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Übergriffe in der Bundeswehr : Zwei Soldatinnen aus Sanitz mutmaßlich vergewaltigt - Verdächtiger auf freiem Fuß

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Ein 29-jähriger Unteroffizier soll zwei Untergebene „sexuell angegangen“ haben. Die Polizei ermittelt.

nnn.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 14:01 Uhr

Ein neuer Skandal erschüttert die Bundeswehr. Auf dem Truppenübungsplatz Todendorf bei Lütjenburg in Schleswig-Holstein wurden vermutlich zwei Soldatinnen vergewaltigt. Feldjäger nahmen in der nacht zu Freitag gegen 0.30 Uhr einen 29-jähriger Unteroffizier als Tatverdächtigen fest. Die Staatsanwaltschaft in Kiel hat die Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs aufgenommen, wie ein Behördensprecher bestätigte. Denn bei Verdacht auf solch schwere Delikte müsse die Bundeswehr die Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft abgeben.

Die Frauen sind 18 und 22 Jahre alt. Nach Informationen unserer Redaktion gehören beide Soldatinnen und der Tatverdächtige einer Versorgungseinheit der Flugabwehrraketengruppe 21 der Luftwaffe  an, die in Sanitz im Landkreis Rostock stationiert ist. Die Gruppe ist mit Abwehrraketen vom  Typ „Patriot“ ausgestattet. Die Soldatinnen wurden am Freitag von Beamten der Kriminalpolizei in Rostock vernommen.

Die Bundeswehrangehörigen hatten am Tag Schießübungen auf dem Übungsplatz Todendorf absolviert. 

Hintergrund: Truppenübungsplatz Todendorf

Der Truppenübungsplatz Todendorf bietet als Übungsmöglichkeiten die Richtausbildung Fliegerabwehr, Anlandung Küste, Gefechtsausbildung und Überwindung eines Wasserhindernisses. Zu den vielfältigen Schießmöglichkeiten gehören Handgranaten-Wurfstände, Schul- und Gefechtschießen mit Hand- und Panzerabwehrhandwaffen, Rohr- und Raketenartillerie auf Seeziele, Fliegerabwehrschießen sowie ein Raketenartilleriesystem

Zum Abschluss des Lehrgangs wurde gefeiert – mit reichlich Alkohol. Auch Vorgesetzte sollen betrunken gewesen sein. Am späten Abend soll es dann im Zimmer der beiden Frauen zu den Vergewaltigungen gekommen sein. Wer die Taten meldete, ist unklar. Die Soldatinnen wurden zur rechtsmedizinischen Untersuchung nach Kiel gebracht.

Beide sollen so stark betrunken gewesen sein, dass sie nicht vernommen werden konnten. Noch am Freitag kehrten die beiden mutmaßlichen Opfer mit ihrer Einheit nach Mecklenburg-Vorpommern zurück. Sie werden von Psychologen betreut.

Der Unteroffizier wurde am Freitag aus dem Polizeigewahrsam entlassen, da derzeit kein dringender Tatverdacht besteht. Die Frauen seien zur Tatzeit so betrunken, dass sie den Täter nicht identifizieren konnten. Handy-Videos, die vom Übergriff gemacht worden sein sollen, seien wieder gelöscht worden. Der Unteroffizier sei deshalb aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, erklärt Oberstaatsanwalt Bieler in Kiel. „Unklar ist zur Zeit noch, ob ein Haftbefehl beantragt wird.“

Die Bundeswehr gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Die Zahl der internen Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten hat massiv zugenommen. In der Studie „Truppenbild ohne Dame?“ aus dem Jahr 2014 hatten 50 Prozent der Soldatinnen angegeben, belästigt worden zu sein.

 

„Messbarer Anstieg“ interner Beschwerden bei der Bundeswehr

Im Zuge der öffentlichen Diskussion um mehrere Skandale bei der Bundeswehr hat auch die Zahl der internen Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten massiv zugenommen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium bereits im Juli dieses Jahres.

