Internationaler Großeinsatz der Polizei : Internetkriminalität: Sprengstoff-Plattform "xplosives.net" stillgelegt

Im Zusammenhang mit Cybercrime ist es zu einem Großeinsatz in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien gekommen.
Im Zusammenhang mit Cybercrime ist es zu einem Großeinsatz in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien gekommen.

Rund 1000 Polizisten sind in Deutschland, Litauen und Kroatien an einem Großeinsatz gegen Cyber-Kriminalität beteiligt.

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20. August 2019, 12:35 Uhr

Göttingen | Die Polizei hat in einem internationalen Großeinsatz die frei im Internet zugängliche Sprengstoff-Plattform "xplosives.net" stillgelegt. Der Server und zahlreiche Datenträger seien beschlagnahmt worden, sagte der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig, am Dienstag. Auf der Plattform seien Anleitungen zum Bau von Kriegswaffen und Bomben sowie zur Herstellung von Sprengstoff zu finden gewesen.

Der Einsatz habe am Dienstagmorgen um 4.30 Uhr in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien begonnen. Dabei seien Sprengstoff und Rauschgift sichergestellt worden. Die Durchsuchungen richteten sich gegen 22 Verdächtige im Alter von 17 bis 55 Jahren. Alle beschuldigten Männer seien Deutsche. Rund 1000 Einsatzkräfte waren nach Angaben der Polizei Göttingen beteiligt.

"Umfangreiche Polizeimaßnahmen"

Die Polizeidirektion Göttingen sowie die Zentralstelle Internet- und Computerkriminalität der Staatsanwaltschaft Göttingen hätten die "umfangreichen Polizeimaßnahmen" koordiniert und geleitet.

Betroffen davon war auch Schleswig-Holstein, wie eine Sprecherin der Polizei Göttingen am Dienstag sagte. Nähere Angaben dazu machte sie zunächst nicht. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gab es mindestens eine Durchsuchung am Hamburger Rand.

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Ermittlungen auch in NRW und Bayern

Unter anderem war auch das Landeskriminalamt (LKA) in Nordrhein-Westfalen an dem Einsatz beteiligt. "In mehreren NRW-Städten hat es Durchsuchungen gegeben", sagte LKA-Sprecherin Heidi Conzen. Nach dpa-Informationen gab es eine Durchsuchung in Dorsten bei Recklinghausen. Auch in Bayern wurden zwei Objekte durchsucht, ebenso wie vier Wohnungen in Baden-Württemberg. Außerdem gab es Durchsuchungen im thüringischen Schmölln, wie die jeweils zuständigen Landeskriminalämter auf Anfrage mitteilten.

Die Plattform war nach bisherigem Erkenntnisstand seit dem Jahr 2006 online. Im vergangenen Jahr gab es rund 360 aktive Mitglieder. Hinweise auf ein politisches Motiv liegen bisher nicht vor. "Einen politischen Hintergrund gibt es nicht, haben wir nicht festgestellt", sagte Lührig. Eher sei von einer Wettbewerbssituation auszugehen: "Das waren fast Meisterschaften, die dort ausgespielt worden sind."

Gefahr für Menschen?

Zur Frage, ob die Waffen und der Sprengstoff auch gegen Menschen eingesetzt werden sollten, gebe es noch keine Erkenntnisse. "Wir können es nicht ausschließen", sagte Lührig. Festgenommen wurde keiner der Beschuldigten, da es derzeit keine Anhaltspunkte für Flucht- oder Verdunklungsgefahr gebe, wie Oberstaatsanwalt Ingo Rau, Leiter der Zentralstelle Cybercrime bei der Staatsanwaltschaft Göttingen, sagte.

In Deutschland erfolgten die Durchsuchungen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Begonnen hatten die Ermittlungen vor gut einem Jahr, im September 2018.

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