Beamte zu Hause aufgesucht : Kriminelle Clans schüchtern Polizisten in Niedersachsen ein

Clan-Kriminelle haben versucht, Polizisten im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück einzuschüchtern. Foto: David Ebener
Clan-Kriminelle haben versucht, Polizisten im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück einzuschüchtern. Foto: David Ebener

Kriminelle Clans versuchen offenbar zunehmend Polizisten einzuschüchtern. Nach Vorfällen in Nordrhein-Westfalen meldet sich nun ein Polizeipräsident aus Niedersachsen zu Wort: Osnabrücks Behördenchef Michael Maßmann sagt, Beamte seien im privaten Umfeld angegangen worden.

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08. Dezember 2019, 08:02 Uhr

Osnabrück | Maßmann sagte: „Es gab […] Fälle, bei denen nach Einsätzen entweder einem Kollegen auf dem Weg nach Hause nachgefahren wurde oder man bei einem anderen Kollegen mit einem auffälligen Fahrzeug vor dem Wohnhaus aufgetaucht ist.“ Der Beamte habe die Personen mit Clan-Bezug angesprochen, sie hätten entgegnet, sie wollten „nach dem Rechten sehen“.

In einem anderen Fall sei ein Polizist, der sich gemeinsam mit seinem Sohn in einem Fitnesscenter befand, von einem Clanmitglied gefragt worden, ob der Junge sein Sohn sei. „Der Beamte hat seinem Sohn dann gesagt, er solle ihn besser hier nicht ,Papa‘ nennen“, so Maßmann, dessen Polizeidirektion das westliche Niedersachsen abdeckt und von der Grenze zu NRW bis zur Nordsee reicht.

Einschüchterung in rechtlicher Grauzone

Die betroffenen Polizisten hätten zuvor im Dienst mit kriminellen Clans Kontakt gehabt und sollten offenbar gezielt eingeschüchtert werden, sagte Maßmann. Er beklagte, dass sich die Beamten dagegen nur schwer zur Wehr setzen könnten. Die Clans bewegten sich in einer rechtlichen Grauzone. „Hier ist der Gesetzgeber gefragt“, sagte Maßmann. „Wir brauchen zum Beispiel einen Stalking-Paragrafen, der Amtsträger wie Polizisten besser schützt.“

Unterstützung bekam Maßmann von Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Der teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Werden einzelne Polizeibeamte unter Druck gesetzt, gilt es für den Rechtsstaat, zu handeln, dann sind letzte Grenzen eindeutig überschritten. Dann geht es auch um den privaten Schutz der ermittelnden Einsatzkräfte.“

Bei Einsätzen im Clan-Milieu merken Polizisten schnell „den teils massiven Druck des Gegenübers“, so Malchow. Auch Polizeipräsident Maßmann bestätigte: „Wenn wir im Clanmilieu Einsätze fahren, sind die fast immer von einem Höchstmaß an Aggression und Respektlosigkeit geprägt.“

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