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Landwirtschaft Überraschend gute Lupinen-Ernte

Von Jürgen Drewes | 04.12.2017, 20:45 Uhr

Projekt soll Anbau von Eiweißpflanzen voranbringen. Umgang mit Eiweißpflanze gilt als heikel

Die Anbauer von Lupinen haben in diesem Jahr überraschend eine gute Ernte eingefahren. Annett Gefrom will anfangs kaum glauben, was ihr an Bilanzen auf den Tisch flattert: „Aktuell bin ich bei einem Durchschnittsertrag von 30 Dezitonnen je Hektar“, sagt die Projektmanagerin des Lupinennetzwerks mit Sitz an Mecklenburg-Vorpommerns Agrar-Landesforschungsanstalt Güstrow-Gülzow. „Das übertrifft deutlich alle Prognosen.“ In der Spitze seien sogar bis zu 35 Dezitonnen je Hektar erreicht worden.

Landwirtschaftsbetriebe in ganz Deutschland haben sich das Ziel gesetzt, wieder mehr Eiweißpflanzen für Viehfutter anzubauen und auf Importe zu verzichten. 53 Agrarbetriebe von Norddeutschland bis Nordrhein-Westfalen setzen auf Lupinen, der Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen koordiniert den Anbau von Erbsen und Bohnen und die Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft forciert den heimischen Anbau von Soja.

Für den Ackerbau war das Wetter 2017 nicht optimal. Anfangs zu kalt, dann zu regnerisch – am Ende bot das Jahr kaum Gelegenheit zum Dreschen. Die Lupinen haben die Nässe zur Überraschung der Fachleute aber besser verkraftet als Raps und Getreide, deren Erträge 2017 deutlich unter den Erwartungen blieben.

Beim Projektstart 2014 war der Anbau sogenannter Körnerleguminosen bundesweit auf unter ein Prozent der Ackerfläche gesunken. Grund für den Tiefstand waren wiederholte Missernten, vor allem wegen zunehmender Krankheiten wie Anthraknose. Die Brennfleckenkrankheit befällt Stängel und Hülsen und kann zum Totalausfall führen. Daher importieren die Bauern lieber Soja zur Eiweißversorgung der Tiere.

Aber Soja bereitet Probleme wegen mangelnder Qualitäten und gentechnisch veränderter Sorten. Das Netzwerk soll aus dem Dilemma herausführen.

Friedhelm Thiel, Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Petschow und Klaus Parr, Betriebsleiter auf dem landeseigenen Gut Dummers-torf, sind im Netzwerk aktiv. Ihre Unternehmen gelten als „Leuchtturmbetriebe“ auf dem Weg, den Lupinenanbau zu forcieren. Parr hat in diesem Jahr Außergewöhnliches erfolgreich versucht.

Erstmals häckselte der 65-Jährige seinen gesamten Bestand an Lupinen und fuhr sie bereits im Juni ins Silo. Damals ließen Regen und Wind einen qualitätsgerechten Drusch nicht vermuten. Wegen des Wetters waren Pflanzenschutzmaßnahmen nicht möglich, Unkraut drohte die Lupinen zu überlagern.

„Die Notlösung hat hervorragend funktioniert“, bilanziert Parr. „Wir haben eine hochwertige Silage, die Kühe fressen sie gern und geben ordentlich Milch. Wir nähern uns der 12 000-Liter-Marke je Tier“, sagt der Betriebsleiter. Andere Anbauer registrieren das mit Interesse. Klassisch werden Lupinen nach dem Abreifen der Schoten gedroschen, um nur die Körner zu verfüttern. Im Netzwerk soll die neue Siloerfahrung nun die Runde machen.

Projektchefin Gefrom hofft auf eine Verlängerung des im Dezember auslaufenden Anschubprojekts durch den Bund.