Malerei im Fokus : Hermann Nitsch: Farbrausch in der Albertina Wien

In der Albertina werden rund 100 Werke von Hermann Nitsch gezeigt. /APA
In der Albertina werden rund 100 Werke von Hermann Nitsch gezeigt. /APA

Die Kunst von Hermann Nitsch will alle Sinne ansprechen. Die Albertina in Wien greift nun die Malerei des 80-Jährigen heraus - und lädt zur Spurensuche nach dem Gesamtkunstwerk ein.

nnn.de von
16. Mai 2019, 16:28 Uhr

Hermann Nitsch sitzt seelenruhig, fast regungslos auf einem Stuhl in der Albertina. Das Gegenteil hängt dabei um ihn herum: Großformatige Bilder voller Farbmassen, teilweise entstanden in wilden Performances, die vieles ausstrahlen, aber sicher keine Ruhe.

Im Gesamtwerk von Nitsch seien erstmals alle Sinne angesprochen worden, sagte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Umso bemerkenswerter ist es, dass das Wiener Museum nun die Malerei herausgreift. Vom 17. Mai an zeigt das Haus 100 Bilder des «Blutkünstlers» - und erzeugt getreu dem Ausstellungstitel «Räume aus Farbe».

Nitsch wurde unter anderem mit Tierschlachtungen, Prozessionen und Blutschüttaktionen bekannt. Malerei, Musik und Performance wurden bei ihm stets eng verbunden gedacht - vor 50 Jahren ein spektakulärer Akt. Doch Nitsch erklärte am Donnerstag selbst: «Die Malerei ist ein Teilbereich meiner Arbeit und wer die lesen kann, spürt dahinter mein Gesamtkunstwerk.»

Dass Blut, Gedärme und Tiere eine zentrale Rolle spielten, hielt Nitsch stets für angemessen. «Ein Überwinden der Ekelschranke ist Aufgabe der Kunst», sagte er einmal. Der 80-Jährige gehört zu den Hauptvertretern des Wiener Aktionismus und setzt sich intensiv mit religiösen und mythologischen Fragen auseinander.

Das wird auch in der Albertina-Ausstellung mit ihren 100 Werken sehr deutlich. Das Museum zeigt beispielsweise zahlreiche Bilder, die durch viel rote Farbe und Spritzer und ein an ihnen festgenageltes Malhemd schnell an eine brutale Kreuzigung erinnern. Gleichzeitig finden sich in der Schau farbenfrohe, bunte Bilder zum Thema Auferstehung, die wie ein Regenbogen eine sehr positive Stimmung verbreiten. Die Bilder werden vornehmlich in Serien präsentiert, teilweise sind sie nebeneinander liegend entstanden, wie sie nun im Museum hängen.

Dass die Bilder teilweise aufwendigen Malaktionen oder Performances entstammen, ist ihnen meist anzusehen. Da wurden Massen an Farben verteilt, mit den Fingern durchgewühlt, ganze Eimer verschüttet. Auch die dreckigen, mit Farbe beschmierten und teils verschwitzten Malhemden sollen den Prozess verdeutlichen, erklärte Kuratorin Elsy Lahner. Die Entstehung der Werke schwingt so auf beeindruckende Art und Weise ganz automatisch mit. Untermalt wird das alles mit schallenden musikalischen Kompositionen des Künstlers selbst, in einem Video wird zudem ein Einblick in Nitschs Performances gegeben.

«Er ist ein Künstler, der wie kein anderer für das Gesamtkunstwerk steht», sagte Albertina-Direktor Schröder. Die neu Schau sei nun die Chance, «einen Künstler zu erkennen, der als ganz großer Traditionalist und Erneurer zu jenen gehört, auf die Österreich stolz sein kann».

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