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Gewalttätiger Straftäter Rostock Die Angst kehrt zurück

Von roth | 10.03.2015, 21:15 Uhr

Blutiger Überfall auf Heinz Schwarz: Auch nach dreieinhalb Jahren kann der Parchimer nicht vergessen / Erst recht nicht, seit sein Peiniger vor zwei Tagen geflüchtet ist

Die Angst ist sofort wieder da: Heinz Schwarz rang nach Luft, als er zu Wochenbeginn das Fahndungsfoto des gewalttätigen Straftäters sah: „Das ist der Mann, der mich überfallen hat“, fährt ihm der Schreck in die Knochen – der Mann, der ihn an dem Novemberabend vor dreieinhalb Jahren in seiner Wohnung in Parchim halb totgeschlagen, mit Messerstichen malträtiert hat und ihn seitdem nicht mehr ruhig schlafen lässt. „Ich habe die Nacht über vier Stunden wach gelegen“, sagt der 75-Jährige gestern.

In Haft glaubte er den 49-jährigen Hünen – verurteilt zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren u. a. wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Stattdessen aber ist sein Peiniger Ralf John aus dem Raum Rostock auf der Flucht – zwei Tage schon – abgehauen bei einem Arztbesuch im Rostocker HNO-Universitätsklinikum. „Was ist bloß mit Justiz und Polizei los? “, fragt sich der Parchimer entrüstet. Er ist nicht nur enttäuscht von dem Ausbruch des Täters, sondern auch von den Ermittlungen und dem Gerichtsverfahren. Nur ein Täter sei seinerzeit verurteilt worden. Der Mann, der ihn nach Parchim gefahren und angestiftet habe, sei dagegen frei, erklärt Schwarz.

Tagelang hatte der Rentner den Prozess am Schweriner Landgericht im vergangenen Jahr verfolgt: Zur Ruhe kann er Monate später immer noch nicht kommen. Auch nach der Verurteilung des 49-jährigen Schlägers im Juni vergangenen Jahres sitzt der Schreck tief. Zuvor saß er so tief, dass Heinz Schwarz und seine Lebensgefährtin Ursula Löwe noch Monate nach der Tat Eisenstange, Messer und Komaspray bereitlegten, wenn sie abends ins Bett gingen – Selbstschutz.

Und dann kommen ihm immer wieder die Bilder von den Minuten am Abend des Überfalls in den Sinn, die er wohl nie mehr vergessen wird. Da stand plötzlich dieser Zwei-Meter-Mann im Flur seiner Wohnung und bedrohte ihn mit einer Eisenstange, später mit einem Messer. Schwarz hatte sich noch wehren können, nicht genug. Schläge mit der Eisenstange, tiefe Messerstiche in die Hand – überall Verletzungen – bevor der Täter offenbar aufgeschreckt von den lauten Hilferufen der Lebensgefährtin von Schwarz floh. Da war alles voller Blut, schildern sie später: „Wichtig ist, dass ich lebe“, meinte der Rentner.

Aber er lebt in Angst: Denn noch immer lässt ihn der Fall nicht los. Mit der Flucht von John kommt bei Schwarz die Furcht zurück, auch der Räuber könnte zurückkommen. Mehr noch: Mehrmals bekam er damals anonyme Anrufe, hatte der Rentner berichtet – vor, aber auch noch nach der Tat. Auch sei er bedroht und ihm ein Brief mit einer Geldforderung geschickt worden. Den Schläger hatte ein dreiviertel Jahr später schließlich eine DNA-Spur überführt. Auch ein zweiter Verdächtiger wurde angeklagt, aber nicht verurteilt. Doch Schwarz vermutet andere Hintermänner hinter der Tat. Und die seien weiter auf freiem Fuß, glaubt er noch heute. Allerdings: Es lägen keine Erkenntnisse vor, dass eine dritte Person die Tat in Auftrag gegeben haben könnte, berichten die Ermittlungsbehörden damals.

Damit der Fall aufgeklärt wurde, hatte der Parchimer inzwischen drei Rechtsanwälte beauftragt. Der verurteilte Täter soll ihm 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Doch dazu sei der überhaupt nicht in der Lage.