Geschichte : Bei erster Fahrt gesunken

Kleineres Modell der Vasa: So schön bunt sah das Schiff früher einmal aus.
Kleineres Modell der Vasa: So schön bunt sah das Schiff früher einmal aus.

In der Stadt Stockholm in Schweden steht ein Museum nur für ein einziges Schiff: die Vasa.

nnn.de von
04. Februar 2019, 16:40 Uhr

An einem Sonntag im August, vor etwa 400 Jahren, strömen Tausende Schaulustige zum Hafen von Stockholm. Auf dem Wasser wimmelt es von kleinen Booten, auf denen noch mehr Menschen stehen. Sie alle wollen dabei sein, wenn ein riesiges Schiff zum ersten Mal aus dem Hafen läuft: die Vasa.

Stolz liegt das Kriegsschiff im Wasser: 69 Meter lang, mit drei Masten, die hoch in den Himmel ragen. Verziert ist es mit Hunderten kunstvoll geschnitzten und mit bunten Farben bemalten Holzfiguren: Krieger, Löwen, Nixen, Götter und, und, und. Ein prächtiger Anblick.

Hinter dem Schiff thront das Schloss des schwedischen Königs Gustav des Zweiten Adolf. Er hatte den Befehl gegeben, die Vasa bauen zu lassen. Mit dem Kriegsschiff will er seine Feinde einschüchtern. Denn nicht nur die Größe des Schiffes ist eindrucksvoll. Die Vasa hat auch Kanonen geladen: 64 Stück auf zwei Kanonendecks! Damit ist sie das am stärksten bewaffnete Kriegsschiff in der Ostsee.

Es ist zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag, als die Vasa mithilfe dicker Seile vom Ufer aus an ihren Startpunkt gezogen wird. Es kann losgehen! Unter dem Jubel der Menschen legt die Vasa ab.

Doch was ist das? Plötzlich erfasst eine Windböe das Schiff. Es neigt sich gefährlich zur Seite, richtet sich aber wieder auf – und segelt weiter. Aber dann, etwa einen Kilometer vom Start entfernt, kommt eine noch viel stärkere Böe. Der Wind drückt das Schiff weit auf die rechte Seite, so weit, dass Wasser durch die offenen Kanonenluken strömt. Die Vasa beginnt zu sinken! Nach nur wenigen Minuten liegt das Schiff, das Schwedens Feinden das Fürchten lehren sollte, auf dem Meeresgrund. Was für eine Blamage für den König und alle Beteiligten!

Doch wie konnte es zu diesem Unglück kommen, bei dem mindestens 30 Menschen ihr Leben verloren? Das stellte sich später heraus. „Für die vielen Kanonen, die der König unbedingt an Bord haben wollte, war die Vasa falsch konstruiert“, erklärt eine Expertin. Die oberen Teile des Schiffsrumpfes etwa waren zu groß und schwer gebaut für die vergleichsweise kleine Menge an Rumpf unterhalb der Wasserlinie.

Viele Jahre lag das Schiff in Stockholms Hafenbecken auf dem Meeresgrund, von den meisten Schweden unbeachtet. Bis sich ein Hobby-Forscher auf die Suche machte. Er hatte die Idee, das Schiff zu heben und es zum Mittelpunkt eines Museums zu machen.

Und das gelang! Im April 1961 zog man die Vasa aus dem Meer. Mehr als 20 Jahre später stand dann ihre zweite Fahrt auf dem Wasser an. Und die verlief erfolgreich! Die Vasa wurde, in einer Schutzhülle verpackt, in das extra für sie gebaute Vasa-Museum transportiert. Dort kann man sie nun bewundern, Millionen von Menschen aus aller Welt haben es schon getan.

Autorin: Silke Katenkamp

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