Ein Angebot des medienhaus nord

Kunst Ein Tempel aus Büchern

Von Redaktion svz.de | 09.06.2017, 23:00 Uhr

Kunstwerk für die Ausstellung documenta: Auch bekannte Kinderbücher hängen schon an dem Tempel.

Die Harry-Potter-Bücher mögen viele Kinder und auch Erwachsene. Doch nicht alle Leute denken so. Manche finden: In den Büchern werden gefährliche Sachen beschrieben. Deshalb haben zum Beispiel Schulen in den USA mal Harry-Potter-Bücher nicht im Unterricht durchgenommen. Aus solchen Büchern, die verboten waren oder sogar noch sind, wird in der Stadt Kassel ein Kunstwerk gebaut: Es entsteht ein riesiger Tempel aus Büchern. Er ist für die Kunst-Ausstellung documenta gemacht, die heute beginnt.

Entworfen hat das riesige Bauwerk eine Künstlerin. Sie will damit protestieren: gegen das Verbot von Texten. Und gegen die Verfolgung von Menschen, die etwas schreiben, was Regierungen von Ländern oder anderen Menschen nicht gefällt.

An dem Tempel hilft auch Philippe-André mit. Er ist 27 Jahre alt und Student. Mit anderen Studenten sitzt er in einem Raum voller Bücher.

Verlage und Menschen haben die Bücher gespendet. Sie wollen der Kunst-Ausstellung helfen. Die Studenten prüfen jede Spende: Denn nur die Bücher dürfen Teil des Kunstwerks werden, die irgendwo auf der Welt verboten waren oder es noch sind. Nicht genutzt werden Bücher, die aus gutem Grund verboten sind, weil sie zum Beispiel rassistisch sind.

Philippe-André und die Studenten haben Listen, auf denen Tausende verbotene Bücher stehen. „Es ist schwierig, alle Verbote zu überblicken“, sagt Philippe-André. Deshalb wurde das Projekt an der Universität vorbereitet. „Wir haben in Gruppen erarbeitet, wo welche Titel verboten waren.“ Viele Kinderbücher sind dabei: zum Beispiel „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ oder „Emil und die Detektive“.

Gründe für Verbote gibt es viele: Mal finden Kirchen die Botschaft eines Buches nicht gut. Mal fürchten Länder, dass ihre Bürger durch das Lesen über die eigene Regierung nachdenken – und dann sagen: Was ihre Regierung macht, ist nicht gut!

In die geprüften Bücher drücken die Studenten einen Stempel in der Form des Tempels. Der Stempel zeigt: Das Buch ist gecheckt. Es wird abtransportiert. Mitarbeiter einer Firma schweißen es in Plastik ein. So kann das Buch nicht nass werden, wenn es regnet.

Auf einem großen Platz in Kassel steht der Tempel. Er besteht aus einem riesigen Gerüst, an dem die Bücher hängen. Tausende Bücher wurden für die Ausstellung gespendet. Am Ende der Ausstellung will man sie abnehmen und an die Besucher verschenken.