Sprache : Sandmännchen mit Zeichen

Die gehörlose Dana übersetzt die Texte der Sandmännchen-Sendung in Gebärden-Sprache.
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Die gehörlose Dana übersetzt die Texte der Sandmännchen-Sendung in Gebärden-Sprache.

Die Gute-Nacht-Geschichten gibt es inzwischen auch in einer ganz besonderen Sprache: der Gebärden-Sprache.

Dana steht vor einer Fernsehkamera und macht wilde Gesten. Sie zeigt mit ihren Fingern, rudert mit den Armen und schneidet Grimassen. Aber sie spricht kein Wort dabei. Was das Mädchen da vorführt, ist Gebärden-Sprache.

Das ist eine Art Zeichensprache. Durch sie können sich Menschen miteinander unterhalten, die schlecht oder gar nicht hören können.

Auch Dana ist gehörlos. Sie ist 17 Jahre alt. Mit sechs Jahren hat sie die Gebärden-Sprache erlernt. Vor der Kamera arbeitet Dana als Dolmetscherin. Das heißt: Sie übersetzt die Texte aus einer Fernsehsendung in Gebärden. Diese Sendung kennt fast jedes Kind. Es ist das Sandmännchen.

An der Kamera, die Dana filmt, ist ein Bildschirm montiert. Auf dem läuft die Sendung mitsamt der Texte, die Dana übersetzen soll. Dazu wird die 17-Jährige von vielen hellen Scheinwerfern ausgeleuchtet.

Außerdem steht sie vor einer grünen Leinwand. Das Grün wird später am Computer unsichtbar gemacht. In der Fernsehsendung erscheint Dana gut sichtbar am Rand des Bildes. So können die Zuschauer beides mitverfolgen: das Sandmännchen und Danas Gebärden.

Bis zur fertigen Sendung in Gebärden-Sprache haben Dana und ihre Kollegen aber einiges zu tun. „Mal lassen sich die Folgen leichter, mal schwerer übersetzen“, erklärt Dana. Die Figur Pittiplatsch zum Beispiel sei anstrengend. Pitti redet sehr schnell und erfindet manchmal Worte. „Da müssen wir gemeinsam überlegen, wie wir das am besten übersetzen“, sagt Dana.

Auch Raketenflieger Timmi macht es den Dolmetschern nicht leicht. Der sagt oft: „Alles super-roger-pups-okay!“ So ein komisches Wort hat außer den Sandmännchen-Übersetzern bestimmt noch niemand in Gebärden-Sprache übertragen! Wenn Dana die Sendung fertig übersetzt hat, muss sie noch passgenau ins Bild geschnitten werden. So dauert die Arbeit an einer Sandmännchen-Folge ungefähr eine Stunde. Bis zu vier Sendungen übersetzt Dana an einem Tag. „Es ist anstrengend, macht aber auch viel Spaß“, sagt die junge Frau.

Ein bisschen berühmt ist Dana auch schon. „Manchmal werde ich auf der Straße erkannt und angesprochen. Ich habe auch schon Fotos mit Sandmännchen-Fans gemacht“, erzählt sie schmunzelnd.

Autor: Philipp Brandstädter

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