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Schwanheide Eine Pferdestärke gegen 8700 PS

Von KFRI | 09.06.2017, 21:00 Uhr

Ein Pferd verursachte in der Nähe von Schwanheide Notbremsung eines IC auf dem Weg von Hamburg-Berlin. Die Strecke war zeitweise voll gesperrt

Ein Pferd geriet am Donnerstag gegen 15.45 Uhr am Bahnhof Schwanheide bei Boizenburg auf die Gleise der Schnellfahrstrecke von Hamburg nach Berlin. Es hatte sich von seiner Koppel in der Nähe in Richtung der Bahngleise entfernt, verfing sich mit einem Huf in einer Weiche und konnte sich nicht mehr selbstständig befreien. „Zum Glück sah der Zugführer des Regionalzugs, der gerade in Schwanheide gehalten hatte, beim Losfahren das Tier in den Gleisen und informierte umgehend seinen Fahrdienstleiter und die Bundespolizei“, berichtete Peter Kolbe von der Polizeistreife des Boizenburger Reviers gegenüber unserer Zeitung, die als erste Beamte vor Ort waren. Nur deshalb konnte der mit 200 Stundenkilometern heranrasende IC aus Hamburg nach Berlin noch rechtzeitig gestoppt werden. „Der hätte das Tier nicht früh genug gesehen“, versicherte Kolbe.

Die Strecke musste von 15.45 bis 16.35 Uhr voll gesperrt werden. Es kam bei sieben Zügen zu insgesamt 208 Minuten Verspätung.

Beamte des Polizeireviers Boizenburg, der Bundespolizei aus Schwerin, der Notfallmanager der Deutschen Bahn sowie die drei Freiwilligen Feuerwehren aus Schwanheide, Nostorf und Gresse kamen zum Einsatz. „Als wir vor Ort waren, war das Pferd aber schon befreit“, teilte Jens Martens, der stellvertretende Wehrführer der FFW Schwanheide mit.

„Das Pferd wurde von einem Reisenden aus Rostock und einer Frau, die gerade aus dem Regionalzug ausgestiegen war, von den Gleisen geholt“, informierte Peter Kolbe weiter. Dabei verletzte sich das Tier am rechten Vorderlauf und am rechten Hinterlauf. Eine Schwanheiderin konnte auch die Pferdehalterin im Dorf ausfindig machen. Als die Frau vor Ort ihrem Schützling Zaumzeug anlegen wollte, wurde sie durch das scheuende Tier ebenfalls verletzt und erlitt eine stark blutende Platzwunde am Kopf. Die Polizei verständigte einen Rettungswagen, der die Frau vorsorglich zur Untersuchung in das Krankenhaus Geesthacht brachte.

Auch das Pferd musste im Anschluss in eine Tierklinik eingewiesen werden, erklärte Tierärztin Katharina Wiener, die das Ross auf Abwegen in Schwanheide behandelt hatte. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es sich aber wieder von seinen Blessuren erholen.“

Derzeit ist noch völlig unklar, wie das Pferd von der Koppel zu den Gleisanlagen gelangt ist. „Die Koppel war völlig unversehrt“, versicherte Peter Kolbe. Die Bundespolizei deshalb um Mithilfe der Bevölkerung. Das Pferd ist etwa 700 Kilogramm schwer, dunkelbraun mit einer schwarzen Mähne und einem schwarzen Schweif. „Ein sehr schönes Tier“, so der Boizenburger Polizeibeamte.