Buschbrände in Australien : Mehr als 2000 Tiere verbrannt: Koalas sind "funktional ausgestorben"

Von den 2000 Koalas, die in den vergangenen Jahren in Tierkliniken mit Knochenbrüchen eingeliefert wurden, überlebten laut WWF nur 40.
Von den 2000 Koalas, die in den vergangenen Jahren in Tierkliniken mit Knochenbrüchen eingeliefert wurden, überlebten laut WWF nur 40.

Nach den aktuellen Buschbränden gehen Tierschützer davon aus, dass etwa 2000 weitere Tiere ums Leben gekommen sind.

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09. Dezember 2019, 18:40 Uhr

Brisbane/Sydney | Gewaltige Buschbrände halten Australien weiter in Atem: Seit Oktober haben die Buschbrände nach Angaben der Behörden rund 2,7 Millionen Hektar Land im Osten Australiens verbrannt. Rund 90 Feuer wüteten derzeit.

Auch für die ohnehin gefährdeten Koalas haben die Feuer verheerende Auswirkungen: Experten gehen davon aus, dass seit Oktober bereits mehr als 2000 Koalas verbrannt sind. Bei einer Anhörung vor dem Parlament in Canberra äußerten sich Wissenschaftler am Montag besorgt, dass durch die anhaltenden Feuer noch viele weitere Tiere sterben könnten. Die Direktorin des Port Macquarie Koala Hospital im Bundesstaat New South Wales, Cheyne Flanagan, sagte: "Wir haben schon einige Brände hinter uns, aber so etwas gab es noch nie. Es ist furchtbar. Und der ganze Sommer steht uns noch bevor."

Ende November ging ein Video um die Welt, in dem zu sehen ist, wie eine Frau eines der Tiere aus einem Feuer rettete. Sie wickelte den schreienden Koala in ihr Oberteil und versuchte ihn anschließend mit etwas Wasser zu kühlen. Nach eigenen Angaben wollte sie das Tier in das Port Macquarie Koala Hospital bringen.


Nur wenige Tage später die traurige Nachricht: Der Koala, der es seither zu trauriger Berühmtheit gebracht hatte und auf den Namen Ellenborough Lewis getauft worden war, ist tot.

Art kann sich nicht mehr selbst erhalten

Nach Angaben der Naturschutzorganisation Australia Koala Foundation (AKF) gibt es noch zwischen 43.000 und 100.000 Koalas. Diese Zahl sei nicht ausreichend, um den Fortbestand der Art noch gewährleisten zu können: In der freien Wildbahn sei es nicht mehr möglich, eine neue Generation an Koalas hervorzubringen. 128 Bezirke überwacht die 1986 gegründete Organisation – in 41 davon lebten seitdem keine Koalas mehr.

Der Grund dafür sei vor allem der Klimawandel: Tausende Tiere starben in den vergangenen Jahren durch vermehrt auftretende Hitzewellen an Dehydrierung. Hinzu kämen grassierende Chlamydien-Infektionen. Die Bakterienerkrankung kann zu Erblindung, Unfruchtbarkeit und zum Tod führen. Die wenigen Koala-Pärchen, die nicht unfruchtbar sind, würden laut Australian Koala Foundation genetisch erbkranke Nachkommen hervorbringen.

In New South Wales könnte der Koala bis 2050 ausgestorben sein

Ein weiteres großes Problem sei der Verlust der natürlichen Lebensräume. Da diese für Landwirtschaft, Straßenbau und Infrastruktur immer weiter zerstört werden, könnten die Koalas im australischen Staat New South Wales bereits bis 2050 ausgestorben sein, wie die Umweltschutzorganisation WWF schätzt. Binnen zwölf Monaten seien allein in den Jahren 2017 und 2018 mehr als 5000 Hektar Koala-Lebensraum vernichtet worden.

"Auf ihrer Suche nach einem neuen Zuhause werden die Tiere dann zu allem Überfluss auch noch von Hunden attackiert oder beim Überqueren der Straße vom Auto erfasst", sagt Arnulf Köhncke, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland. Die Überlebenschance nach derartigen Zwischenfällen sei für die Tiere gering: Von den 2000 Koalas, die in den vergangenen Jahren in Tierkliniken mit Knochenbrüchen eingeliefert wurden, überlebten laut WWF nur 40.

"Vor allem in den dicht besiedelten, fruchtbaren Küstenregionen im Osten ist die Lage der Koalas prekär. Mehr als die Hälfte im Bundesstaat Queensland und mehr als ein Viertel in New South Wales drohen innerhalb von nur sechs Koala-Generationen zu verschwinden", schreibt die Organisation. Seit 1996 seien rund 80 Prozent des Bestands verloren gegangen.

September ist "Rettet den Koala"-Monat

In New South Wales lebten bereits heute weniger als 20.000 der Tiere. Für den Report aus dem vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler Satellitenbilder ausgewertet und den Effekt der Landnahme auf die Natur hochgerechnet.

Um auf diese Bedrohungen aufmerksam zu machen, ruft die "Australian Koala Foundation" alljährlich im September zum "Rettet den Koala"-Monat auf. Ziel soll es sein, das Bewusstsein der Menschen für das Thema zu wecken und sie dazu zu bewegen, etwas gegen die Zerstörung der Pflanzen- und Tierwelt zu tun.


Die Organisation sammelt in dieser Zeit verstärkt Spenden für Schutz- und Bildungsprojekte, pflanzt Bäume, organisiert Aufklärungsarbeit und berät in Hinblick auf die Erschließung von Land. Vor allem aber will sie dafür sorgen, die Lebensräume der Tiere besser zu schützen.

Spendenaktionen für Koalas

Bei einer aktuellen vom bereits erwähnten Port Macquarie Koala Hospital initiierten Online-Spendenaktion für von den Buschbränden betroffene Koalas sind in diesen Tagen zudem mehr als 1,3 Millionen australische Dollar (rund 800.000 Euro) zusammengekommen. Die Sammelaktion habe mehr Spenden erzielt als jede andere derartige Kampagne in diesem Jahr, teilte die Plattform GoFundMe am Donnerstag mit. Das ursprüngliche Ziel von 25.000 Dollar wurde damit weit übertroffen. Spenden kamen von mehr als 30.000 Menschen aus zahlreichen Ländern.

Die Bedrohung ist übrigens nicht neu: Seit 2016 bewertet auch die Internationale Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN den Koala als eine gefährdete Tierart

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