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Bilanz des G8-Gipfels Was blieb von Heiligendamm?

Von Joachim Mangler | 01.06.2017, 21:00 Uhr

Nichts umgesetzt: Zehn Jahre nach dem G8-Gipfel ziehen Protagonisten jener historischen Tage ihre persönliche Bilanz.

Der hohe finanzielle Aufwand für politische Spitzentreffen wie den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm oder auch den G20-Gipfel im Juli in Hamburg ist nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) der Öffentlichkeit kaum vermittelbar. Heiligendamm habe den Steuerzahler rund 100 Millionen Euro gekostet, G20 werde vermutlich das Doppelte oder Dreifache kosten. In Heiligendamm waren 17 000 Polizisten im Einsatz, 5000 Journalisten aus 73 Ländern berichteten, und Zehntausende Demonstranten reisten an. Für drei Tage war Heiligendamm der Mittelpunkt der Weltpolitik.

Doch was ist vom Gipfel zehn Jahre danach übrig geblieben? Eine Bilanz von Joachim Mangler:

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„Vom Gipfel ist nicht viel geblieben“, sagt die Politologin Annegret Bendiek von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. „Mir ist kein Beispiel bekannt, bei dem daraus konkrete Politik geworden ist.“ Das Grundproblem dieser Treffen sei, dass sie keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegen. „Es gibt nur Erklärungen und schöne Fotos. Das ist nichts für Demokraten.“ Diese Kontrolle werde bedauerlicherweise auch nicht von den Parlamenten eingefordert. Angesichts der „gigantischen Weltprobleme“ könnten zwar Erwartungen an die Gipfeldiplomatie gerichtet werden. Aber die Hoffnung auf Umsetzung sei bisher immer enttäuscht worden.

„Man braucht ein bisschen Glück bei der Bewältigung einer solchen Aufgabe“, sagt Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im Rückblick. „Wenn etwas schiefgeht, ist man auch selbst abgemeldet.“ Auch wenn die Organisation damals gelang, will er so etwas nie wieder machen. Rund 100 Millionen Euro hat der Gipfel den Steuerzahler gekostet. Positiv sei im Nachhinein, dass damals die technisch eher gering ausgestattete Landespolizei mit hohem Aufwand aufgerüstet wurde.

Von den Werten der G8-Gipfelgegner ist vieles noch lebendig, ist Monty Schädel, einer der Hauptorganisatoren der Proteste, überzeugt. „Das wird man in den kommenden Wochen beim G20-Gipfel in Hamburg erleben.“ Viele Menschen und Organisationen wie Kirchen, Umweltverbände bis zur radikalen Linken hatten sich in einer nicht bekannten Vielfalt verbündet. Teilnehmer sprachen vom „Geist von Heiligendamm“. Zuvor seien es oft große Organisationen gewesen, die die Proteste koordinierten. Schädel kritisierte, dass es keine ordentliche Aufarbeitung der Vorgänge im Rostocker Stadthafen gab.

„Gipfel sind Rituale zur Zurschaustellung von Macht – heute wie damals“, sagt Mitorganisator Christoph Kleine von der Interventionistischen Linken (iL), der die Proteste 2007 mitorganisiert hat. „Der Unterschied ist, dass sich die Dinge zehn Jahre weiter in Richtung Wahnsinn gedreht haben.“

Auch aus heutiger Sicht bewertet der Rostocker Polizeipräsident Thomas Laum den Gipfelverlauf als „im Wesentlichen erfolgreich“. Er war vor zehn Jahren Leiter des Führungsstabs. Es sei zwar nicht jedes Ziel erreicht worden. Es müsse bedacht werden, dass ein Großteil der militanten linksextremistischen Szene aus Europa in Rostock war. Der schwarze Block war mehrere Tausend Leute stark. „Wir waren in der Lage, den Schaden zu begrenzen“, sagt Laum. Es sei zwar am 2. Juni 2007 im Stadthafen zu einer Straßenschlacht zwischen rund 2000 militanten Autonomen und der Polizei gekommen. Aber es wurde verhindert, dass der schwarze Block in die Innenstadt gelangte. Blockaden auf den Straßen zum Gipfelort konnten nicht verhindert werden.

„2007 gingen die Bilder der weißen Stadt am Meer um die Welt und hinterließen tatsächlich eine nachhaltige Wirkung“, sagt der Sprecher des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Immerhin waren rund 5000 Journalisten aus 73 Ländern im Land, die die Botschaft verbreiteten. Die Branche ging damals von zusätzlich rund 100 000 Übernachtungen und einem Umsatzplus von 25 Millionen Euro aus.

Das Grand Hotel habe sich auch dank des Gipfels zu einem touristischen Leuchtturm entwickelt, sagt Hotelchef Thomas Peruzzo. „Wir sind bis heute als das ,G8-Hotel’ bekannt.“ Viele neue Gäste wollten auch noch heute wissen, in welchen Zimmern Merkel oder Bush geschlafen haben. Der weltberühmte Strandkorb, in dem Merkel und ihre Gäste Platz nahmen, steht noch bis Mitte Juli vor dem Hotel.

Die Geschäftsführerin der IHK Rostock, Christine Grünewald, sieht vor allem positive Effekte auf die Infrastruktur im Landkreis. Extra gebaut wurde ein Kreisel, der jetzt eine Umgehung für das Zentrum von Doberan ist. Andere Baumaßnahmen wurden vorgezogen. Auch die gute Telekommunikationsinfrastruktur sei ein positiver Effekt der Gipfels.