Ein Angebot des medienhaus nord

Spendenaktion Wünschewagen Herr Falk gibt Gas für letzte Wünsche

Von aboe | 12.12.2020, 05:00 Uhr

Als Neuling im Team der ehrenamtlichen Wünschewagen-Fahrer startete Andreas Falk gleich mit fünf Touren

Lange Zeit passierte nichts Neues in Andreas Falk’s Leben. Essen, schlafen, arbeiten. Klar, die Familie war da. Aber immer auch diese Unruhe, immer fehlte ihm noch was. Er kam nicht drauf, woran es lag. Erst, als der Schweriner vor ein paar Jahren im Garten seiner Eltern ausrutschte, sich mit Oberschenkelhalsbruch im Bett wiederfand und viel Zeit zum Nachdenken hatte, wurde ihm klar, dass er was für andere Menschen tun wollte.

Etwas Sinnvolles tun

Damals befand sich in MV gerade eine neue Rettungsgruppe im Aufbau, die Medical Task Force (MTF). Für diese beim DRK angesiedelte Truppe wurden Ehrenamtliche gesucht, die anpacken können und den Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Landes unterstützen. Das ist es, dachte sich Andreas Falk. Und er lag genau richtig. Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, berauschte ihn vom ersten Treffen an.

Es folgen tolle Jahre bei der MTF. Andreas Falk ist 2019 beim Katastropheneinsatz in Lübtheen dabei und behält in Erinnerung: „Wir haben damals die Feuerwehrleute, die den Waldbrand löschen mussten, abgesichert. Dieser Zusammenhalt. Beim Wachestehen hörten wir immer wieder dieses Rumsen der Explosionen. Ich sehe auch noch den Jungen am Dorfrand stehen, der ein kleines Danke-Schild hochhielt.“

In 2020 bekam Andreas Falk’s Leidenschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, jedoch einen Dämpfer. Weil es coronabedingt keine Feste gab, fielen auch die geplanten Einsätze der MTF ins Wasser. Kein Airbeat One, kein Flughafenfest in Laage. Und auch die Vereinstreffen schrumpften auf ein Minimum und den Erhalt der Technik. Das Kameradschaftliche fehlte.

Und so stellte sich beim ausgebildeten Rettungssanitäter wieder das Gefühl ein, nicht ausgelastet zu sein. Dabei hat er als Vermessungstechniker in Landesamt für innere Verwaltung reichlich zu tun. Aber Beruf und ehrenamtliche Arbeit sind nun mal zwei paar Schuh. „So ein Fernsehabend ist ja ganz nett“, findet Andreas Falk, „aber andauernd ist es nicht gut fürs Bäuchlein und es bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit.“

,Mensch’, dachte er sich mitten im warmen August, „da gibt es doch diese ASB-Weihnachtsaktion Wünschewagen. Ich melde mich da mal auf der Website an.“ Und schwupps, war er mit im Boot – oder besser im Wagen. Denn erst einmal ging es zur Wünschewagen-Fahrerschulung nach Rostock.

Vor jeder Wünschwagen-Fahrt steigt die Aufregung

Im Oktober ploppte dann die erste WhatsApp auf. Ein Fahrer wurde gesucht für eine Tour von der Rostocker Uniklinik nach Waren. Andreas Falk klopfte das Herz. „Ich war total aufgeregt und ich bin es immer noch, sobald eine Nachricht vom ASB kommt“, sagt er.

„Wenn ich zusage, bekomme ich weitere Angaben zugeschickt. Zum Beispiel, wie viel der Patient wiegt, ob er sitzend oder liegend transportiert wird. Dann werde ich schon ruhiger. Die Fahrten selber sind einfach schön.“

Inzwischen blickt Andreas Falk auf fünf Touren zurück. Er hat noch lange nicht genug. „Leider nur fünf“, sagt er. „Ich würde am liebsten jede Tour übernehmen. Zwar sitzt der Schweriner am Steuer des Wünschewagens, bei jeder Pause schaut er aber, ob es dem Fahrgast gut geht. Dann fragt er ihn zum Beispiel, ob das Fahrtempo in Ordnung ist.

Wenn Andreas Falk dann wenig später sieht, wie überwältigt die Menschen sind, sobald sie ihren letzten Wunsch erfüllt bekommen, haut es ihn einfach um. Wie sie aufs Meer schauen oder zu ihren geliebten Angehörigen. Meist richten sich die Augen dann auch dankbar auf die Ehrenamtler.

Manche könnte Andreas Falk in dem Moment einfach nur knuddeln. „Eigentlich passiert auf so einer Fahrt ja nicht viel“, stellt er fest. „Ein Ausflug mit einem Fremden. Aber was gibt es Schöneres, als in dankbare Augen schauen zu dürfen. Ich fühle mich neuerdings geerdet, lebe bewusster, grüble weniger. Ich komme von der Fahrt nach Hause und bin total glücklich.“

Weiterlesen: Uns alle verbindet die Mitmenschlichkeit