Düstere Prognose für 2020 : Spargelbauern leiden unter Corona-Krise – 30 Prozent weniger Ernte?

In Einzelfällen kommt es zu Insolvenzen in der Spargelbranche.
In Einzelfällen kommt es zu Insolvenzen in der Spargelbranche.

Einige Spargelbetriebe stehen auch aufgrund der Corona-Krise vor dem Aus.

von
01. Juni 2020, 14:42 Uhr

Nienburg | Die Wachstumsjahre beim Spargelanbau sind offenbar vorbei: Auch wegen der Schwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise rechnen Experten mit einer deutlich geringeren Ernte dieses Jahr. Einige Spargelbetriebe stehen auch vor dem Aus. "Wir haben sicherlich keine Reiheninsolvenzen, aber doch Einzelfälle", sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst. "Wir haben mehrere große Betriebe in Deutschland, die insolvent sind." Nach zehn Jahren mit steigender Anbaufläche seien die Grenzen nun wohl erreicht.

Weiterlesen: Alle Entwicklungen zur Corona-Krise im Liveblog

Schon die vergangenen Jahre seien wirtschaftlich schwierig gewesen, sagte Eickhorst. Das Problem, in ausreichender Zahl Erntehelfer zu finden, habe es schon vor der Reisebeschränkung wegen der Corona-Pandemie gegeben. Auch die Trockenheit der beiden vergangenen Jahre habe den Unternehmen zugesetzt. Dieses Jahr nun sei es besonders teuer geworden, die Erntehelfer zu bekommen. Die Betriebe mussten für die Flugkosten aufkommen, auch die Aufwendungen für die Unterkünfte seien wegen der Corona-Hygieneauflagen deutlich gestiegen. "Aufgrund von Corona sind die Kosten für die Betriebe erheblich gestiegen", sagte Eickhorst. Die Branche sei nach zehn Jahren Ausbau der Anbauflächen nun offenbar an die Grenzen gekommen.

Düstere Prognose

Nach Einschätzung der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn könnte die Ernte dieses Jahr um rund 30 Prozent unter der des Vorjahres liegen. 2019 wurden bundesweit 122.000 Tonnen geerntet. Das waren bereits acht Prozent weniger Erntemenge als im Rekordjahr 2018.

Privathaushalte konsumieren weiter

Der Rückgang der Erntemenge entspreche ungefähr dem Anteil der Gastronomie am Spargelabsatz. Weil bis Mitte Mai Gaststätten und Restaurants aufgrund der Corona-Verordnungen geschlossen hatten, fiel der Absatz an die Gastronomiekunden in dieser Zeit komplett weg, sagte AMI-Experte Michael Koch. Dafür hätten die Privathaushalte gerne Spargel gekauft.

Spargel teurer

Nach einem hohen Preisniveau zu Beginn der heimischen Ernte, wo der Kilopreis für die Endverbraucher im Schnitt um bis zu 40 Prozent über dem Vorjahresniveau lag, habe sich der Preis inzwischen ungefähr auf dem des vergangenen Jahres eingependelt und lag in der Himmelfahrtswoche im Durchschnitt bei 6,86 Euro für ein Kilo weißen Spargel erster Sortierung. Im Direktverkauf sei der Spargel in der Regel teurer: Wer das Edelgemüse direkt beim Bauern kaufe, müsse für gute Ware zum Teil auch 12 Euro als Kilopreis zahlen, sagte Koch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen