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Elbeflut: Dank Spenden der SVZ-Leser konnte ihr geholfen werden "Bis Weihnachten wieder nach Hause"

Von Lars Reinhold | 29.10.2013, 07:24 Uhr

Wenn Elfriede Kober heute durch ihr kleines, leeres Häuschen geht, durch das Fenster in den Garten blickt, wo bereits wieder erste Blumen wachsen, steigen die Bilder vom 9. Juni wieder in ihr hoch.

Wenn Elfriede Kober heute durch ihr kleines, leeres Häuschen geht, durch das Fenster in den Garten blickt, wo bereits wieder erste Blumen wachsen, steigen die Bilder vom 9. Juni wieder in ihr hoch. "Das Wasser kam innerhalb weniger Stunden, stand zum Schluss etwa kniehoch im Haus und auf dem Grundstück", erinnert sich die 74-jährige Bälowerin. Seit mehr als 40 Jahren lebt sie in dem kleinen Ort an der Elbe, hat viele Hochwasser erlebt, war aber nur einmal selbst betroffen - 2002. Der Schaden hielt sich seinerzeit in Grenzen.

In diesem Jahr dann der große Schock. Trotz der Bemühungen, das Haus mit Sandsäcken und gepressten Strohballen zu schützen, bahnt sich die Flut unaufhaltsam ihren Weg. "Weil das Wasser so schnell anstieg, konnten wir vom Hausrat fast nichts retten, alles ging kaputt", berichtet ihre Tochter Ute Petrascheck. Den Schaden am Gebäude beziffert ein Gutachter später auf rund 55 000 Euro, inclusive der zerstörten Einrichtung. Geld, das die Rentnerin keinesfalls aufbringen kann. "Ich kam erstmal bei meiner Tochter unter, wusste aber nicht, wie es weitergehen sollte", sagt Elfriede Kober.

Als unsere Zeitung auf den Fall aufmerksam wurde, war schnell klar, dass wir helfen wollten. Bereits am 7. Juni hatte das medienhaus:nord, zu dem die SVZ gehört, gemeinsam mit der Caritas dazu aufgerufen, im Rahmen der Spendenaktion "Leser helfen Flutopfern" Solidarität zu zeigen und jene zu unterstützen, die von dieser Naturkatastrophe ganz besonders betroffen sind. Aufgrund der Umstände sollte die Hälfte der Gesamtsumme aus der Aktion schließlich nach Bälow gehen.

Chefredakteur Michael Seidel ließ es sich nicht nehmen, Mitte Juli persönlich nach Bälow zu fahren und gemeinsam mit Mathias Thees von der Caritas die Spende zu übergeben - 35 000 Euro. "Diesen Moment kann ich heute noch nicht in Worte fassen", sagt Elfriede Kober und hat wieder Tränen in den Augen. "Es war für mich herzzerreißend, dass mir jemand in dieser zunächst aussichtslosen Situation mit so einer großen Summe geholfen hat."

Mit der gewaltigen Finanzspritze im Rücken konnte Elfriede Kober wieder agieren, die notwendigen Arbeiten in die Wege leiten. "Im Prinzip standen nur noch die Wände im Haus, und selbst die hatte das Wasser extrem mitgenommen", erzählt ihre Tochter. Wo der Putz nicht trocknet, wird er abgeklopft und neu aufgebracht, alle Fußböden werden erneuert, einschließlich einer Dämmung, die sich weniger vollsaugt, sollte sich ein derartiges Ereignis wiederholen. "Als wir im Bad die Wanne herausnahmen, fielen uns Schäden auf, die schon das erste Hochwasser 2002 verursacht haben musste. Da war alles feucht und verfault."

Inzwischen sind die Arbeiten gut vorangekommen. "Der Rohbau ist soweit fertig, allerdings ist die Feuchtigkeit noch nicht ganz raus, obwohl die Luftentfeuchter tagelang im Dauerbetrieb liefen", sagt Ute Petraschek. Als nächstes sei die Installation einer neuen Heizung geplant, dann könne das Haus zur Trocknung richtig durchgeheizt werden.

Auch auf dem Grundstück ist viel passiert. "Wir haben reichlich Erde aufgeschüttet und zwei Brunnen gesetzt, aus denen man Wasser abpumpen kann, wenn es wieder zu einer Flut kommt", sagt Elfriede Kober. Auch der Hof sei neu gepflastert, und die ersten Pflanzen seien in die Erde gebracht.

"Ohne die Hilfe meiner Familie, von Freunden und Bekannten und den zum Teil sehr kulanten Handwerksfirmen wäre das, was wir bis jetzt geschafft haben, unmöglich gewesen", sagt Elfriede Kober dankbar. "Mein Schwiegersohn hat viel selbst erledigt, mein Enkel hat fast seine gesamten Semesterferien hier verbacht, um auf dem Bau zu helfen. Und natürlich danke ich auch den Zeitungslesern ganz, ganz herzlich, dass sie es möglich gemacht haben, dass ich in meinem Zuhause bleiben kann. Einen alten Baum verpflanzt man nunmal nicht." Bleiben die Arbeiten weiter im Plan, kann Elfriede Kobers Wunsch in Erfüllung gehen. "Bis Weihnachten würde ich gerne wieder zu Hause sein. In der Not ist es okay, bei der Familie unterzukommen, aber die eigenen vier Wände sind dann doch was ganz anderes."