Musik : Sänger Till Lindemann: Bei Rammstein driften Meinungen auseinander

23-111414630.JPG

Rammstein-Sänger Till Lindemann genießt die simple Zusammenarbeit im Projekt mit dem schwedischen Multiinstrumentalisten Peter Tägtgren.

von
19. November 2019, 07:02 Uhr

Rammstein-Sänger Till Lindemann (56) genießt die simple Zusammenarbeit im Projekt mit dem schwedischen Multiinstrumentalisten Peter Tägtgren (49). „Wir sind nur zu zweit, das ist zumindest für mich sehr einfach“, sagte der Sänger vor Veröffentlichung des zweiten Albums „F & M“ des Duos mit Namen Lindemann.

„Ich arbeite sonst mit fünf Leuten zusammen, da driften die Meinungen schon mal auseinander“, sagte Till Lindemann mit Blick auf die anderen Rammstein-Musiker. „Es gibt immer eine Menge Diskussionen und Kämpfe, in welche Richtung es weitergehen soll, über die Themen, um so ziemlich alles.“

Aufnahmen unter der Dusche

Deswegen sei es bei Lindemann vergleichsweise einfach: „Zwei Menschen, Peter schreibt die Musik, ich komme mit den Texten dazu. So wird das eine Zusammenfassung unserer Erfahrungen, unserer Eindrücke.

Weiterlesen:

Das ist es. Wir sind da sehr effizient und schnell.“ Tägtgren ergänzte: „Till schickt mir zum Beispiel eine Aufnahme von etwas, was er gerade unter der Dusche gesungen hat. Ich spiele das dann in meinem Computer ein und beginne, Musik dazu zu arrangieren.“

Und so sieht dann das zweite Album "F & M" aus, dass aus dieser fruchtbaren Verbindung entstanden ist:

„Es sind nur Peter und ich“, sagt Till Lindemann, „Peter ist völlig fokussiert auf die Musik, und ich gebe mein Bestes mit den Texten.

Auf diese Weise bin ich sehr frei, die Texte so zu machen, wie ich mir das vorstelle.“ Auch für Tägtgren, selbst in zahlreichen Metalbands wie Hypocrisy oder Pain engagiert, ist das Projekt besonders: „Wir regen uns gegenseitig an.“ Etwas, was Till erzähle, könne ihn inspirieren - und umgekehrt. „Das ist wie bei frisch Verheirateten, auch nach fünf Jahren noch“, schildert Tägtgren, „wir wissen, wie wir uns gegenseitig nicht auf die Nerven gehen.“ Das Duo ist ähnlich erfolgsverwöhnt wie Rammstein. Das erste Lindemann-Album „Skills in Pills“ startete 2015 direkt auf Platz eins der Album-Charts. Gibt es also Erfolgsdruck? „Die Chart-Platzierung interessiert uns einen Scheiß“, sagt Tägtgren. „Wir machen das für uns. Natürlich ist es klasse, wenn die Menschen das Album mögen. Aber das ist nicht unsere Motivation, Musik zu machen.“ Im Gegensatz zu „Skills in Pills“ verzichtet „F & M“ auf englische Texte. „Es ist ein deutsches Album geworden, weil es seinen Ursprung in der Zusammenarbeit mit dem Thalia-Theater hat“, erzählt Tägtgren.

Schnell auf acht Songs gekommen

Die Hamburger wollten „Hänsel & Gretel“ auf die Bühne bringen und fragten dafür Stücke an. „Das ging alles los, noch bevor wir überhaupt angefangen hatten, über ein zweites Album nachzudenken.“ Zunächst sollten es drei Songs sein, sagt Lindemann, dann sei noch eine neue Szene im Stück dazugekommen. „Am Ende waren es dann fünf, schließlich sechs Songs.“ Das wäre schon eine EP gewesen. „Also haben wir uns gesagt, “komm, lass' uns weitermachen„. Peter kam dann noch mit zwei klasse Songs an und so war ich unter Zugzwang.“ Till Lindemann arbeitete damals auch an einem Gedichtband. „Ein paar Zeilen, die ich gerade geschrieben hatte, passten prima in die neuen Lieder. Wir waren schnell bei acht Songs.“ Album fast komplett.

Musikalisch ist das Projekt der beiden Metal-Spezialisten erstaunlich vielfältig. „Steh auf“ oder „Ich weiß es nicht“ stehen für erwartbaren Rock und Metal, ohne Umwege und direkt mit angemessen harten Riffs. Die Überraschungen: „Wer weiß das schon“ setzt auf fette Streicher, „Ach so gern“ nutzt Tango-Töne, in „Blut“ klingt Western-Style an. „Knebel“ kommt zunächst als fröhlicher Gitarren-Country-Song daher, bevor das Lied in Metal explodiert. Es ist die Stelle, an der das Video in bester Rammstein-Manier mit Phantasmen, Sex und Gewalt für Skandalstoff sorgt. Im Netz gibt es nun eine bereits nicht einfach zu konsumierende offizielle Fassung und - für deutlich stärkere Nerven - das unzensierte Original.

Rock-Show und Märchenelemente

„Für das Theaterstück sollte Peter auch ein Schlaflied, also eine Ballade komponieren, was er noch nie getan hatte“, erzählt Lindemann.„Schlaf ein“ sei eine große Herausforderung gewesen. Für die „sehr aktuelle Fassung“ von „Hänsel und Gretel“ seien „Songs sozusagen auf Bestellung“ entstanden. „In “Allesfresser„ etwa wird Hänsel von der Hexe gefüttert und wird fetter und fetter. Das ist auch ein Symbol für den Status quo der heutigen Gesellschaft.“ Mit „F & M“ will das Duo auch auf Tour gehen, die bereits weitgehend ausverkauft ist. „Das wird natürlich keine Rammstein-Show, kein Feuer, keine so verrückten Sachen. Wir überlegen uns ein paar andere coole Dinge“, kündigt Tägtgren an. Mit Blick auf das sonst gewohnte Flammenmeer sagt Lindemann: „Natürlich geht es für mich auch ohne Feuer. Das gehört klar zu Rammstein. Wir wollen eine solide Rock-Show machen: Nebel, gutes Licht, eine Stunde und 20 Minuten, geradeaus.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen