionsvorsitzenden der AfD im Deutschen Bundestag, Alice Weidel (l) und Alexander Gauland, äußern sich nach der ersten Fraktionssitzung der Bundestagsfraktion der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Deutschen Bundestag in Berlin vor der Presse. Links dahinter steht der Parteisprecher Christian Lüth.

Wie die neue Bundestagsfraktion der AfD nach dem Petry-Eklat die Reihen schließt

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27. September 2017, 05:00 Uhr

Ihr Platz bleibt leer. Auf der Anwesenheitsliste am Eingang fehlt ihr Name. Während in Berlin erstmals die neue AfD-Fraktion zusammenkommt, schafft Frauke Petry in Dresden Klarheit. Zumindest ein wenig. „Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird“, bestätigt die Parteivorsitzende, dass sie aus der AfD austreten werde. Nur den Termin lässt die 42-Jährige noch offen. Zeitgleich kündigt ihr Ehemann Marcus Pretzell, bislang Fraktions- und Parteichef der AfD in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls seinen Parteiaustritt an und begründet seine Entscheidung mit einer „pessimistischen Einschätzung über den Zustand der Partei“.

Die Nachrichten aus Dresden und Düsseldorf platzen in Berlin mitten in die konstituierende Sitzung der Bundestagsfraktion der Rechtspopulisten. Nur ist dort niemand überrascht. Kaum einer im weiten Rund des Saals mit Blick auf die Spree, der dem Duo Petry/Pretzell nachtrauern würde.

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Kurz nach 11 Uhr, im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestages: Für die Rechtspopulisten – eine Mischung aus unerfahrenen Polit-Nobodys und rechten Scharfmachern – ist es die große Premiere auf der Berliner Bühne. Die meisten machen einen Bogen um die Kamerateams und Reporter, die vor den Türen des „Großen Anhörungssaals“ warten, in dem die AfD vorübergehend Quartier bezogen hat. Ist es Frauke Petry gelungen, Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen? Gibt es weitere Abtrünnige?

„Ich hoffe nicht“, sagt Alexander Gauland, Parteivize und Spitzenkandidat im Bundestagswahlkampf, und zuckt mit den Schultern. Wenige Minuten später, nach dem Zählappell hinter verschlossenen Türen, ist klar: Außer Petry sind alle gewählten AfD-Abgeordneten anwesend. Aufatmen bei Gauland und Alice Weidel, seiner Co-Spitzenkandidatin im Wahlkampf, die künftig gemeinsam die Fraktion führen wollen.

Auf den Gängen vor dem Sitzungssaal, wo die Abgeordneten ihr „Starter-Kid“ für den Bundestag mit Sitzungskalender, Parlamentsausweis und BahnCard erhalten, ist der Eklat um Petry das Top-Thema. Was führt sie im Schilde? Strebt sie die Gründung einer neuen Rechtspartei an? Nicht einmal einen Tag habe Petry der AfD Zeit gegeben, ihren Wahlerfolg zu genießen, so eine verbreitete Sichtweise.

„Das war ein Rohrkrepierer“, distanziert sich Leif-Erik Holm, AfD-Chef aus Mecklenburg-Vorpommern, von Petrys Vorgehen. Holm galt lange als Unterstützer der Parteivorsitzenden, unterzeichnete auch ihren „Zukunftsantrag“, mit dem sie beim Parteitag in Köln gescheitert war. Hinter vorgehaltener Hand wird damit gerechnet, dass sich in den nächsten Tagen und Wochen noch weitere Mitglieder aus der Fraktion verabschieden könnten. Aber eine Massenbewegung wird nicht erwartet. Die Abgeordneten aus Petrys politischer Heimat Sachsen zählen eher zum ultrarechten Flügel der Partei.
 

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Kommentar "Keine ernsthafte Politik" von Tobias Schmidt

Frauke Petry schlägt die Tür zu, verlässt mit lautem Getöse die AfD. Endlich geht das Theater zu Ende, zieht die bisherige Parteichefin die Konsequenz aus dem unappetitlichen Machtkampf bei den Rechtspopulisten.  Nun wird Petry in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden.  Mag sein, dass es Petry noch gelingen wird, den einen oder anderen AfD-Abgeordneten auf ihre Seite zu ziehen und aus der Fraktion zu lösen. Gewicht wird die mögliche Petry-Gruppe im Bundestag nicht erlangen. Mit Provokationen, ihrer bevorzugten Waffe, wird Petry weiter versuchen, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Mit ernsthafter Politik hat das nichts mehr zu tun. Nach dem Rückzug der vermeintlich gemäßigten 42-Jährigen ist die AfD-Fraktion nun noch stärker zum Sammelbecken von Hardlinern und Fanatikern geworden. Rechtsnationale haben das Sagen, Abgeordnete vom Höcke-Flügel. Die AfD mag dafür gesorgt haben, dass die etablierten Parteien die Sorgen ernster nehmen, die sich inzwischen bis in die Mitte der Gesellschaft ausgebreitet haben. Im Bundestag ist von ihrer Fraktion nicht mehr zu erwarten als Zündeleien und Attacken auf die etablierten Parteien und keine Bereitschaft, an der Lösung der von ihr beschworenen Probleme mitzuwirken.
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