So wurden bis zum 9. Juli 2017 schon 56 Verdachtsfälle angeblichen Fehlverhaltens Vorgesetzter gegenüber Untergebenen gemeldet. 2016 waren nur 28 solcher Fälle gemeldet worden. Bei Meldungen zu Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung sei mit 127 erfassten Verdachtsfällen bereits das Vorjahresniveau von 128 Fällen erreicht.

Am Standort Pfullendorf (Baden-Württemberg) soll es sexuell-sadistische Praktiken gegeben haben. Bei Meldungen über Vorfälle mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund hat das Ministerium bereits im ersten Halbjahr 96 Verdachtsanzeigen gelistet - nach 63 im gesamten Vorjahr.

Der Anstieg der Beschwerden sei auch das Ergebnis einer Reform des internen Meldesystems, sagte der Sprecher. Dieses sei im ersten Quartal 2017 verändert worden und ermögliche nun, dass Beschwerden „schneller und umfangreicher nach oben geleitet“ würden. Es sei „ein gutes Zeichen, dass die Sensibilität in der Truppe für solche Vorkommnisse messbar gestiegen ist“, sagte er. „Atmosphärisch ist es so, dass die aktuellen Diskussionen in der Öffentlichkeit und in der Bundeswehr es den Betroffenen erleichtern, Dinge anzusprechen.“ Dem von Ursula von der Leyen (CDU) geleiteten Ministerium sei eine „Kultur der Offenheit und Verantwortung“ wichtig; man müsse „Fehler erkennen, ansprechen und angehen“.

Extra: Verdacht auf sexuelle Übergriffe bei der Bundeswehr setzt Reihe von Skandalen fort

Wegen des Verdachts einer Sexualstraftat ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft gegen einen Unteroffizier. Er soll nach einem Trinkgelage auf einem Truppenübungsplatz an der Ostsee zwei Soldatinnen auf ihrem Zimmer „sexuell angegangen sein“.

Wieder gerät die  Bundeswehr in die Schlagzeilen. Zudem  hat die Zahl der internen Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten massiv zugenommen. Wie das Verteidigungsministerium  mitteilte, wurden bis zum 9. Juli 2017 schon 56 Verdachtsfälle angeblichen Fehlverhaltens Vorgesetzter gegenüber Untergebenen gemeldet. 2016 waren nur 28 solcher Fälle gemeldet worden. Bei Meldungen zu Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung sei mit 127 erfassten Verdachtsfällen bereits das Vorjahresniveau von 128 Fällen erreicht.

Am Standort Pfullendorf (Baden-Württemberg) soll es sexuell-sadistische Praktiken gegeben haben. „Spiegel online“ zitierte  aus einem internen Bundeswehr-Ermittlungsbericht, demzufolge Ausbilder Frauen an einer Pole-Stange vortanzen ließen und sie im Genitalbereich abgetastet hätten. Bei Meldungen über Vorfälle mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund hat das Ministerium bereits im ersten Halbjahr 96 Verdachtsanzeigen gelistet – nach 63 im gesamten Vorjahr.

Nach den jüngsten Skandalen um sexuelle Belästigung und entwürdigende Aufnahmerituale hat die Bundeswehr Missstände in den eigenen Reihen untersucht und weitere Verdachtsfälle analysiert. Verstöße seien vor allem „infanteristisch geprägten Verbänden und in Teilen Ausbildungseinrichtungen“ zuzuordnen, heißt es in dem Bericht von Generalinspekteur Volker Wieker an den Verteidigungsausschuss des Bundestages. Das Meldesystem weist demzufolge Defizite auf.

Laut Wieker sind bei der internen Analyse weitere 40 Hinweise allein bei der „Ansprechstelle Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ eingegangen. Zivile Mitarbeiter beklagten vor allem Mobbing-Vorwürfe, Soldatinnen und Soldaten sexuelle Übergriffe. Besonders junge Soldaten von Kampfverbänden entwickelten ein Eigenleben.

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