Natur : Lange Zungen in den Bergen

Wie eine lange Zunge windet sich dieser Gletscher in der Schweiz durch die Berge.
Wie eine lange Zunge windet sich dieser Gletscher in der Schweiz durch die Berge.

Langsam schieben sich riesige Eismassen von Bergen hinab ins Tal. Solche Gletscher gibt es an vielen Orten.

nnn.de von
04. Februar 2019, 16:47 Uhr

Bei jedem Schritt sacken die Wanderer tief in den Schnee ein. Hintereinander stapfen sie den Berg hinauf. Es ist kalt. An manchen Stellen weht ein eisiger Wind. Doch davon merken die Wanderer kaum etwas. Bei der Anstrengung wird allen schnell warm. Wir sind in den kanadischen Rocky Mountains. Mehr als sieben Meter Schnee können hier im Jahr fallen. Etwa so hoch ist ein Haus mit zwei Stockwerken. Im Sommer wird es zwar auch mal warm. Doch weil die Berge mehrere Tausend Meter hoch sind, bleibt es hier oben die meisten Monate im Jahr kühl.

Deshalb schmilzt der Schnee auch im Sommer nie ganz. Stattdessen drückt neuer Schnee den alten Schnee immer mehr zusammen. So lange, bis sich nach Jahren der Schnee in Eis verwandelt. Ein so entstehendes Eisfeld nennt man auch Gletscher. „Es braucht etwa 30 Meter Schnee, damit genug Druck entsteht und daraus Eis wird“, sagt Larry Kelly. Er ist Bergführer und begleitet die Wanderer übers Eis.

Was die Wanderer an diesem einen Tag nicht sehen können: Der Gletscher bewegt sich! Über viele Jahre hinweg hat er sich einen Weg zwischen den Bergen gesucht. Wie eine riesige Zunge aus Eis schlängelt er sich zwischen den grauen Steinen der Berge entlang.

Der Gletscher schiebt sich sehr langsam Richtung Tal. Larry Kelly erklärt: „Würden wir hier stehen und uns nicht wegbewegen, ständen wir in einem Jahr trotzdem 20 bis 30 Meter von diesem Punkt entfernt.“ Gletscher finden sich auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland, in den Alpen. Manche Gletscher sind sogar ziemlich flott unterwegs. In Grönland etwa gibt es Gletscher, die sich bis zu zehn Kilometer im Jahr bewegen. Irgendwann kommen die Gletscher dort an, wo es zu warm für das Eis ist. Dann schmelzen sie. Dabei entstehen oft Flüsse.

Seit einigen Jahren schon ist es für die Gletscher häufig zu warm. Sie schmelzen deshalb schneller und stärker als noch vor einigen Jahrzehnten. Das hat mit der Erderwärmung und dem Klimawandel zu tun. Durch das viele Schmelzwasser der Gletscher steigt zum Beispiel der Meeresspiegel. Das ist schlecht für Menschen, die ihre Häuser nah an den Küsten gebaut haben.

Larry Kelly zeigt den Wanderern auf dem Rückweg die Stelle, bis zu der der Gletscher vor ein paar Jahren noch reichte. Im Vergleich zu früher hat der Gletscher etwa anderthalb Kilometer Länge verloren.

Larry Kelly hat dennoch eine Hoffnung: „Wenn mehr Menschen die Schönheit der Berge und des Eises sehen, merken sie hoffentlich, dass es sich lohnt, die Natur zu schützen.“

Autorin: Rebecca Krizak

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