Nach Schüssen auf Büro in Halle : "Ich bin gerührt": SPD-Politiker Diaby bedankt sich für Solidarität

SPD-Politiker Karamba Diaby aus Halle ist rechten Anfeindungen ausgesetzt.
SPD-Politiker Karamba Diaby aus Halle ist rechten Anfeindungen ausgesetzt.

Viele Menschen kamen, um ihre Hilfe anzubieten und brachten Blumen mit.

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16. Januar 2020, 08:56 Uhr

Am Mittwoch waren an einer Scheibe des Bürgerbüros des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby mehrere Einschusslöcher festgestellt worden. Der Angriff hatte große Bestürzung ausgelöst. Allein in sein Bürgerbüro in Halle kamen nach Angaben eines Sprechers am Donnerstag gut 40 Menschen – um Hilfe anzubieten oder Blumen zu bringen.

Der im Senegal geborene, schwarze Politiker schrieb auf Twitter, er sei zutiefst dankbar für die Solidarität, die er von Tausenden von Menschen erhalten habe. "Ihr gebt mir Kraft und Mut." Außerdem postete er ein Foto von den Einschusslöchern, in die eine Bürgerin Rosen gesteckt hatte. "Das hat mich heute sehr gerührt. Danke", schrieb er.


Keine Projektile gefunden

"Ich mache mir natürlich Sorgen, dass es Menschen gibt, die mit Gewalt gegen Politiker vorgehen, das verurteile ich aufs Schärfste", sagte Diaby der Deutschen Presse-Agentur kurz nach dem Vorfall. In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Angriffe und Gewaltandrohungen von Rechtsextremisten gegen Politiker gegeben. Genaue Hintergründe des Vorfalls in Halle blieben zunächst unklar. "Projektile wurden nicht aufgefunden. Durch was diese Sachbeschädigungen verursacht wurden, kann die Polizei derzeit nicht sagen", so die Behörde. Ob das Gebäude des Bürgerbüros gezielt angegriffen wurde, müsse noch ermittelt werden, so ein Sprecher.

Einschusslöcher sind in einer Scheibe des Büros zu sehen. Foto: dpa/Johannes Stein
picture alliance/dpa
Einschusslöcher sind in einer Scheibe des Büros zu sehen. Foto: dpa/Johannes Stein


"Wir haben heute Morgen festgestellt, dass in einer ungefähr drei Meter hohen und vier Meter breiten Scheibe fünf größere Löcher waren", sagte ein Mitarbeiter Diabys in Halle. Diaby sagte, er vertraue der Polizei, dass sie den Vorfall aufklären werde. Zum Zeitpunkt des Vorfalls war Mitarbeiterangaben zufolge niemand in dem Raum.

Diaby warnt vor Hass und Hetze

Bereits 2015 wurde im Bürgerbüro des Parlamentariers die Schaufensterscheibe eingeworfen. Dieses Büro dient Diabys Angaben nach vor allem dazu, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen. "Es ist besonders perfide, dass genau dieser Raum angegriffen wird", sagte er. "Das widerspricht sämtlichen demokratischen Werten." Er selbst sei häufig in dem Bürgerbüro anwesend. Er werde auch in sozialen Medien angefeindet, sagte Diaby.

Nach dem rechtsextremen Anschlag von Halle mit zwei Toten hatte Diaby die Menschen zu mehr Engagement gegen Hass in sozialen Medien aufgefordert. "Wenn Hass und Hetze dort verbreitet werden und die Stimmen dagegen nicht laut genug sind, fühlen sich diese Leute bestätigt. Dann denken die: Wir sind die Mehrheit", warnte er.

Bedrohung durch Neonazis

Laut Diabys Büroleiter Andrej Stephan kamen am Mittwoch bereits Menschen zum Büro und zeigten ihre Betroffenheit. Das Bündnis "Halle gegen Rechts" erklärte sich in einer Mitteilung mit dem Politiker solidarisch. Er unterstützt demnach seit Jahren die Aktivitäten des Bündnisses. Er sei immer wieder Rassismus und Bedrohungen durch die extreme Rechte ausgesetzt und setze seine Arbeit dennoch engagiert fort.

2013 wurde Diaby für die SPD in den Bundestag gewählt. Er war der erste in Afrika – 1961 in Marsassoum im Senegal – geborene Schwarze im Parlament. Nach Deutschland kam er eigenen Angaben zufolge mit Mitte 20. Ein Stipendium habe ihm dazu verholfen in Halle zu studieren. Der Vater von drei Kindern ist Chemiker und promovierter Geoökologe. Bis 2015 war Diaby zudem Stadtrat in Halle.

Maas reagiert empört

Außenminister Heiko Maas reagierte empört. "Einfach unfassbar. Widerlich und feige. Volle Unterstützung, auch für das gesamte Team", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Wir werden weiter an Eurer Seite für eine freie, tolerante und vielfältige Demokratie eintreten. Jetzt erst recht!" In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Angriffe und Gewaltandrohungen von Rechtsextremisten gegen Politiker gegeben.


Parteispitze bekundet Solidarität

"Ich bin ehrlich geschockt, zu welchen Mitteln feige Kriminelle greifen, um Andersdenkende einzuschüchtern", schrieb die SPD-Chefin Saskia Esken am Mittwoch auf Twitter. "Ich bin mit meinen Gedanken bei Dir und Deinem Team".


Auch ihr Amtskollege Norbert Walter-Borjans teilte auf Twitter mit, an der Seite Diabys zu stehen.

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) schrieb: "Volle Solidarität. Was mich so wütend macht: Jetzt empören wir uns alle und in ein paar Tagen ist das vergessen." Sie frage sich jeden Tag, was noch passieren müsse, bis alle aufwachten.


Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, bezeichnete Diaby als einen Demokraten, "wie er im Buche steht".


Am Mittwochabend bedankte sich Diaby für die Solidarität: "Ich bin zutiefst dankbar für die Solidarität, die ich heute von Tausenden von Menschen erhalten habe. Ihr gebt mir Kraft und Mut", schrieb er in einem Tweet.


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