Neues Epizentrum der Pandemie : Rasanter Anstieg der Corona-Fälle: Brasilien weltweit auf Rang zwei

Ein Mann arbeitet in einem Massengrab auf dem Friedhof Nossa Senhora Aparecida in Manaus in Brasilien.
Ein Mann arbeitet in einem Massengrab auf dem Friedhof Nossa Senhora Aparecida in Manaus in Brasilien.

Mehr als 21.000 Menschen sind in Brasilien bereits gestorben. Nach den USA ist es das am stärksten betroffene Land.

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23. Mai 2020, 18:27 Uhr

Brasília | In Brasilien geht die Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter rasant in die Höhe. Das Land liegt jetzt nach den USA auf dem zweiten Platz weltweit, die Weltgesundheitsorganisation stuft Südamerika mittlerweile als neues Epidzentrum der Pandemie ein.

Nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums wurden in dem südamerikanischen Land bis Freitag mehr als 330.000 Infektionen registriert, mehr als 21.000 Menschen starben. Damit überholte Brasilien Russland, das nun mit rund 326.000 registrierten Infektionen auf Platz drei liegt.

Binnen 24 Stunden starben in Brasilien mehr als tausend Menschen nach einer Infektion mit dem neuartigen Erreger. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen lag bei 20.803 binnen 24 Stunden.

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Brasilien in Südamerika "eindeutig am stärksten betroffen"

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet die steigende Zahl der Coronavirus-Infektionen in Südamerika mit Sorge. Der Kontinent sei "zu einem neuen Epizentrum der Krankheit geworden", sagte WHO-Experte Michael Ryan am Freitag in Genf. Dabei sei Brasilien "eindeutig am stärksten betroffen".

Anders als in Europa und den USA sterben in Brasilien nicht nur überwiegend ältere Menschen nach einer Infektion mit dem Virus. Viele junge Brasilianer sind aus Geldmangel gezwungen, trotz der Infektionsgefahr arbeiten zu gehen und stecken sich dabei mit dem potenziell tödlichen Virus an.

Menschen haben keine andere Wahl

Da Brasiliens Bevölkerung im Schnitt relativ jung sei, sei es normal, dass die Zahl der unter 60-jährigen Todesopfer höher sei, sagte Mauro Sanchez, Epidemiologe an der Universität Brasília. "Das Perverse ist, dass sich viele Menschen dem Virus aussetzen, weil sie keine andere Wahl haben."

Weltweit haben sich nach offiziellen Angaben bislang fast 5,2 Millionen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, mehr als 338.000 Menschen starben an den Folgen der Infektion. Die USA sind mit 1,6 Millionen Infektionen und 96.000 Todesfällen nach wie vor das am stärksten betroffene Land der Welt.

Trump fordert Lockerungen

Dennoch erhöhte US-Präsident Donald Trump den Druck auf die Bundesstaaten und Verwaltungsbezirke, die Corona-Maßnahmen zu lockern. Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft schwer getroffen, und Trump dringt schon seit Wochen auf eine zügige Lockerung der Restriktionen. Dabei hat er offenbar nicht zuletzt seine Chancen bei der Präsidentenwahl im November im Blick.

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Am Freitag forderte er die Gouverneure in den Bundesstaaten auf, Gotteshäuser sofort wieder öffnen zu lassen. Trump bezeichnete Kirchen und andere Gotteshäuser wie Synagogen und Moscheen als "unverzichtbare Orte, die unverzichtbare Dienste leisten". Sollten die Bundesstaaten sich einer Öffnung verweigern, "werde ich mich über die Gouverneure hinwegsetzen", drohte Trump. Ob er dazu überhaupt berechtigt ist, blieb unklar.

Gegenwind erhielt der US-Präsident aus Los Angeles. Der dortige Bürgermeister Eric Garcetti wehrte sich gegen eine Warnung der US-Regierung, wonach die in seiner Stadt verhängten Corona-Beschränkungen illegal sein könnten. "Wir lassen uns in dieser Sache nicht von der Politik leiten, sondern von der Wissenschaft", sagte Garcetti.

Die Metropole geht bei der Lockerung langsamer vor als andere Teile Kaliforniens. Das US-Justizministerium hatte deshalb gewarnt, nach der US-Verfassung sowie den Gesetzen des Bundesstaates seien "willkürliche und unangemessene Handlungen" verboten.

China meldete am Samstag erstmals seit Januar keine neuen Coronavirus-Infektionen. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass sich das Virus in anderen asiatischen Ländern ausbreitet: Indien registrierte an mehreren Tagen der vergangenen Woche mehr als 5000 Neuinfektionen. Die Gesamtzahlen liegen jedoch deutlich unter jenen in Europa, den USA und Südamerika.

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