Festbesucher im Schwarzwald : Männer erschlagen Auerhahn und werden von Zeugen angegriffen

Der geschützte Auerhahn gilt als der Charaktervogel des Schwarzwalds in Baden-Württemberg.
Der geschützte Auerhahn gilt als der Charaktervogel des Schwarzwalds in Baden-Württemberg.

Eine Personengruppe sah, wie zwei Besucher eines Volksfestes das unter Artenschutz stehende Tier töteten.

nnn.de von
12. August 2019, 18:42 Uhr

Feldberg | Nach dem gewaltsamen Tod eines Auerhahns am Feldberg im Schwarzwald ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Tierquälerei und wegen möglicher Verstöße gegen Artenschutzgesetze gegen zwei Männer. Das getötete Tier wurde am Montag von der Polizei beschlagnahmt und werde nun untersucht, sagte ein Sprecher. So solle die Todesursache festgestellt werden.

Die Tat habe sich am Samstag abseits von Wanderwegen ereignet. Die zwei 20 und 22 Jahre alten und betrunkenen Täter hatten nach einem Fest am Feldberg eine Abkürzung durch den Wald und über Wiesen nehmen wollen. Eigenen Angaben zufolge handelten sie aus Notwehr. Das Tier habe sie bedroht, woraufhin sie es mit einer Flasche schlugen, woran der Auerhahn starb.

Geprügelt und mit Bier übergossen

Eine größere Personengruppe hatte den Vorfall beobachtet und griff die beiden Männer daraufhin an. Die Männer seien geschlagen, getreten, gewürgt und mit Bier übergossen worden, teilte die Polizei mit. Die Gruppe umfasste demnach zehn Personen. Die Polizei habe diverse Anzeigen gestellt – unter anderem wegen Tierquälerei – und entsprechende Ermittlungen eingeleitet. Den Beamten zufolge ist einer der Männer, die den Auerhahn getötet haben, Jäger, berichtet der "SWR".

Der Vorfall hatte sich am Rande des jährlichen Laurentiusfestes am Feldberg ereignet. Das Volksfest zur Mitte der Weidesaison hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Besuchermagneten entwickelt. Mehrere Tausend Besucher ziehen dabei jedes Jahr am Feldberg von Hütte zu Hütte, unter anderem mit Dirndl und Lederhose.

Bei grundlosem Töten eines Tieres droht Geld- oder Haftstrafe

Das Töten eines Tiers ohne vernünftigen Grund ist laut Tierschutzgesetz verboten. Es drohen Justizangaben zufolge Haftstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. Das Auerhuhn ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Im Schwarzwald geht der Bestand seit rund 100 Jahren zurück. Mit einem eigenen Aktionsplan "Auerhuhn im Schwarzwald" soll die Art stabilisiert werden.

Umwelt- und Naturschützer am Feldberg riefen dazu auf, Wanderwege nicht zu verlassen. Wildtiere benötigten Rückzugsflächen, erklärte das Naturschutzzentrum Südschwarzwald. Der Feldberg ist mit 1493 Metern der höchste Berg Baden-Württembergs und die höchste Erhebung der deutschen Mittelgebirge. Das Gebiet gelte als wichtige Heimat für Auerhühner und stehe unter Naturschutz. Menschen sollten dies respektieren. Dass ein Auerhahn, vor allem in der Balz, sein Revier mit Flügelschlagen verteidige, komme vor. Eine echte Gefahr für Menschen gehe von dem Tier aber nicht aus. Im Zweifel ziehe sich das scheue Tier zurück.

Weiterlesen: Online-Register: Wer Tiere quält, soll öffentlich erfasst werden

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