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Fahndung nach Straftäter Er bedrohte die Pfleger mit einer Schere

Von roth | 10.03.2015, 21:15 Uhr

Die Fahndung nach dem geflohenen Sträfling Ralf John konzentrierte sich gestern auf Rostock.

Hier hatte der 49 Jahre alte Mann während eines Arztbesuchs zwei Pfleger überwältigt und an einen Heizkörper gefesselt, die ihn aus der Psychiatrie in Gehlsdorf in die Doberaner Straße eskortierten. Nach Angaben des Justizministeriums sollte John ambulant am Ohr operiert werden. Für einen Gang zur Toilette seien ihm die Handfesseln abgenommen worden. Als er danach in ein Behandlungszimmer geführt worden sei, habe er einen Aufpasser mit einer Schere an der Halsschlagader bedroht und die Abnahme seiner Fußfesseln erzwungen. „Unsere Mitarbeiter sind auf Deeskalation geschult, wir untersagen ihnen, den Helden zu spielen“, sagt Harald Ahrendt, Sicherheitschef der Psychiatrie. Prinzipiell seien die Pfleger unbewaffnet. „Unsere Ausbildung endet mit dem Staatsexamen und nicht mit dem schwarzen Gürtel.“ John habe sich in der Woche zuvor bei Gericht und bei einem Vorabgespräch in der HNO-Klinik kooperativ verhalten. Seine Pfleger wurden nach dem Vorfall freigestellt. „Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut“, sagt Kerstin Beckmann, Sprecherin der Unimedizin. Ob die Flucht weiterführende Konsequenzen haben wird, müsse geprüft werden. Zuvor sollen die Ermittlungen der Polizei abgewartet werden.

Die setzte gestern ihre Großfahndung fort, überwachte zentrale Verkehrsknoten und Züge, Straßenbahnen und Busse. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, kamen laut Sprecherin Yvonne Hanske zahlreiche Polizisten in zivil zum Einsatz. Auch der Hubschrauber stieg auf. Spezialisten arbeiteten indes an einem Bewegungsprofil des Flüchtigen, dafür griffen sie auch auf die Hinweise aus der Bevölkerung zurück. „Insgesamt waren an den Suchmaßnahmen bisher 160 Beamte der Schutz- und Kriminalpolizei beteiligt“, so Hanske. Außerdem hätten am Fluchttag neun Fährtenhunde die Witterung aufgenommen.

Gestern soll der Flüchtige selbst in Brandenburg und auf Fehmarn gesehen worden sein. Mehrere Anrufer hätten unter der Notrufnummer 110 Alarm geschlagen. Allein bis zur Mittagszeit seien insgesamt 60 Hinweise bei den Ermittlern eingegangen. „Teilweise wurde er an mehreren Orten gleichzeitig gesichtet, das macht es für uns relativ schwierig“, so Hanske. Tipps seien aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, vor allem aber aus der Region Rostock gekommen. „Wir prüfen sie weiter ab“, so Hanske. Jeder Anrufer werde ernst genommen.

Die Polizei warnt davor, den als gewaltbereit eingestuften John anzusprechen oder im Alleingang festhalten zu wollen. Er saß bereits sechsmal in Haft, zuletzt wegen eines Raubüberfalls mit schwerer Körperverletzung auf ein Rentnerpaar in Parchim. Der Mann ist zwei Meter groß und hat Narben an Armen und dem rechten Handrücken.