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Jahresempfang IHK Schwerin Eine Branche im Aufwind

Von THVO | 08.06.2017, 21:00 Uhr

Der Jahresempfang der IHK Schwerin stand ganz im Zeichen der Luft- und Raumfahrtindustrie

Es geht aufwärts mit der Luft- und Raumfahrtindustrie in Mecklenburg-Vorpommern. Bestehende Unternehmen expandieren, neue kommen hinzu. „Mit 130 Mitarbeitern haben wir 2005 in Schwerin angefangen – jetzt sind es bereits 350“, sagte heute auf dem Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin der Geschäftsführer der Flamm Aerotec GmbH, Lothar Brecht. Bis zum Jahr 2020 könnten es nach seinen Schätzungen sogar mehr als 400 Mitarbeiter in dem Unternehmen sein, das als Zulieferer für die Airbus-Flieger beispielsweise Flügelspitzen herstellt. Die Produktionsfläche im Süden der Landeshauptstadt wurde bereits um 10 000 Quadratmeter erweitert.

Der Jahresempfang unter dem Motto „Westmecklenburg im Aufwind“, zu dem 350 Gäste eingeladen waren, stand ganz im Zeichen der Luft- und Raumfahrtindustrie im Land. „Wir können nicht nur Tourismus und Strandkörbe“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer, Siegbert Eisenach.

Eine kleine aber feine Gemeinde Zulieferer im Nordosten mischt seit Jahren bereits auf dem Milliardenmarkt der Luft- und Raumfahrt mit. Nicht nur Tausende Bauteile des Schweriner Zulieferers Flamm Aerotec für die Airbus-Flieger, sondern auch Schläuche von der MST Matzen Schlauch Technik Boizenburg, Faserverbundwerkstoffe von der luratec AG in Rostock sowie Kabinenbeleuchtung und -elektronik für zivile und militärische Flieger von der Diehl Aerospace Rostock werden aus Mecklenburg-Vorpommern geliefert. Zudem konstruieren und produzieren die Airbus-Tochter EADS RST Rostock System-Technik und die Amas-Firmengruppe aus Neu Kaliß im Landkreis Ludwigslust-Parchim für alle namhaften Hersteller der Luft- und Raumfahrtindustrie. Insgesamt 30 Unternehmen der Zuliefererindustrie beschäftigen zusammen 1800 Mitarbeiter im Land. Vor allem wegen der Nähe zum Flugzeugbauer Airbus in Hamburg siedelten sich zunehmend Unternehmen der Branche an.

Angelika Zimmermann, Geschäftsführerin der ZIM Flugsitz GmbH, erklärte, dass es in Westmecklenburg im Vergleich zu Süddeutschland noch ausreichend gut ausgebildete Fachkräfte gebe. „Neben der Nähe zu Hamburg ist das ein weiterer klarer Standortvorteil“, so die Geschäftsfrau. Das Unternehmen vom Bodensee hat im März dieses Jahres in Schwerin ein Werk für die Produktion von Flugzeugsitzen mit einer Investitionssumme von 8,5 Millionen Euro eröffnet. 80 Mitarbeiter haben dort einen Job gefunden. Das Unternehmen will jetzt selbst Zulieferer in der Region finden. Eine ihrer Zulieferfirmen vom Bodensee habe bereits das Nachbargrundstück im Schweriner Industriepark gekauft.

Der Generalsekretär der Airbus Operations GmbH, Gunnar Groß, sagte auf dem Empfang, dass die Zuliefererindustrie für Flugzeughersteller immer wichtiger werden. 80 Prozent eines Flugzeugs würde inzwischen außerhalb von Airbus gefertigt. Der Konzern habe 2600 Zulieferer allein in Deutschland.

Ursprünglich sollte der scheidende Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auf dem IHK-Empfang das Grußwort der Landesregierung halten. Für den erkrankten Regierungschef sprang seine designierte Nachfolgerin Manuela Schwesig (SPD) ein. Die ehemalige Bundesministerin sagte, für die Gewinnung von Fachkräften würden die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte mit Familien eine immer größere Rolle spielen. Unternehmen seien gut beraten, sich intensiver als bisher darauf einzustellen.