Nordrhein-Westfalen : Missbrauchsfall von Lügde: Beamter suspendiert – noch mehr Opfer

Ort des Schreckens: Auf dem Campingplatz Eichwald sollen Dutzende Kinder missbraucht worden sein. Foto: dpa/Guido Kirchner
Ort des Schreckens: Auf dem Campingplatz Eichwald sollen Dutzende Kinder missbraucht worden sein. Foto: dpa/Guido Kirchner

Beim Missbrauchsfall in Lügde gab es noch mehr Opfer, als bisher bekannt war.

nnn.de von
14. März 2019, 15:26 Uhr

Düsseldorf | Im Missbrauchsfall von Lügde ist die Zahl der Opfer auf mindestens 34 gestiegen. Bei 14 weiteren Personen bestehe der Verdacht, dass auch sie Opfer des vielfachen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen geworden sein könnten, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Es sei demnach denkbar, dass die Opferzahl weiter steigen könnte. Bislang waren die Ermittler von mindestens 31 Opfern ausgegangen.

Drei Hauptverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte es seit 2008 auf dem Campingplatz mehr als 1000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gegeben. Zudem gibt es laut Reul Hinweise, dass der Hauptverdächtige schon 2002 ein damals achtjähriges Mädchen missbraucht haben soll.

Beamter suspendiert

Ein zeitweiliger Leiter der Ermittlungskommission im Missbrauchsfall von Lügde ist vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Der Beamte habe die Kommission von Mitte Dezember bis Anfang Januar bei der Polizei Lippe geführt, teilte Reul mit. Gegen den Beamten des Kriminalkommissariats Bad Salzuflen bestehe in einem anderen Sexualstraffall der Verdacht der Strafvereitelung im Amt. Wie auch im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen auf einem Campingplatz in Lügde seien Beweismittel in jenem Fall nicht mehr auffindbar gewesen.

Der betreffende Beamte habe im Fall Lügde den Polizeischüler betreut, der die aus einem speziellen Asservatenraum verschwundenen 155 CDs und DVDs gesichtet hatte. Anfang März sei gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Missbrauchsfall ist auch Polizeiskandal

Nach massiven Versäumnissen bei der Ermittlungsarbeit der zunächst zuständigen Kreispolizei Lippe hatte sich der Fall immer mehr zu einem Polizeiskandal ausgeweitet. Drei Beamte aus der Führung der Polizei Lippe wurden laut Innenministerium bereits versetzt. Gegen zwei weitere Polizisten laufen Strafverfahren, weil sie frühe Hinweise auf den Kindesmissbrauch nicht an die Staatsanwaltschaft Detmold weitergeleitet hatten.

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