Ein Angebot des medienhaus nord

Bizarres Verfahren eingestellt „Das war Kindergarten“

Von AFRO | 01.06.2017, 21:00 Uhr

Verfahren wegen Körperverletzung gegen 27 Jahre alten Mann eingestellt

Nach dem „Duell“ zweier Autofahrer auf einer engen Brücke nördlich von Schwerin ist das Verfahren gegen einen der beiden Streithähne vom Amtsgericht Schwerin eingestellt worden. Der 27-jährige reumütige Angeklagte muss lediglich 500 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Er gilt damit weiterhin nicht als vorbestraft. Der 27-jährige Verkäufer war wegen Körperverletzung angeklagt. Er hatte seinen Kontrahenten am Ende der Auseinandersetzung sehr heftig in den Schwitzkasten genommen.

Der Angeklagte in seinem Skoda und ein 21-jähriger Soldat in seinem Audi waren sich an einem schwülen Spätnachmittag eines Sonntags im August 2016 auf einer einspurigen Brücke über den Langen Graben in der Nähe des Schweriner Sees begegnet. Der Verkäufer bestand auf seinem formalen Vorfahrtsrecht, das ihm das blaue Verkehrsschild mit dem weißen und dem roten Pfeil signalisiert.

Weil er die Brücke bereits fast überquert hatte, war der Soldat jedoch der Meinung, der andere solle auf das Vorfahrtsrecht verzichten und ihn vorbeilassen. Keiner der beiden gab nach. Der eine machte mit dem Smartphone Fotos. Der andere fühlte sich nun erst recht provoziert. Man stieg aus und wieder ein und dann wieder aus.

Der Angeklagte nahm dem Soldaten zwischenzeitlich das Handy und den Autoschlüssel weg. Am Ende des Streits nahm er ihn auf der Brücke in den Schwitzkasten. Kurzzeitig soll dem Soldaten die Luft weggeblieben sein. Zeugen alarmierten den Rettungswagen und die Polizei. Über den detaillierten Ablauf des Geschehens berichteten die Beteiligten sowie Zeugen allerdings unterschiedlich.

„Das machen doch nur Männer, oder?“ hatte die Amtrichterin am ersten Prozesstag vor zwei Wochen kopfschüttelnd gefragt, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Selbstkritisch befand hingegen gestern der Soldat als Zeuge vor Gericht: „Das war Kindergarten.“ Unumwunden gab er zu: „Wir haben beide etwas gebockt.“ Sein durch den Schwitzkasten traktierter Kehlkopf sei längst wieder in Ordnung. Am meisten hat ihn damals geärgert, dass der Angeklagte nicht das Gespräch mit ihm suchte, als der Rettungswagen eingetroffen war. Der Angeklagte will allerdings nicht mitbekommen haben, wie sehr er den anderen malträtiert hatte.

In einer Prozesspause verhielten sich die beiden Autofahrer dann offenbar, wie es richtigen Männern gebührt. Auf dem Flur vor dem Gerichtssaal sprachen sie sich kurz aus und erklärten einander, warum sie damals so bockig waren. Der Verkäufer soll sich, so hieß es später im Gerichtssaal, für den engen Schwitzkasten entschuldigt haben. Das war Grund genug für die Richterin, das Verfahren einzustellen.