Mittel gegen Covid-19 : Schwere Nebenwirkungen? Tübinger Mediziner unterbrechen Corona-Medikamenten-Studie

Wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Freitag mitteilte, soll sie bis zu zwei Wochen ausgesetzt werden, weil es Berichte über schwere Nebenwirkungen des Malaria-Mittels gegeben hat.
Wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Freitag mitteilte, soll sie bis zu zwei Wochen ausgesetzt werden, weil es Berichte über schwere Nebenwirkungen des Malaria-Mittels gegeben hat.

Ein unabhängiges Sicherheitsgremium soll sich in der Pause von ungefähr zwei Wochen den bisherigen Ergebnissen widmen.

von
29. Mai 2020, 21:25 Uhr

Tübingen | Das Tübinger Institut für Tropenmedizin unterbricht seine Studie mit dem Medikament Chloroquin zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Freitag mitteilte, soll sie bis zu zwei Wochen ausgesetzt werden, weil es Berichte über schwere Nebenwirkungen des Malaria-Mittels gegeben hat. In dieser Zeit solle ein unabhängiges Sicherheitsgremium die ersten Ergebnisse zur Patientensicherheit anschauen. Danach solle eine Entscheidung fallen, ob die Studie fortgesetzt werde. Zuerst hatte der SWR darüber berichtet.

Weiterlesen: Alle Entwicklungen zur Corona-Krise im Liveblog

Die Studie hatte Ende März begonnen. Kremsner geht davon aus, dass die Sorgen um Nebenwirkungen übertrieben sind. Das Medikament sei seit Jahrzehnten bekannt und gut verträglich. Voraussetzung sei allerdings, dass es bei vielen Vorerkrankungen nicht eingesetzt werden dürfe und nicht in Kombination mit vielen anderen Medikamenten.

Frankreich verbietet Behandlung

Unterdessen wies die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Ärzte erneut daraufhin, bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit Chloroquin und dem verwandten Hydroxychloroquin besondere Vorsicht walten zu lassen. Eine positive Wirkung sei noch nicht belegt, die Behandlung könne schwere Nebenwirkungen haben, etwa bei Patienten mit Herzerkrankungen. Frankreich hatte diese Woche die Behandlung mit Hydroxychloroquin ganz verboten. Einen entsprechenden Erlass veröffentlichte die Regierung am Mittwoch.

Wenige Corona-Patienten für Studie

Die Tübinger Tropenmediziner wollten früheren Angaben zufolge mit Chloroquin eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe behandeln und einer Kontrollgruppe Placebos verabreichen. Im Augenblick gebe es nur sehr wenige Corona-Patienten in Tübingen, mit denen er seine Studie hätte fortsetzen können, sagte der Wissenschaftler dem SWR.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen