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Spendenaktion Wünschewagen Ein Leben mit dem Tod

Von DRAH | 16.12.2020, 05:00 Uhr

Denny Köthke-Sprunk begleitet den Wünschewagen in Westmecklenburg

Beim ersten Mal war Sommer. „Ein älterer Herr wollte nochmal in den Wismarer Hafen, um seine alten Fischerei-Kollegen zu treffen. Und er wollte zu seinem Sohn, an dessen Haus er früher mitgebaut hatte“, erzählt Denny Köthke-Sprunk aus Schönberg über seine erste Fahrt als Begleiter im Wünschewagen. „Wir waren dort zum Mittag eingeladen, es war einfach schön – auch wenn der Familie bewusst war, dass der Vater jetzt das letzte Mal bei ihnen war. Aber er war in diesen Stunden glücklich.“ Es schien ihm körperlich sogar recht gut zu gehen, aber er spürte wohl, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, und starb tatsächlich drei Wochen später.Auf Umwegen zum BerufKöthke-Sprunk hat jeden Tag mit Sterbenden zu tun: Der examinierte Altenpfleger arbeitet seit zwei Jahren im Hospiz im Schloss Bernstorf. Dass er mal einen emotional so fordernden Beruf wählen würde, war lange nicht klar. „Als Jugendlicher bin ich immer den leichtesten Weg gegangen, hatte mir auch keine Gedanken gemacht, was ich eigentlich werden will.“ Er ist gelernter Maler, hat aber nie in dem Beruf gearbeitet. „So hab ich verschiedene Jobs gemacht, war auch bei der Bundeswehr – aber nur sehr kurz. Das war alles nichts für mich.“ Er stieg aus und kam im nachfolgenden Zivildienst das erste Mal mit dem Pflegeberuf in Berührung. Ein paar Jahre und ein paar berufliche Umwege später fiel die Entscheidung, nun doch einen schwierigeren Weg zu gehen: drei Jahre Ausbildung zum Altenpfleger in Lübeck. Die Angehörigen emotional auffangenDas ist jetzt acht Jahre her. In dieser Zeit absolvierte der 40-Jährige noch eine Weiterbildung zur Fachkraft für Palliative Care. „Sterbebegleitung, das mache ich gern. Ich kann mich sehr gut in die Gefühle der Menschen hineinversetzen, auch in die der Angehörigen. Denn die muss man manchmal mehr auffangen als die Betroffenen.“ Die Patienten selbst seien oft abgeklärt, hätten ihr Schicksal angenommen – im Gegensatz zu ihrer Familie.„Das ist auch für mich nicht immer leicht, gerade wenn es jüngere Menschen betrifft“, gibt er zu. „Manchmal gehe ich nach Hause und bin richtig fertig. Normalerweise wahre ich eine professionelle Distanz, aber manchmal klappt das nicht – gerade wenn sie noch nicht so alt sind. Jemand mit 85 hat sein Leben überwiegend gelebt, aber bei den jüngeren sieht man sich auch ein bisschen selbst.“Wie kann er nach so einem Job den Wünschewagen begleiten, auch noch in seiner Freizeit mit Sterbenden umgehen? „Mich hat das Projekt fasziniert, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich mich tatsächlich dazu entschlossen habe mitzumachen.“ Ganz wichtig: das Team. Die beiden anderen Ehrenamtler, die bei seiner ersten Fahrt im Sommer dabei waren, hatten schon Erfahrung, konnten dem Neuling zur Seite stehen. „Und ich kannte den Wünschenden aus unserem Hospiz, dadurch war es leichter. Aber ich habe wirklich Respekt vor dieser Aufgabe.“ Entscheiden kann nur der Arzt Eine mögliche Schwierigkeit: Sollte es dem Kranken akut schlechter gehen, welche Art von medizinischer Hilfe wünscht er dann noch? Meist gibt es Patientenverfügungen, in denen solche Fragen beantwortet sind. Aber entscheiden kann nur ein Arzt, weiß der Altenpfleger. „Ich jedenfalls müsste denjenigen erstmal reanimieren, wenn es unklar ist.“ Bisher war Köthke-Sprunk nur bei dieser einen Wunschfahrt dabei. Er würde das gern häufiger machen, bisher passten die Termine aber nicht zu seinem Dienstplan. So können Sie für den Wünschewagen spenden