Warnung der Bundesbehörde : Ärzte sollen millionenfach ausgegebene Antibiotika nicht mehr verschreiben

Der Einsatz gängiger Antiobiotika soll beschränkt werden.
Der Einsatz gängiger Antiobiotika soll beschränkt werden.

Bei "leichten und mittelschweren Infektionen" soll eine weit verbreitete Antibiotikagruppe nicht mehr eingesetzt werden.

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08. April 2019, 14:34 Uhr

Bonn | Ärzte sollen die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt verschreiben. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Montag mit.

Die Medikamente sollen nach Möglichkeit nicht mehr bei "leichten und mittelschweren Infektionen" eingesetzt werden. Dabei geht es um die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Insgesamt sind Produkte von mehr als 30 Pharmaherstellern betroffen.

Ergebnis europäischer Risikobewertung

Die Zulassungsinhaber der Medikamente informieren nun Ärzte und andere Angehörige von Heilberufen mit einem sogenannten Rote-Hand-Brief. Zudem werden die Packungsbeilagen der Medikamente geändert. Die neuen Regeln sind das Ergebnis eines europäischen Risikobewertungsverfahrens.

Bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen von Fluorchinolonen können lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Betroffen seien vor allem Sehnen, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem. Beim ersten Anzeichen einer dieser schwerwiegenden Nebenwirkungen solle die Behandlung beendet werden. Sie treten den Angaben zufolge sehr selten auf. Besondere Vorsicht sei unter anderem bei älteren Menschen und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion geboten, schreibt das BfArM.

Nebenwirkungen fluorchinolonhaltiger Antibiotika

Laut Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte sind umfassen die sehr seltenen schwerwiegenden und anhaltenden, möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen insbesondere Entzündungen oder Risse der Sehnen, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen, Schwierigkeiten beim Gehen, Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln, brennende Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Probleme beim Sehen oder Hören, sowie Veränderungen des Geschmacks- oder Geruchssinns.

Es können mehre Organe oder Organsystemklassen gleichzeitig und mehrere Sinne betroffen sein. Sehnenschwellungen und Sehnenverletzungen können innerhalb von zwei Tagen nach dem Beginn der Behandlung mit einem fluorchinolonhaltigen Antibiotikum auftreten, möglicherweise aber auch erst einige Monate nach dem Behandlungsende. Patienten, die ein fluorchinolonhaltiges Antibiotikum anwenden und erste Anzeichen einer der oben beschriebenen Nebenwirkungen vermuten, sollten umgehend ihren Arzt kontaktieren.

 

Fluorchinolon-Antibiotika wurden in Deutschland bislang relativ häufig eingesetzt. Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK wurden im Jahr 2017 rund fünf Millionen Packungen mit fluorchinolonhaltigen Antibiotika gesetzlich Versicherten von niedergelassenen Ärzten verordnet. Künftig sollen die Medikamente beispielsweise nicht mehr gegen akute Bronchitis, Mandelentzündung und zur Prävention von Reisedurchfall verwendet werden.

Das BfArM stellte aber auch klar: "Fluorchinolone sind eine wichtige Behandlungsoption gegen verschiedene Infektionserkrankungen, darunter einige lebensbedrohliche, bei denen andere Antibiotika nicht ausreichend wirksam sind." Die ärztliche Entscheidung, Fluorchinolone zu verschreiben, sollte nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall getroffen werden.

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